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Tahnee liebt es, blitzschnell in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. FOTO: PM

Gießen wird später "vulvarisiert"

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Comedienne Tahnee redet in ihrem neuen Programm "Vulvarine" Klartext. Es geht um Superkräfte, das Erwachsenwerden und die Grenzen des guten Geschmacks. Im Interview erzählt Tahnee, warum sie das Wort Lesbe früher nicht mochte und wie sie Feminismus zum Comedy-Thema macht.

Ihr neues Programm heißt "Vulvarine". Da geht natürlich das Kopfkino los: Fahren Sie auf der Bühne eher die Krallen aus oder wird es schlüpfrig?

Es wird eher ein bisschen tiefgründig. Vulvarine ist die Figur, die ich mir geschaffen habe, um Stärke zu symbolisieren, den eigenen Weg für sich im Leben zu finden. Ich rücke in diesem Programm ein Stück mehr an mich heran und schaue, was bei mir passiert ist und wie es dazu gekommen ist. Es geht um das Erwachsenwerden, um Entscheidungen, aber auch um viele Alltagsdinge. Es ist ein buntes Programm, bei dem hoffentlich für jeden etwas dabei ist.

Sie kämpfen mit kernigen Worten für ein besseres Frauenbild. Was macht Sie denn bei hohlbirnigen Dauerlächlerinnen auf High Heels so wütend?

Wir leben in einer freien Gesellschaft, in der jeder tun kann, was er möchte. Aber ich habe gleichzeitig das Gefühl, dass viele stumpfsinnig einem Ideal hinterher eifern, ohne wirklich darüber nachzudenken. Es geht oft um eine Hülle und nicht um Wahrhaftigkeit. Optisch äußerliche Veränderungen können aber nicht das Innere aufwerten oder verbessern. So etwas macht mich eher traurig als wütend.

Sie haben sich 2014 in der Sendung "TV Total" geoutet. Gab es Warnungen, dass das Ihrem Erfolg im Wege stehen könnte, oder hat das Outing befreit?

Tatsächlich beides. Natürlich haben manche gesagt: "Mach das lieber nicht. Die Leute werden sich von dir abwenden und du wirst nur noch diese Schiene bedienen können." Aber es geht um Authentizität. Wenn ich aus meinem Leben und von Beziehungen zu Freunden erzähle, hat das irgendwann keinen Sinn mehr für mich gemacht. Der Schritt war trotzdem schwierig. Ich wusste, jetzt ist etwas sehr Persönliches offengelegt. Es gibt keinen Schritt zurück. Aber es war das Beste, was mir passieren konnte. Ich bekomme so viele positive Reaktionen, und Leute erzählen mir bei Autogrammstunden, dass sie durch mich Kraft gefunden hätten, sich zu outen. Das ist das schönste Geschenk.

Stimmt es, dass Sie das Wort Lesbe nicht mögen? Warum eigentlich?

Ich konnte mich mit dem Wort Lesbe gar nicht anfreunden, es war für mich ein Klischeebild. Mittlerweile nutze ich das Wort aber gerne, weil ich die Reaktion, die dadurch provoziert wird, so mag. Und außerdem kann man dieses Label auch mit dem, was man sagt, prägen oder verändern.

Feminismus als Comedy-Thema - ist das nicht schon durch Carolin Kebekus abgedeckt?

Das impliziert, dass nur eine Frau über das Thema reden darf...

Nein. Aber man muss als Comedian doch auch ein Markenzeichen haben.

Das sehe ich komplett anders. Einen Comedian macht ja wesentlich mehr aus, als das reine Thema. Es stört sich ja auch niemand daran, dass es so viele männliche Comedians gibt, die im Grunde dasselbe erzählen. Ich weiß nicht, warum das bei Frauen in der Comedy plötzlich ein Problem darstellen sollte.

Wo ist die Grenze guten Geschmacks?

Das ist auch eine persönliche Einstellungssache. Man kann nicht in die Köpfe hineinschauen. Es kann sich schon bei einem leichten Witz jemand persönlich angegriffen fühlen. Generell ist es so: Je heikler das Thema ist, umso intelligenter muss der Witz sein. Und umso sensibler muss man das Thema anfassen. Es kann sich aber wohl kein Künstler davon freisprechen, sich nicht schon mal in die Nesseln gesetzt zu haben.

Sie wollten mal Musical-Darstellerin werden.

Ich habe 15 Jahre Ballett getanzt. Da war der Wunsch schnell da, auf der Bühne zu bleiben und Musical zu machen. Dann kam der RTL-Comedy-Grand-Prix dazwischen. Meine Mutter hatte gelesen, dass Cindy aus Marzahn Comedy-Nachwuchs sucht. Es war der Sommer nach dem Abi, ich hatte nichts zu tun. Ich habe mich beworben und wurde sofort zum Casting eingeladen. In der Livesendung 2011 habe ich dann bei meinem ersten Auftritt vor drei Millionen Leuten gestanden.

Wie schaffen Sie es, so schnell in unterschiedlichsten Dialekten zu sprechen und andere zu parodieren?

Das ist einfach eine Persönlichkeitsstörung, die ich lange perfektioniert habe.

Was ist Ihr Lieblingsdialekt?

Das Wienerische. (Tahnee spricht ab sofort im Wiener Dialekt) Da kann man eine Abneigung einer Person gegenüber wahnsinnig doll formulieren und sagen: Du bist so hässlich. Und das mit einem Lächeln im Gesicht.

Und wen parodieren Sie am liebsten?

Für mich liegt der Reiz im schnellen Wechsel. Und in der Unterschiedlichkeit. Einen Favoriten habe ich nicht.

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