An der Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden befindet sich die erste "Hol- und Bringzone" für Elterntaxis in Gießen. FOTO: MÖ
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An der Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden befindet sich die erste "Hol- und Bringzone" für Elterntaxis in Gießen. FOTO: MÖ

Stopp vor Schule

Gießener "Elterntaxi"-Zone bleibt umstritten

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Viele praktizieren es, aber dazu bekennen will sich fast niemand. Die Rede ist vom "Elterntaxi". Die Grünen fordern nun das Aus für die erste Gießener "Hol- und Bringzone" an der Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden.

Mittwochmorgen im Wohngebiet rund um die Lützellinder Straße in Kleinlinden: Auf den Bürgersteigen strömen größere Gruppen von Jugendlichen zu Fuß Richtung Brüder-Grimm-Schule. Auf den Straßen werden Kinder im Familienkonvoi zur Schule geleitet - auf Fahrrädern. Vom Verkehrschaos, das morgens rund um die Schulen angeblich ausbricht, weil viele Schüler mit dem Auto angeliefert werden, ist nichts zu sehen.

In der Lützellindener Straße selbst ändert sich das Bild. Aus Fahrtrichtung Allendorfer Straße halten direkt vor dem Haupteingang der Schule und kurz vor dem Fußgängerüberweg immer wieder Pkw, denen Kinder entsteigen. Manchmal sind es vier oder fünf Autos, die gleichzeitig am Fahrbahnrand oder in zweiter Reihe halten, um die Kinder aussteigen zu lassen. Autotüren gehen auf und zu, ein Radfahrer fährt sicherheitshalber einen Bogen um das Gewusel.

Modellversuch läuft ein Jahr

Eigentlich sollen sich solche Szenen in diesem Schuljahr hier nicht mehr abspielen, denn ein paar Meter weiter Richtung Ortskern hat die Stadt im Frühjahr eine Hol- und Bringzone für Elterntaxis eingerichtet. Auf beiden Seiten der Lützellindener Straße stehen neun Parkplätze zur Verfügung, um den Elterntaxi-Verkehr in geordnete Bahnen zu lenken.

Am Mittwochmorgen wird die Zone aber eigentlich nur in Fahrtrichtung Allendorfer Straße von einigen Eltern angesteuert, andere fahren an der Zone vorbei und lassen die Kinder weiter vorne in der Busbucht raus. In der Zone Fahrtrichtung Innenstadt hält binnen einer Viertelstunde nur ein ein Pkw.

Ob und wie das mit der ersten Hol- und Bringzone funktioniert will die Stadt in diesem Schuljahr beobachten und dann entscheiden, ob die Zone in Kleinlinden dauerhaft bleibt und weitere im Stadtgebiet eingerichtet werden.

So lange indes wollen die Grünen im Kleinlindener Ortsbeirat nicht warten. Auf der Sitzung in der nächsten Woche steht ihr Antrag, den Verkehrsversuch an der Brüder-Grimm-Schule zu beenden. Begründet wird die Forderung eher grundsätzlich. Die Hol- und Bringzone sei "ein vollkommen falsches Signal" an Eltern, Kinder und Schule. Die Zone sei verkehrspolitisch und ökologisch "sehr kritisch zu bewerten". Pädagogische Bemühungen um Bewegungs- und Gesundheitsförderung auch im Sinne eines sicheren und gut gestalteten Schulwegs für die Kinder würden so "konetrkariert". Außerdem passe "dieses rückwärtsgewandte Konzept" nicht zum Ziel der Stadt Gießen, bis 2035 klimaneutral zu werden, formuliert Ortsbeiratsmitglied Christiane Janetzky-Klein.

Ortsvorsteher will Zusatzbusse

Dass zumindest Familien, die weiter weg von der Schule wohnen, momentan einen triftigen Grund haben könnten, aufs Elterntaxi zurückzugreifen, zeigt ein anderer Antrag auf der Tagesordnung der Stadtteilvertretung. Ortsvorsteher Klaus Dieter Greilich (FDP) drängt auf den Einsatz zusätzlicher Busse für die Kleinlindener Schüler/innen, damit der zur Eindämmung Coronapandemie empfohlene Mindestabstand "zu den Stoßzeiten des Schulverkehrs" eingehalten werden kann.

Eine Mutter aus Kleinlinden hatte Greilich vergangene Woche angeschrieben und gebeten, dass der Ortsbeirat aktiv wird, damit mehr Busse sowohl zur Brüder-Grimm-Schule als auch aus Kleinlinden Richtung Innenstadt eingesetzt werden. "Zur Zeit ist es unmöglich, in den Bussen zum Beispiel der Linie 1 von Kleinlinden in die Stadt morgens auch nur annähernd einen vernünftigen Corona-Abstand zu halten. Da können sich die Schulen um Abstandsregeln mühen wie sie wollen, wenn die Kinder morgens gequetscht stehen müssen", schrieb die Kleinlindenerin.

Auch das Stadtparlament wird sich mit dem Thema Buskapazitäten während der Corona-Pandemie befassen müssen. Die Linkfraktion hat beantragt, dass auf allen Linien, die verstärkt von Schülern und Auszubildenden genutzt werden, die Zahl der Busse verdoppelt wird.

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