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Aus dem gesamten Gebäudekomplex im Schiffenberger Tal soll das Musikzentrum Mittelhessen werden

Musikzentrum Mittelhessen

Gießen: Neue Anlaufstelle für Musiker entsteht im Schiffenberger Tal

  • Marc Schäfer
    VonMarc Schäfer
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Das Gießener „Musikhaus Schönau“ und die Musikschule „Musikzentrale“ aus Wetzlar gründen das „Musikzentrum Mittelhessen“. Auf rund 2500 Quadratmetern soll im Schiffenberger Tal eine allumfassende Anlaufstelle für Musiker entstehen. Sogar an eine Live-Spielstätte wird dabei gedacht.

Gießen – 25 Jahre, sagt Musiklehrer Sebastian Schlöndorf von der »Musikzentrale« aus Wetzlar, habe er die Idee für ein solches Projekt schon in der Schublade. Mal scheiterte es an der Immobilie, mal an Partnern, mal an widrigen Umständen. Doch jetzt steht die Umsetzung unmittelbar bevor. In den nächsten Tagen wird die Fusion des traditionsreichen Gießener »Musikhauses Schönau« und der Wetzlarer Musikschule vertraglich fixiert. Das Ziel der neuen GmbH ist die Eröffnung und der Betrieb des »Musikzentrums Mittelhessen« am Sitz von Schönau im Schiffenberger Tal in Gießen. Dort soll auf mehr als 2500 Quadratmetern eine allumfassende moderne Anlaufstelle für Musiker entstehen.

Mit Ladengeschäft, verschiedenen Ausstellungsflächen, auch für Hersteller von Instrumenten und Dienstleister, Werkstätten und Übungsräumen, aber auch an Nachhilfeplätze für Schüler, eine die Öffnungszeiten begleitende Gastronomie und eine Live-Spielstätte für kleinere Konzerte oder andere kulturelle Veranstaltungen für bis zu 200 Besuchern. »Bei uns soll es für Musiker alles geben, was sie von der Wiege bis zur Bahre benötigen«, sagt Schlöndorf. Beide Unternehmen sind schon seit 1992 lose miteinander verbandelt. Die gemeinsame GmbH ist nun ein konsequenter Schritt und auch die vielen Musiker der Region letztlich zusammenführen.

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Das Zentrum soll Ort des Austauschs und Netzwerk der Szene sein. »Musik kann - ähnlich wie sonst nur der Sport - Menschen jeden Alters und jeder Herkunft zusammenbringen. Das soll bei uns möglich sein«, betont Schlöndorf. In der zum Zentrum gehörenden Gastronomie sollen die Gespräche stattfinden können. »Dort kann die Begleitperson aber auch nur einen Kaffee trinken, während die Kinder unterrichtet werden«; sagt Schlöndorf.

Die Gelegenheit war günstig. Mit dem Umzug des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen aus dem an das Musikhaus angrenzenden Gebäude in die neue Immobilie der Volksbank Mittelhessen auf der gegenüberliegenden Straßenseite haben sich neue Möglichkeiten ergeben. »Die Frage war, haben wir eine Vision für diese Räume? Die Antwort war: Ganz klar, es gibt Ideen«; sagt Simon Bender, der das Musikhaus Schönau im Februar des vergangenen Jahres vom langjährigen Betreiber Hans-Jochim Reh übernommen hat. »Für mch ist das neue Zentrum eine Chance den Standort auszubauen und das Musikhaus zu stärken«, erklärt Bender. Dies wiederum sei alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Kaum ein Musikfachhändler fände aktuell einen Nachfolger, in der Regel würden solche Geschäfte eher von der Bildfläche verschwinden, als dass Betreiber ein Bekenntnis für einen Standort abgeben. Ein Indiz dafür ist, dass das Einzugsgebiet, aus dem Schönau seine Kundschaft anzieht, ständig wächst. »80 bis 100 Kilometer, zum Teil deutlich mehr« sei keine Seltenheit«, sagt Bender über die Kunden des Fachhandels, der in Gießen auf eine 115-jährige Tradition zurückblicken kann. Die Wurzeln von Schönau lagen in der Bahnhofstraße, später befanden sich die Verkaufsräume in der Frankfurter Straße und der Johannesstraße. Vor 20 Jahren folgte dann der Umzug ins Schiffenberger Tal.

Noch, gibt Bender zu, benötige es beim Blick in die kargen Buroräume ein wenig Vorstellungskraft, sich ein buntes Musikzentrum oder gar eine Live-Spielstätte vorzustellen. »Es ist ein Blick in die Zukunft«, sagt er. »Das Zentrum wird der Beweis, dass selbst in einer Krise etwas Neues und Positives entstehen kann«, sagt Geschäftspartner Schlöndorf.

Musikzentrum Mittelhessen in Gießen: Positiv aus der Corona-Krise

Er hat durchaus Grund zum Optimismus. Die Einschränkungen der Corona-Krise hat Schlöndorf mit seiner Musikschule ins Gegenteil verkehrt. »Wir haben schnell auf digitalen Unterricht umgebaut. Dadurch hat sich für uns ein neuer Markt eröffnet«; sagt der Schlagzeuger. Schüler, die zum Beispiel aus Studiengründen den Wohnort gewechselt haben, können wir nun zum Beispiel ganz einfach weiter unterrichten«; erzählt er. Um die digitale Sparte weiter auszubauen, werden im neuen Zentrum eigens Videoräume für digitalen Unterricht entstehen. Die werden auch Schönau zugute kommen, denn auch Bender hat in der Krise auf digitale Verkaufsgespräche und Beratung nach dem Kauf gesetzt. Ebenfalls mit Erfolg.

Musikzentrum Mittelhessen in Gießen: Der Zeitplan

Der Start des operativen Geschäfts des neuen »Musikzentrums Mittelhesse« erfolgt mit der für Mitte März geplanten GmbH-Gründung. Der Musikunterricht soll zum 1. Mai im Schiffenberger Tal beginnen. Dann soll der Umzug der »Musikzentrale« aus der Rudolf-Diesel-Straße in Gießen abgeschlossen sein. Wann die weiteren Flächen von den Mietern bespielt werden, ist noch unklar. »Sie sind an branchennahe Anbieter vermarktet, die den Gedanken eines Musik-Dienstleistungszentrums aufnehmen«, sagt Schlöndorf.

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