Mit den Teststreifen aus Gießen lässt sich auch das Coronavirus erkennen. Die Milenia Biotec GmbH hat ihren Umsatz mit diesem Test vervielfacht. FOTOS: SCHEPP
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Mit den Teststreifen aus Gießen lässt sich auch das Coronavirus erkennen. Die Milenia Biotec GmbH hat ihren Umsatz mit diesem Test vervielfacht. FOTOS: SCHEPP

Biomedizin

In Gießen wird Werkzeug für Corona-Test hergestellt

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Im Kampf gegen das Corona-Virus leistet auch eine kleine Firma aus dem Gießener Europaviertel ihren Beitrag.

Dr. Ralf Dostatni sitzt am Besprechungstisch. Vor ihm liegen Streifen aus Papier. Sie sind nicht viel größer als ein Streichholz. Ihr Nutzen ist jedoch nicht zu unterschätzen. "Das sind Schnelltests, die wir 2003 entwickelt haben", sagt der Geschäftsführer der Milenia Biotec GmbH. Durch dieses Verfahren sei eine Vielzahl an Nachweisen möglich. Schwangerschaften zum Beispiel. Oder Keime in Getränken. Und: das Corona-Virus.

Es ist unmöglich zu sagen, wie viele Menschen weltweit an Sars-CoV-2 erkrankt sind. Die bestätigten Fälle hingegen sind einfach zu beziffern. Bei gut 126 000 Menschen ist das Virus bereits nachgewiesen worden. "Ein rasches Testergebnis ist wichtig, um die betroffenen Menschen schnell isolieren zu können", sagt Dostatni. Und kann mit seinen Teststreifen gleich einen Beitrag leisten.

Der Biologe will nicht falsch verstanden werden: Seine Firma produziere keine fertigen Corona-Tests. Die Streifen seien vielmehr ein Werkzeug, aus dem Experten unterschiedliche Tests entwickeln könnten. Ein Kunde habe aus "HybriDetect", so der offizielle Name, beispielsweise einen Tuberkulosenachweis entworfen und in Afrika eingesetzt. Neuerdings würden Wissenschaftler auf Basis der Gießener Entwicklung auch Corona-Tests entwerfen. "Die Kunden brauchen dafür natürlich Know-how", betont Dostatni. "Aber wenn sie die Basis für Virustests schon entwickelt haben, ist die Anpassung auf Corona mit überschaubarem Aufwand machbar."

Die Streifen von Milenia Biotec basieren auf der gleichen technologischen Basis wie Schwangerschaftstests, erklärt der Geschäftsführer. Um einen Virus nachweisen zu können, müssten zunächst die Erbinformationen vervielfältigt werden. Anschließend würden Markierungsstoffe eingebaut.

In den Streifen eingebrachte und mit immunologischen Stoffen beschichtete Goldpartikel würden den Farbstoff dann erkennen und durch einen feinen Streifen anzeigen. "Das Ergebnis ist bereits nach wenigen Minuten mit dem bloßen Auge abzulesen", sagt Dostatni. "Es sind keine weiteren Geräte nötig."

Vielleicht ist das auch der Grund, warum das Gießener Biotech-Unternehmen so viele Testkits nach China verkauft. Aus den USA kam auch schon eine Anfrage, sagt Dostatni, und diese Woche habe sich ein Interessent aus dem Iran gemeldet. "Deutschland ist sehr dicht besiedelt. Alleine bei uns im Umkreis gibt es in Gießen, Marburg und Frankfurt Labore. In großen Flächenstaaten wie China oder den USA ist das anders. Hier müssten die Proben Hunderte Kilometer weit verschickt werden. Das kostet Zeit. Bei unserem Test ist das nicht nötig."

Vision: Betroffene können Tests zu Hause durchführen

Dostatni sagt, das Prinzip der Methode "HybriDetect" sei so einfach gestaltet, dass es nach intensiver Entwicklungsarbeit in Zukunft machbar sein könnte, dass Betroffene die Tests zu Hause durchführen könnten. "Soweit ist es aber noch nicht." Das Nachweisverfahren sei aber immerhin so einfach aufgebaut, dass es schon jetzt von angelernten Kräften ohne Gerätschaften ausgewertet werden könne. "Das ist der Charme dieser Methode: Man braucht kein Labor, der Test kann auch irgendwo in der Pampa durchgeführt werden."

Kein Wunder, dass das Produkt aus dem Hause Milenia Biotec stark nachgefragt wird. Laut Dostatni ist der Umsatz in den ersten zwei Monaten dieses Jahres um ein Vielfaches höher als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Durch die explosionsartige Ausbreitung des Corona-Virus könnte der Absatz weiter steigen. "Der Testbedarf könnte sich erst jetzt so dramatisch ergeben", sagt Dostatni.

Der Biologe weiß aber auch, dass seine Streifen nur ein kleines Rädchen in der um den Globus rollenden Corona-Pandemie darstellen. Als Wissenschaftler macht er sich nichts vor: "Es ist nicht mehr zu verhindern: Das Virus wird sich auf der ganzen Welt verbreiten."

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