Der Spieletisch-Club stellt Brettspiele im Offenen Kanal Gießen vor. FOTO: PM
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Der Spieletisch-Club stellt Brettspiele im Offenen Kanal Gießen vor. FOTO: PM

Club gegründet

Gießener Brettspiel-Fans lieben es analog

  • vonSebastian Schmidt
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Wer Brettspiele schon länger mag oder nur mal reinschnuppern möchte, ist in Gießen beim Spieletisch-Club genau richtig. Der Verein veranstaltet Spieletreffs und hat zur Zeit auch ein Programm im Offenen Kanal Gießen.

Spielen ist doch etwas für Kinder." Dieser Satz gilt spätestens seit dem Siegeszug der Computerspielindustrie nicht mehr. Auch Erwachsene haben heutzutage eine Playstation, X-Box oder Switch unter dem Fernseher stehen. PC und Smartphones müssen genauso zum Spielen herhalten. Neben all den digitalen Spielmöglichkeiten gibt es aber immer noch Fans von analogen Brettspielen. In Gießen haben einige von ihnen den Verein Spieletisch-Club gegründet.

"Eine Arbeitskollegin hatte mich damals mitgenommen", erinnert sich Daniel Heinelt an seinen ersten Kontakt mit dem Spieletisch-Club. Er wollte sich das eigentlich "nur mal anschauen". Das ist jetzt eineinhalb Jahre her und seitdem ist Heinelt Brettspiele-Fan. Computerspiele hingegen mag er nicht. "Was mir bei Brettspielen Spaß macht, sind die Menschen und das gesellige Zusammensein." Er spiele auch keine komplizierten Strategie-Spiele. Heinelt mag es, wenn man schnell einsteigen kann und eine Partie auch nicht den ganzen Abend dauert. Für ihn stehen beim Brettspiel die Mitspieler im Fokus. Von denen finden immer mehr ihren Weg zum Spieletisch-Club. "Wir haben uns herumgesprochen."

25 Besucher bei den Spieleabenden

Der Spieletisch-Club veranstaltet ein bis zweimal im Monat einen offenen Spieleabend im DAV Kletter- und Boulderzentrum. Zwischen 15 und 25 Brettspielbegeisterte erscheinen zu den Treffen. Die teilen sich je nach Spiel und möglicher Spieleranzahl in kleinere Gruppen auf. Wenn jemand die Regeln nicht kennt, sei das auch kein Problem. "Einer von uns kann immer die Regeln erklären", sagt Heinelt. Nach einer Partie wechseln die Spieler gerne durch. So sitzten an einem Abend viele unterschiedliche Menschen zusammen.

Corona ist dabei zur Spaßbremse geworden. Von März bis Ende August konnten keine Spieletreffen stattfinden. Heinelt erklärt: "Brettspiel ohne Kontakt ist schwierig." Seit Ende August gibt es wieder Treffen, aber unter verschärften Bedingungen: Maskenpflicht bis zum Tisch und kein Durchwechseln nach einer Partie. Die Spielgruppen sollen an einem Abend in der gleichen Konstellation bleiben.

Einschränkungen durch Corona

Im September hat der Spieletisch-Club die deutschlandweite Veranstaltung "Stadt-Land-Spielt! 2020" in Gießen ausgetragen. Einmal im Jahr stellen Spieleverlage Vereinen Brettspiele zur Verfügung. Sie wollen damit Werbung für diese Art der Spiele machen. Da wegen Corona ein groß-beworbener Spieletag aber nicht möglich gewesen sei, hat der Spieletisch-Club den Aktionstag ins Fernsehen und Internet verlegt. "Wir haben zwei Tage lang, jeweils zehn Stunden live ins Internet übertragen", sagt Heinelt. Sie haben selbst Spiele gespielt und von Experten aus ganz Deutschland Spiele erklären lassen. Die Experten wurden dazugeschaltet. Auch Jung-Autoren von neuen Brettspielen konnten ihre Spiele zeigen. Mit dem Internet-Stream ist der Aktionstag aber nicht vorbei. "Die Aufnahmen werden jetzt im Offenen Kanal Gießen ausgestrahlt." Im Oktober und November wird jeden Freitag um 18 Uhr eine Folge zu sehen sein. 50 bis 60 Minuten Brettspiele pur.

Heinelt erzählt stolz von den "Prominenten" aus ihrem Club. Da gibt es einen, der zwei- oder dreimal Deutscher Meister in "Carcasonne" gewesen ist. Darin legen die Spieler Plättchen mit Straßen und Feldern aus und formen eine gemeinsame Landschaft. Man setzt Figuren in bestimmte Bereiche der Landschaft, die am Ende des Spieles Punkte geben und den Gewinner bestimmen. Ein anderes Vereinsmitglied ist bekannt, weil er so viele Brettspiele hat. 5000 besitzt der Sammler. Damit kann Heinelt nicht mithalten. Laut eigener Aussage hält sich seine Sammlung "in Grenzen". Er kaufe hier und da mal ein Spiel. "40 oder 50, mehr habe ich nicht."

"Spiel des Jahres"

"Spiel des Jahres" ist ein seit 1979 vergebener Kritikerpreis aus Deutschland. Er gilt als weltweit wichtigste Auszeichnung für Brettspiele. Spiele wie "Die Siedler von Catan" und "Carcasonne" sind "Spiel des Jahres" geworden. Die Ausgezeichneten dürfen den roten "Pöppel" auf ihre Packung drucken. So nennt man die kegelförmigen Spielfiguren zum Beispiel aus Halma oder Mensch-ärgere-dich-nicht.

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