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Marc Wiese fühlt sich rehabilitiert.

Medien-Streit

Gießener Doku-Filmer mit Erfolg gegen „ZEIT“: Zeitung entfernt Artikel

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Ein Berliner Gericht gibt dem Gießener Marc Wiese im Streit gegen die „ZEIT“ recht. Er wirft der Zeitung eine „Rufmordkampagne“ vor.

Gießen – Marc Wiese hat vor Gericht einen wichtigen Sieg errungen. Der renommierte Gießener Doku-Filmer war vor rund drei Wochen von der »ZEIT« heftig kritisiert worden. Die Wochenzeitung warf Wiese vor, bei seiner Dokumentation »Die Unbeugsamen« manipuliert zu haben. Vergangene Woche hat das Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung erlassen, wonach die »ZEIT« bestimmte Passagen nicht mehr verbreiten darf. Die diesbezüglichen Artikel wurden daraufhin von der Internetseite genommen. »Ich fühle mich rehabilitiert«, sagt Wiese gegenüber dieser Zeitung.

Schwere Vorwürfe gegen Gießener Dokumentar-Filmer

Verärgert ist der Gießener über diese Episode aber weiterhin. Am 8. April war in der »ZEIT« ein Artikel mit dem Titel »Das ist, als würde ich ihm Koks geben« erschienen, der Wieses Film »Die Unbeugsamen« thematisiert hat. Besagte Dokumentation handelt von der gefährdeten Pressefreiheit auf den Philippinen. Auch ein Interview mit einem Auftragsmörder ist Teil des Films - und Anstoß der »ZEIT«-Kritik. Die Autorin wirft Wiese vor, das Interview nicht selbst geführt zu haben, dies aber in einem Gespräch mit dem Online-Portal »Vice« behauptet zu haben.

Ersteres räumt Wiese auch ein. Ein Assistent habe das Gespräch geführt, was in der Branche aber gang und gäbe sei. Letzteres hingegen entspreche nicht der Wahrheit. Das sagen zumindest Wiese, Vertreter von »Vice« und jetzt auch das Berliner Landgericht. In dem Interview mit dem Online-Portal hatte Wiese über einen seiner anderen Filme gesprochen, ein Schnittfehler habe die Aussage aber aus dem Zusammenhang gerissen.

Gießen: Marc Wiese erwägt weitere Schritte gegen „Zeit“

Wiese hatte die »ZEIT« vor Veröffentlichung des Artikel darauf hingewiesen, die Redaktion verschwieg diesen Aspekt jedoch in dem Bericht. Wiese legte daraufhin vor Gericht nicht nur eine E-Mail vor, in der ein Vertreter der »Vice« seine Version bestätigt, sondern auch eine eidesstattliche Versicherung seines Anwalts. Die Kammer urteilte daher, dass mehrere Passagen aus dem Artikel, die das »Vice«-Interview betreffen, nicht mehr verbreitet werden dürfen. Die Causa sorgte für viel Medienwirbel, da kurz zuvor dem preisgekrönten Dokumentarfilm »Lovemobil« tatsächlich Manipulation nachgewiesen worden war.

Für Wiese, der für seine Werke unter anderen mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden ist, war die Berichterstattung der »ZEIT« daher ein Schock. Schließlich ist Glaubwürdigkeit für einen Dokumentar-Filmer das höchste Gut. »Ich habe 25 Jahre lang sauber gearbeitet. Und dann kam diese Rufmordkampagne. Meine gesamte berufliche Existenz stand auf dem Spiel«, sagt er. Wiese will daher nicht ausschließen, die Wochenzeitung auf Schmerzensgeld und/oder auf Schadensersatz zu verklagen. (chh)

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