Weiße Weihnachten in Gießen? Sehr selten, wie die Statistiken der Wetter-Forscher zeigen.
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Weiße Weihnachten in Gießen? Sehr selten, wie die Statistiken der Wetter-Forscher zeigen.

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Weiße Weihnacht gibt’s in Gießen nur selten: 2020 wird keine Ausnahme

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2020 bleibt sich auch an Heiligabend treu: Statt „Weiße Weihnacht“ wird es grau und nass. In Gießen hat Schnee an den Feiertagen sowieso Seltenheitswert.

Gießen – »Lassen Sie uns übers Wetter reden«, sagt Malte Witt. Er lacht. Normalerweise wird der Diplom-Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes in Essen im Dezember häufig gefragt, ob sich für die Weihnachtstage Schnee ankündigt. In diesem Jahr ist das anders. »Auch das Wetter wird von Corona in den Hintergrund gedrängt«, sagt Witt. Erschwerend käme hinzu, dass es 2020 wettermäßig auch eher unspektakulär zugegangen sei. Ein bisschen zu warm, ein bisschen zu trocken. Das war’s.

»Wenn Sie über weiße Weihnachten reden wollen, können wir uns jedenfalls kurzfassen«, sagt Witt. »Die Wahrscheinlichkeit liegt in diesem Jahr bei unter 5 Prozent. Und das ist schon eher großzügig.« Für Heiligabend prognostiziert der Experte 8 bis 10 Grad, Niederschlag, vor allem am Vormittag. Statt weiß wird es also grau, mild und nass. Auch an Weihnachten bleibt das Krisenjahr seinem Motto treu.

Weiße Weihnachten in Gießen? Nur zweimal in 72 Jahren mehr als zehn Zentimeter

Ganz überraschend kommt dieses Wetter für Gießen in diesem Jahr nicht. Die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes seit 1948 verraten, dass in der Stadt in den vergangenen 72 Jahren nur in 21 Jahren an einem, zwei oder allen drei Weihnachtstagen Schnee gelegen hat.

Mehr als zehn Zentimeter lagen in Gießen an Heiligabend seit 1948 sogar nur zweimal: 1981 (17 cm) und 1969 (13 cm). Zum letzten Mal gab es im Jahr 2010 - also genau vor zehn Jahren - an allen drei Tagen eine geschlossene Schneedecke. Damals lagen bereits an Heiligabend acht Zentimeter, am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag wurden jeweils elf Zentimeter Schnee gemessen. Seitdem aber lag in Gießen morgens an keinem Weihnachtstag mehr Schnee und auch in diesem Jahr wird sich das aller Voraussicht nach kaum ändern.

Gießen: Neun Jahre ohne Schnee an Weihnachten

Die Schneehöhen gehen aus den Messergebnissen hervor, die der Deutsche Wetterdienst erhoben hat. Die Wetterbeobachter greifen dabei auf Daten der DWD-Klimastationen Gießen/Wettenberg (siehe Kasten) zurück. Die entsprechenden Schneehöhenmessungen finden routinemäßig nur einmal am Tag, morgens um 7 Uhr, statt. Demnach ist es möglich, dass in Gießen in dem ein oder anderen zusätzlichen Jahr zwar Schnee gefallen ist, bis zum nächsten Morgen war er dann aber wieder verschwunden.

Die längste Periode ohne Schneedecke ist aber nicht die aktuelle. Zwischen 1987 und 1998 lag morgens an keinem der drei Weihnachtstage die weiße Pracht. 1999 wurde immerhin am Morgen des 24. Dezember ein Zentimeter gemessen. Nicht mal das kriegt das Seuchenjahr 2020 wohl hin.

Gießen: Wetterstation früher in Fröbelstraße

68 Jahre lang befand sich die Wetterstation in der Fröbelstraße. 1938 war sie auf der Liebigshöhe eingerichtet worden. 1945 beschlagnahmte die US-Armee einen Teil des Gebäudes und gliederte die agrarmeteorologische Forschungsstation aus. 2005 musste der Deutsche Wetterdienst das Domizil verlassen, weil die Messbedingungen nicht mehr den Normen entsprachen. Seitdem liegt die Wetterwarte auf Wettenberger Gemarkung nahe dem Oberen Hardthof, vier Kilometer vom alten Standort entfernt, was für Klimaforscher, die auf lange Messreihen angewiesen sind, »gerade noch tragbar« sei. Seit 2008 misst die Wetterstation vollautomatisch.

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