Personen mit Mundschutz schwenken Israel-Fahnen.
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Teilnehmer an einer Pro-Israel-Kundgebung am Wochenende in Frankfurt. Auch in Gießen soll am Samstag im wahrsten Sinne des Wortes Flagge gegen Antisemitismus gezeigt werden.

Krieg im Nahen Osten

Gießener Bündnis demonstriert am Samstag gegen Judenhass

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Auf Demos bricht sich im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten blanker Judenhass Bahn. In Gießen will ein Bündnis am Samstag Flagge zeigen gegen Antisemitismus.

Gießen – Auf Plakaten wurde das Existenzrecht Israels bestritten und die Politik gegenüber den Palästinensern mit der Judenvernichtung der Nazis gleichgesetzt, aus der Menge der 1200 Demonstranten brandeten immer wieder Rufe »Babymörder Israel«, »Kindermörder Israel« auf. Im Juli 2014 war das, als nach dem Einsatz israelischer Bodentruppen im von den Palästinensern bewohnten Gaza-Streifen eine große »Free-Gaza-Demo« durch Gießen zog, während sich am Kugelbrunnen kaum 100 Unterstützer Israels zusammenfanden.

Gießen: Bündnis gegen Antisemitismus formt sich

Vor dem Hintergrund aktueller Ausschreitungen und judenfeindlicher Vorfälle bei einigen Pro-Palästina-Demonstrationen in deutschen Städten hat sich in Gießen in den letzten Tagen ein Bündnis formiert, das am Pfingstsamstag bei einer Kundgebung auf dem Rathausvorplatz ein Zeichen gegen Judenhass setzen will. »In Deutschland werden Israelfahnen verbrannt, Jüdinnen und Juden beschimpft und Anschläge auf Synagogen verübt. Diesen aufflammenden Antisemitismus können und wollen wir nicht hinnehmen. Wir wollen Flagge zeigen gegen den Terror der Hamas und der Hisbollah, dem sich Israel zur Wehr setzt, auch wenn wir der Meinung sind, dass jeder unschuldige Tote ein Toter zu viel ist und ein weiteres Hindernis zu einem friedlichen Nebeneinander zwischen Israelis und Palästinensern bedeutet«, heißt es in einem Aufruf, den die Veranstalter am Montag veröffentlicht haben.

Dem Bündnis gehören bislang die Deutsch-israelische Gesellschaft (DIG), die Grünen, die CDU, die SPD sowie die FDP, die Deutsch-Englische Gesellschaft, die Jüdische Gemeinde, die in Gießen ansässige Kurdische Gemeinde Deutschland sowie der Partnerschaftsverein Gießen-Netanya an.

Anitisemitismusbeauftragter der Hessischen Landesregierung in Gießen

Als prominenten Redner haben die Veranstalter Uwe Becker, den Anitisemitismusbeauftragten der Hessischen Landesregierung und Frankfurter Bürgermeister, gewinnen können. »Wir stehen an der Seite Israels«, hatte der CDU-Politiker in den letzten Tagen mehrfach betont. Angriffe auf Jüdinnen und Juden in Deutschland und in der ganzen Welt seien nicht hinnehmbar. Antisemitismus in jedweder Form sei »in aller Entschiedenheit« entgegenzutreten.

Angemeldet wurde die Versammlung von der DIG in Gießen. Vorsitzender Joachim Fontana zeigt sich gegenüber der GAZ positiv überrascht, dass sich so schnell so viele Unterstützer gefunden hätten. »Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass das Thema Israel-Kritik und Antisemistismus mittlerweile in der Bundespolitik angekommen ist«, verweist Fontana auf den 2019 erfolgten Beschluss des Bundestags gegen die internationale Israel-Boykott-Bewegung BDS. Dass es angesichts der Erfahrungen der letzten Tage und mit Blick auf die damalige Gießener Free-Gaza-Demo am kommenden Samstag zu Gegenprotesten kommt, schließt Fontana nicht aus. Der städtischen Versammlungsbehörde lagen bis Montagnachmittag aber keine weiteren Anmeldungen vor. Die von der DIG organisierte Kundgebung vor dem Rathaus wird um 15 Uhr beginnen.

Auch christliche Kirchen und islamische Gemeinde in Gießen besorgt über Antisemitismus

Neben dem hessischen Antisemitismusbeauftragten und Fontana selbst werden als Redner angekündigt: Michaela Engelmeier, Generalsekretärin der DIG, Alexander Wright, Fraktionsvorsitzender und Oberbürgermeister-Kandidat der Gießener Grünen, Dov Aviv vom Vorstand der Jüdische Gemeinde Gießen, Randy Uelmann vom Vorstand der CDU Gießen, FDP-Chef Dominik Erb, Marion Balser, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Gießen-Netanya, Sacha Stawski, Vorsitzender von Honestly Concerned e. V. und I Like Israel, der Gießener SPD-Landtagsabgeordnete und Oberbürgermeister-Kandidat Frank-Tilo Becher sowie Dorothea von Ritter-Röhr.

Einführende Worte wird Lawrence de Donges Amiss-Amiss, Präsident der Deutsch-Englischen Gesellschaft und Mitglied der Gießener jüdischen Gemeinde, sprechen.

Am Wochenende hatten sich bereits die christlichen Kirchen und die islamischen Gemeinden in Gießen in einer Erklärung besorgt über den »aufflammenden Antisemistismus« geäußert. »Wer Jüdinnen und Juden kollektiv und hier in Deutschland für Ereignisse in Israel und in den palästinensischen Gebieten in Haftung nehmen will, offenbart tiefen Antisemitismus. Dem stellen wir uns mit aller Kraft entgegen«, hieß es in der gemeinsamen Erklärung der Christlich-Islamischen Gesellschaft und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

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