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Den Platz vor dem Eingang zum Botanischen Garten am Kanzleiberg will die Stadt ohnehin und in Absprache mit der Universität umgestalten. 

Im Herzen der Stadt

Umgestaltung: Konkrete Vorschläge für Brandplatz Gießen - Besonderes Highlight im Visier

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Der Brandplatz wird meist als Parkplatz genutzt. Nun hat auch die Bürgerinitiative Historische Mitte Gießen (HMG) das "immense Potenzial" des Platzes als "Verweilort" entdeckt.

Gießen - Es war eine Debatte fürs Sommerloch: Die Frage, ob unter dem Brandplatz eine öffentliche Tiefgarage gebaut werden soll, um Gestaltungsraum zu gewinnen. Ihren Konflikt über diese Frage legte die Koalition aus SPD, CDU und Grünen im September dann bei und vertagte die Entscheidung über die künftige Gestaltung des Brandplatzes in die nächste Legislaturperiode ab 2021. Gedankenspiele und weitere Diskussionen lassen sich damit natürlich nicht verhindern. So ist jetzt die Bürgerinitiative Historische Mitte Gießen mit Vorschlägen an die Öffentlichkeit getreten, die sie der Stadt bereits vorgestellt hat. Die BI spricht selbstbewusst von einer "grundlegenden Idee" für den Platz und hat den heimischen Landschaftsarchitekten Norbert Kerl von der Biebertaler Planungsgruppe für eine Mitarbeit bewegen können.

Kernpunkte des Konzepts sind die "Befreiung" des Brandplatzes vom Autoverkehr, die Schaffung einer Sichtachse zwischen den Museumshäusern am Kirchen- und Brandplatz, die Umgestaltung des Platzes vor dem Eingang zum Botanischen Garten und die Belebung des Brandplatzes.

Wie BI-Mitglied David Hautmann betont, habe die Frage, ob und wie viele Parkplätze im Bereich Brandplatz/Landgraf-Philipp-Platz benötigt werden, nicht im Fokus der Arbeit gestanden. Gleichwohl verweist die BI auf die Optionen Tiefgarage und Parkpalette hinter dem Zeughaus und spricht sich dafür aus, den Uniparkplatz für die Öffentlichkeit zu nutzen. Was die Seitenstraßen des Brandplatzes betrifft, möchte die BI die Marktlauben bis zum Lindenplatz und die Schlossgasse ganz von parkenden Autos befreien. Ferner wird dafür plädiert, den Kanzleiberg vom Brandplatz abzuhängen, den Wendekreis zu belassen und im Übergangsbereich zum Brandplatz Bäume zu pflanzen.

Im Grundsatz sind einige der Ideen der BI nicht neu: Die Frage, ob die Durchfahrt vom Kanzleiberg zum Brandplatz unterbunden werden soll, hatte in den 1980er und 1990er Jahren für heftige Debatten gesorgt. Eine Anwohner-BI war dafür, die Wirtschaft dagegen. Die Aufwertung der Schlossgasse wiederum wurde über Jahre von der CDU-Stadtverordnetenfraktion gefordert und sollte dann im Zuge der Korridorpläne zur Landesgartenschau umgesetzt werden. Am Ende fehlte das Geld.

Ginge es nach der BI, würde die Schlossgasse "dezent" begrünt und bliebe für Anwohnerverkehr offen, jedoch sollte kein Auto "die Sichtachse tangieren". Die Schlossgasse wie auch der Vorplatz des Botanischen Gartens stehen auch in der Projektliste des städtischen Langzeitprojekts Grüner Anlagenring mit einer mittleren und hohen Priorität und sollen in den nächsten Jahren umgestaltet werden. Für beide Maßnahmen stehen 350000 Euro zur Verfügung.

Für den Platz vor dem Eingang zum Botanischen Garten schlägt HMG eine Verlagerung und Ergänzung der Gießener Köpfe vor und die Schaffung von Sitz- und Liegemöglichkeiten sowie eine Pflasterung vor. Die Handvoll Parkplätze würde wegfallen.

Für den Brandplatz selbst schlägt die BI als "Highlight" einen Brandplatzbrunnen vor, der den großen Stadtbrand von 1560 als Thema künstlerisch aufgreifen soll. Ein Spielplatz, Sitzmöbel, Begrünungen und ins Pflaster eingebaute Umrisse der historischen Bebauung sowie ein zweiter Zugang zum Botanischen Garten könnten weitere Gestaltungselemente sein. Die BI betont, dass die Umgestaltung den Wochenmarkt nicht beeinträchtigen würde. Im Konzept sei die Marktaufstellung an einem Samstag berücksichtigt worden.

Nach Angaben der BI wurde das Konzept dem Planungsamt und Bürgermeister Peter Neidel bereits vorgestellt. Es habe ein "interessierte Blicke, Rückfragen und ein gutes Gespräch" gegeben. Dabei sei klar geworden, dass die Umgestaltung des Brandplatzes momentan zwar "nicht im vordersten Fokus der Stadtplanung" stehe.

Gleichwohl sei es zu begrüßen, dass die Umgestaltungsnotwendigkeit, was zum Beispiel den Platz vor dem Eingang zum Botanischen Garten betrifft, auch gesehen und im Rahmen des Programms "Zukunft Stadtgrün/Grüner Anlagenring" auch angepackt werde.

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