Auf dieser Fläche am Güterbahnhof - neben dem neu errichteten Jobcenter - könnte die Hessische Lehrkräfteakademie gebaut werden. Diese ist bisher noch in Frankfurt angesiedelt. 
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Auf dieser Fläche am Güterbahnhof - neben dem neu errichteten Jobcenter - könnte die Hessische Lehrkräfteakademie gebaut werden. Diese ist bisher noch in Frankfurt angesiedelt. 

Stadtentwicklung

Lehrkräfteakademie zieht nach Gießen - Zahlreiche Arbeitsplätze 

  • Jens Riedel
    vonJens Riedel
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In vier Jahren ist Gießen um etwa 230 akademische Arbeitsplätze reicher: Die Hessische Lehrkräfteakademie zieht von Frankfurt nach Gießen in einen Neubau um.

Gut gelaunt ist Bürgermeister und Planungsdezernent Peter Neidel am Donnerstagnachmittag am Telefon. "Das ist eine erfreuliche Nachricht für Gießen", sagt der CDU-Politiker. Damit meint er die am gestrigen Donnerstag verkündete Entscheidung des Kultusministeriums, die Hessische Lehrkräfteakademie mit ihrer Zentrale von Frankfurt nach Gießen und Alsfeld umzusiedeln.

Wo genau die Akademie, in der aktuell 230 akademische Mitarbeiter beschäftigt sind, in Gießen gebaut werden soll, konnte Neidel zwar noch nicht sagen. Das Kultusministerium werde zunächst den Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) mit einer Marktanalyse für den Standort Gießen beauftragen.

Gießen: Neubau am Güterbahnhof?

Doch nach Informationen dieser Zeitung könnte das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs, wo vor kurzem auch das neue Jobcenter gebaut wurde, als Standort in Frage kommen. Vor allem deshalb, weil den Beschäftigten der Akademie eine gute Anbindung an den Bahnhof sehr wichtig ist.

"Der neue Standort muss den Beschäftigten der Akademie gut zu vermitteln sein", sagt Neidel auf Anfrage dieser Zeitung. Der Gießener Magistrat habe seit mehreren Monaten engeren Kontakt zum Kultusministerium gehabt. Die zentrale Lage Gießens sei ein Vorteil für die Akademie auch deshalb, weil viele Besucher zu Fortbildungen nur tageweise an die Akademie kommen - da sei die Position Gießens im Herzen Deutschlands ein großes Plus.

Kultusstaatssekretär Dr. Manuel Lösel und Akademie-Präsident Andreas Lenz hatten am Donnerstag auch die Gremien und die Beschäftigten der Behörde über den geplanten Umzug informiert. "Mit der Information von Beschäftigten und Öffentlichkeit wollen wir Transparenz und Planungssicherheit herstellen und die Mitarbeiter von Anfang an in den Prozess einbeziehen", erklärt Lösel. Dienststellenleitung, Personalrat, Frauenbeauftragte und Schwerbehindertenvertretung der Akademie seien in die Entscheidung mit einbezogen worden. Lösel hatte übrigens vor seinem Wechsel ins Ministerium als Direktor am Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums in Gießen gearbeitet.

Anlass für den in vier Jahren anstehenden Umzug ist der seit Jahren schlechte bauliche Zustand der derzeit genutzten Immobilie in Frankfurt und das Auslaufen des dort letztmalig verlängerten Mietvertrags. Die bisher an den Standorten Frankfurt, Wiesbaden, Gießen und Kassel untergebrachten Dezernate und Sachgebiete sollen daher ab August 2024 vollständig an den beiden neuen Standorten in Gießen und Alsfeld konzentriert werden.

Zentrale Lage als Vorteil für Gießen

"Die Universitätsstadt Gießen liegt zentral in Hessen, ist sowohl mit der Bahn als auch mit dem Auto gut zu erreichen und als Sitz der zweitgrößten lehrerbildenden Hochschule in Hessen prädestinierter Standort für diese für die Schulverwaltung so wichtige Behörde", argumentiert Lösel. Mit der Außenstelle Alsfeld wolle man ein Zeichen setzen für die Stärkung des ländlichen Raums, so wie es der Koalitionsvertrag von 2019 vorsehe, ergänzt der Staatssekretär in seiner Presseerklärung.

Aufgrund der geplanten Neuunterbringung der Polizeistation Alsfeld und der Regionalen Kriminalinspektion Vogelsberg werde die gemeinsame Ansiedlung von Lehrkräfteakademie und Polizei unter Synergiegesichtspunkten geprüft.

Für den Gießener Universitäts-Präsidenten Prof. Joybrato Mukherjee ist die Entscheidung, die Lehrkräfteakademie in Gießen anzusiedeln, "ausgesprochen erfreulich und in der Sache wohlbegründet". Die Universitätsstadt Gießen sei ein zentraler Lehrerbildungsstandort in Hessen. Die Justus-Liebig-Uni biete alle Lehramtsstudiengänge mit dem breitesten Fächerangebot hessenweit an; knapp ein Viertel aller Studierenden seien in diesen Studiengängen eingeschrieben. Vor diesem Hintergrund werde es erhebliche Synergiepotenziale mit der Lehrkräfteakademie in Gießen geben.

Der Standort Gießen vereint bereits eine Universität, eine Technische Hochschule, eine Prüfungsstelle der Lehrkräfteakademie, ein Staatliches Schulamt sowie Studienseminare für die zweite Phase aller Lehrämter und für Weiterbildung an einem Ort. Gemeinsam mit den Schulen habe sich - so Mukherjee - "ein starkes Netzwerk" gebildet.

Die Hessische Lehrkräfteakademie ist die Ausbildungsbehörde für den pädagogischen Vorbereitungsdienst in Hessen. Sie verzahnt und bündelt die administrativen Strukturen der drei Phasen der Lehrerbildung, der schulischen Qualitätsentwicklung und der Qualifizierung von schulischen Führungskräften. Zudem berät die Lehrkräfteakademie das Kultusministerium bei Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Schulwesens.

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