Gießener Alt-OB Bernd Schneider mit 88 gestorben

Gießen (pm). Die Stadt Gießen trauert um ihren Oberbürgermeister a. D. Dr. Bernd Schneider, der am Freitag im Alter von 88 Jahren verstarb.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz richtete Worte der Trauer und der Anerkennung für eine großartige Lebensleistung stellvertretend für alle Gießener an Schneiders Familie: "Wir trauern um Alt-Oberbürgermeister Dr. Bernd Schneider, der die Geschicke der Stadt 14 Jahre lang mit viel Erfolg lenkte. Wir würdigen seine Leistung und danken ihm für viele Jahre engagierten Einsatzes für die Menschen in Gießen. Besonders seiner Initiative ist es zu verdanken, dass die Interessen älterer Menschen erstmals und verstärkt in den Blickpunkt der Gesellschaft gerückt sind." Schneider habe die Altennachmittage und Seniorenfahrten eingeführt, altengerechte Wohnungen gebaut und die Senioren nach ihren Interessen und Bedürfnissen gefragt. "Dr. Bernd Schneider hat in Gießen deutliche Spuren hinterlassen, die bis heute positiv nachwirken", betonte seine Nachfolgerin. Auch der Bau des Gießener Rings, der die Innenstadt bis heute vom Verkehr entlaste, und der Hochwasserschutz in der Weststadt wären ohne ihn nicht möglich gewesen. Die Stadt hat ein Kondolenzbuch im Rathaus, 1. Stock, vor der Stadtbibliothek ausgelegt und Halbmast geflaggt.

Der Sozialdemokrat war 14 Jahre lang Oberbürgermeister der Stadt (1963–1977) und kurze Zeit auch Staatsbeauftragter der Stadt Lahn. Damit war er, als er die Nachfolge des späteren Hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald antrat, der jüngste und, als er ausschied, der dienstälteste Gießener Oberbürgermeister. Nur Manfred Mutz (SPD) stand danach mit 16 Jahren länger an der Spitze der Stadt. Schneiders politischer Werdegang begann in Wiesbaden: Bevor er nach Gießen kam, war er von 1952 bis 1963 Referent des damaligen, bis heute legendären Ministerpräsidenten und Landesvaters Dr. Georg-August Zinn.

Nach seiner aktiven Dienstzeit setzte er sich aber nicht zur Ruhe: Als ausgebildeter Jurist unterzog sich Schneider im Alter von 65 Jahren einem Zweitstudium in Geschichtswissenschaften, das er nach nur sieben Semestern erfolgreich beendete. Im Alter von 70 Jahren promovierte der an allem interessierte Politiker. Ehrenamtlich hat sich Schneider auch nach der Dienstzeit unter anderem in der Lebensabend-Bewegung für die Interessen der älteren Generation eingesetzt. Er war Mitbegründer des nationalen Tages der älteren Generation. Außerdem engagierte er sich als Hauptmann der Reserve als Landesvorsitzender des Reservistenverbandes und als Vorsitzender der Gießener Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitstechnik. (Foto: Archiv)

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