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Denkmalschutzpreis

Gießener Denkmalschutzpreis: Das sind die überraschenden Preisträger

  • Burkhard Möller
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Alte Post? Nein. Historische Bahnhofstreppe? Nein. Mit dem Denkmalpreis, der am Donnerstagabend erstmals verliehen wurde, ehrt die Stadt nun die eher stillen Bewahrer des alten Gießen.

Bitte Platz nehmen in der Zeitmaschine, hieß es im Stadtparlament, als bei der Verleihung des ersten städtischen Denkmalpreises am Donnerstagabend die drei ausgezeichneten Objekte vorgestellt wurden. In den Jahren um 1900 kam die Zeitmaschine zum Stehen, hielt an einem Industriedenkmal an der Lahn, im klassizistischen Universitätsviertel und draußen vor den Toren der Stadt im bäuerlich geprägten Wieseck. Denn als preiswürdig stufte die aus Mitgliedern des städtischen Denkmalbeirats, Mitarbeitern der städtischen Denkmalschutzbehörde und des Landesamt für Denkmalpflege bestehende Jury den Schlachthof, zwei Stadthäuser in der Ludwigstraße und eine Hofreite in Wieseck ein. "Mit dem Preis werden ab jetzt jährlich private Denkmaleigentümer der Stadt ausgezeichnet, die in vorbildlicher Weise und mit großem ideellem und finanziellem Aufwand Kulturdenkmäler erhalten und pflegen", erklärte Denkmalschutz-Dezernentin Astrid Eibelshäuser das mit der Preisverleihung verbundene Anliegen. Nachmachen sei ausdrücklich erwünscht:

Schlachthof

Im Bereich Industriedenkmal geht der Preis an Dr. Wolfgang Lust für die Restaurierung und Sanierung des Ensembles Alter Schlachthof unter neuer Nutzungsform. "Dieses Bauprojekt leistet einen sehr wertvollen Beitrag zum Erhalt eines bedeutenden Bauwerkes und wichtigen Zeugnisses der hessischen Wirtschaftsgeschichte und erzielt zudem eine vorbildliche Außen- und Signalwirkung", befand die Jury. Der 1908 bis 1913 erbaute, ehemals städtische Schlachthof, präge durch eine charakteristische Silhouette mit markantem Turm und detailreicher, farblich abwechslungsreicher architektonischer Gestaltung das westliche Lahnufer der Stadt. Lust habe unter größtmöglichem Erhalt der Originalsubstanz mit einer aufwendigen Gesamtsanierung eine neue Nutzung aus Wohnen, Gewerbe und Gastronomie für das aus künstlerischen, städtebaulichen und stadtgeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz stehende Industriedenkmal verwirklicht.

Hofreite in Wieseck

In der Kategorie Hofreite wurde die Sanierung der Kirchstraße 6 im Stadtteil Wieseck durch die Eheleute Ute und Hanns-Georg Thelen ausgezeichnet. In der Kirchstraße im Ortskern sind noch viele Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert erhalten, die aber oft nach dem Zweiten Weltkrieg stark verändert wurden, freilich nicht immer im Sinne der Denkmalerhaltung. Dagegen habe das Preisträger-Ehepaar Thelen das Fachwerkwohnhaus aus dem 18. Jahrhundert mit "großem ideellem und finanziellem Engagement" saniert, lobt die Jury.

Stadthäuser Ludwigstraße

Im Bereich Stadtwohnhäuser wurden die Adressen Ludwigstraße 40/40A des Inhabers Fuhrmann Planen und Bauen GmbH aus Winnenden in Baden-Württemberg ausgezeichnet. Hier befand die Jury, dass die mit dem Denkmalschutz eng abgestimmte Sanierung einen wichtigen Beitrag zum Erhalt bürgerlicher Architektur in Gießen um die Jahrhundertwende 1900 darstelle. "Die Ludwigstraße hat in diesem Abschnitt durch die denkmalgerechte, vorbildliche Sanierung eine enorme Aufwertung erfahren", urteilten die Juroren. Die Stadtwohnhäuser in der Ludwigstraße seien ab 1880 für Unternehmer, Fabrikanten, Handwerker und Architekten gebaut worden und prägten mit ihren repräsentativen, vor allem der italienischen Renaissance nahestehenden Gestaltungselementen bis heute die Hauptachse des Universitätsviertels.

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