Auf der Zielgeraden: Vor den Abiturprüfungen werden auch am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium die Schüler mit Plakaten angefeuert. FOTO: SCHEPP
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Auf der Zielgeraden: Vor den Abiturprüfungen werden auch am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium die Schüler mit Plakaten angefeuert. FOTO: SCHEPP

Abifeier

Wie Gießener Abiturienten ihre Zeugnisse erhalten

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Wegen der Corona-Pandemie werden die Übergaben der Abiturzeugnisse an den Gießener Schulen anders als gewohnt ablaufen. Wir haben uns umgehört.

Als Antje Mühlhans ihr Abitur in der Tasche hatte, musste sie es im Sekretariat ihrer damaligen Schule abholen. Keine schöne Erfahrung, sagt die heutige Leiterin des Landgraf-Ludwigs-Gymnasium in Gießen. Auch deshalb ist es ihr wichtig, dass die diesjährigen Abiturienten - der letzte G 8-Jahrgang am LLG - ihren Abschluss gebührend feiern können - trotz der Corona-Pandemie und den weiterhin geltenden Einschränkungen.

Eigentlich sollten die Abiturienten des LLG am 18. Juni ihre Zeugnisse in der Kongresshalle erhalten und einen Tag später den Abiball feiern. Nun soll es am 18., 19. und 20. Juni im Atrium des Gymnasiums unter freiem Himmel eine feierliche Verabschiedung geben. Die 102 Abiturienten sollen getrennt nach Tutorengruppen die Abschlusszeugnisse erhalten. Mühlhans ist es wichtig, dass die Eltern - oder mindestens ein Elternteil - dabei sind. "Sie haben diese Phase im Leben der Schüler mitgeprägt, mitdurchlitten und auch die Schule unterstützt."

Die Zeugnisübergabe innerhalb von Tutorengruppen wird es auch an der Aliceschule geben. Abteilungsleiterin Christiane Binz sagt, die 55 Abiturienten sollen im Bistro der Schule ihre Zeugnisse erhalten. Geplant sind vier nacheinander stattfindende Veranstaltungen. Neben den Absolventen werden Tutoren, ein Schulleitungsmitglied, Lehrer und bis zu zwei Familienmitglieder anwesend sein.

An der August-Herrmann-Francke-Schule (AHFS) haben 29 junge Erwachsene in diesem Jahr ihr Abitur gemacht. Auch sie sollen in der Einrichtung feierlich verabschiedet werden. In der Aula, sagt Schulleiter Horst Brombach, sei genug Platz für die Absolventen und jeweils zwei Begleitpersonen. Es wird am 5. Juni ein abgesprecktes Programm geben, sagt der Schulleiter: Instrumentalmusik, Grußworte und eine kontaktlose Zeugnisübergabe. "Wir müssen Abstriche machen", sagt Brombach, "aber wir sind dankbar, dass unsere Schüler ihr Abitur in diese besonderen Situation geschafft haben."

Auch Dr. Frank Reuber ist es wichtig, dass die 190 Abiturienten der Gesamtschule Gießen-Ost einen gebührenden Abschied nehmen können. Eine Idee war eine Abschlussfeier im Autokino. Der Vorteil: Eltern könnten die jungen Erwachsenen begleiten. Die GGO ließ ihre Schüler über diese und weitere Varianten einer Verabschiedung abstimmen. 90 Prozent der Schüler entschieden sich für eine Feier an der Schule. "Das hat mich sehr gefreut", sagt Reuber, "weil es die Wertschätzung der Schüler für ihre Schule zeigt."

So werden die Abiturienten am 26. Juni nach Tutorgruppen aufgeteilt morgens, mittags und nachmittags am GGO empfangen - ohne Eltern. Doch die Schule hat vorgesorgt: Die Feier soll im Internet gestreamt werden, sodass die Eltern virtuell dabei sein können. Es wird Reden, einige Überraschungen und die Zeugnisübergabe geben. Ohne organisierten Ausschank, sagt Reuber, "aber im Sinne einer feierlichen Veranstaltung. "Es gibt keinen Neuanfang ohne Abschied", sagt der GGO-Leiter. Deshalb soll seine Rede den Abiturienten vor allem Hoffnung machen.

Stefan Tross von der Herderschule steckt ebenfalls mitten in den Planungen für die Abizeugnisübergabe - obwohl er parallel dazu noch mit anderen Auswirkungen des Coronavirus zu kampfen hat: Am Dienstag war 14 Jahre alter Herderschüler positiv getestet worden; 22 Klassenkameraden und zwei Lehrer sind seitdem in Quarantäne.

Dass die 114 Abiturienten mitsamt ihren Eltern nicht gemeinsam verabschiedet werden können, ist klar. Es gibt die Vorgabe, dass maximal 100 Menschen mit ausreichend Abstand bei einer solchen Veranstaltung anwesend sein dürfen. Die Abiturienten der Herderschule sollen am 20. Juni in acht Tutorengruppen aufgeteilt den ganzen Tag über ihre Zeugnisse erhalten. Das bedeutet für die Lehrkräfte deutlich mehr Arbeit, "aber es ist persönlicher und individueller", sagt Tross. Einige Schüler hätten sich gewünscht, dass sie lieber mit dem kompletten Jahrgang feiern wollten. "Wir werden das Gespräch mit dem Abikomitee suchen, sagt Tross, "aber mir ist es schon wichtig, dass die Eltern an diesem besonderen Tag dabei sind."

An der Liebigschule wird mehrgleisig geplant: Schulleiter Dirk Hölscher sagt, es stünden drei Alternativen zur Auswahl, um die etwa 130 Abiturienten zu verabschieden: Das Autokino, die Kongresshalle sowie Schulhof oder ein Sportplatz. Optimal wäre eine Feier unter freiem Himmel - unter den üblichen Hygieneregeln. Eine Veranstaltung in der Kongresshalle würde wegen der begrenzten Teilnehmerzahl im Innenraum bedeuten, dass die Eltern draußen bleiben müssten. "Das Autokino wäre richtig cool", sagt Hölscher, "die Familie könnte dabei sein und es wäre ein tolles, besonderes Ambiente." Es ist jedoch eine Kostenfrage: Wenn mehrere Schulen mitmachen, dann wäre so eine Veranstaltung finanziell tragbar. Das entscheidet sich jedoch erst Anfang nächster Woche.

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