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Die Bracken-Schule hat erst im Jahr 2012 einen eigenen Schulkomplex erhalten. Foto: khn

Gießener Brückenbauer

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Die Helmut-von-Bracken-Schule feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen. Zwar war die Einrichtung viele Jahre auf Wanderschaft - doch in der Gießener Schullandschaft nehmen sie und ihre Lehrkräfte eine besondere Rolle ein.

Fast 50 Jahre lang hat die Helmut-von-Bracken-Schule ein Nomadendasein in der Gießer Schullandschaft geführt. Zuerst hatte sie ihren Sitz an der Goetheschule, dann an der Pestalozzischule, später in den alten Räumen der Aliceschule an der Georg-Schlosser-Straße, an der Alexander-von-Humboldt-Schule und am Schulzentrum Ost. Erst 2012 zog die Einrichtung in die ehemalige Elementary School an der Grünberger Straße. Auch wenn die Bracken-Schule als wichtiger Baustein der schulischen Bildung in Gießen längst etabliert und angekommen ist - es habe gutgetan, endlich einen eigenen Komplex zu haben, sagte die Rektorin Sabine Wießner-Müller dieser Tage bei der Festveranstaltung zum 60-jährigen Bestehen. "Denn ein eigenes Gebäude macht die Atmosphäre an einer Schule aus."

Geprägt ist diese Atmosphäre vor allem von einem Bild: der Brücke. Die Bracken-Schule ist eine lernzielgleiche Förderschule. Das bedeutet, dass hier mit den gleichen Bildungsstandards wie an allgemeinbildenden Schulen gearbeitet wird. Zusätzlich zum Unterricht sollen die Schüler sprachheilpädagogisch sowie sozial und emotional gefördert werden. Unterstützt werden von der Vorklasse bis zur neunten Jahrgangsstufe Kinder und Jugendliche mit Sprach- und Kommunikationsproblemen oder mit Schwierigkeiten in der emotionalen und sozialen Entwicklung. Mittlerweile gibt es auch an drei Tagen der Woche ein Ganztagsangebot. Der Anspruch der Einrichtung sei es, betonte Wießner-Müller, die Schüler solange zu fördern, bis sie wieder am Regelunterricht teilnehmen können. Die oftmals kritisierte fehlende Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems spielt an der Grünberger Straße demnach keine Rolle. Im Gegenteil: Die Fördereinrichtung will Brücken bauen: von den Kitas in die Schulen sowie von der Bracken-Schule in die allgemeinbildenden Schulen und in die Ausbildung.

Die Schüler mit dem Schwerpunkt Sprachheilförderung kommen aus Stadt und Landkreis Gießen, die mit dem Förderschwerpunkt "emotionale Entwicklung" nur aus der Stadt. Außerdem ist die Einrichtung ein sonderpädagogisches Beratungs- und Förderzentrum (BFZ). Aktuell werden 221 Schüler in 21 Klassen von 72 Lehrkräften unterrichtet. Über das BFZ werden 5000 Schüler betreut.

Stadträtin Astrid Eibelshäuser unterstrich die Bedeutung der Bracken-Schule für die Gießener Bildungslandschaft. Die Mitarbeiter der Einrichtung seien gute Berater für andere Schulen und würden ihnen mit ihrer "ausgewiesenen Fachexpertise" gerade in Fragen der Sonderpädagogik zur Seite stehen. Ihr Erfolg zeige außerdem, "wie notwendig die Kooperation für die Entwicklung der Kinder ist".

Vielleicht mag die Bracken-Schule nicht für jeden Gießener ein Begriff sein. Zwei Dinge sind mit ihr aber untrennbar verbunden. Zum Beispiel der Kalender, den Achtklässler gestalten. Für 2020 haben sie Orte und Gebäude aus einem etwas anderen Blickwinkel fotografiert. Oder das Bruchstraßenfest: Das stemmt die Schule mit den Bewohnern der Straße und dem Förderverein der Sophie-Scholl-Schule.

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