Laura Bender ist maßgeblich für das Café verantwortlich, Marion Schuhmacher weiterhin für die Weinbar. FOTO: SCHEPP

Gastroszene

Gießen: Weinbar "trocken & lieblich" wagt überraschenden Schritt

  • vonLena Karber
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Seit Anfang der Woche wird aus der Weinbar "trocken & lieblich" in der Ludwigstraße tagsüber ein Café mit dem Namen "mild & kräftig". Neben Espresso-Spezialitäten und Filterkaffee gibt es neuerdings Frühstücksplatten, Stullen und Suppen.

Gießen - In den Räumlichkeiten der Weinbar "trocken & lieblich" in der Ludwigstraße war bereits am Montagmittag einiges los. Grund zur Sorge besteht jedoch nicht, denn das Getränk der Wahl der meisten Gäste war nicht Wein sondern Kaffee - in unterschiedlichen Varianten. Seit dieser Woche verwandelt sich das "trocken & lieblich" tagsüber unter dem Namen "mild & kräftig" in eine Kaffeebar.

Anlass für diese Entscheidung war laut Inhaberin Marion Schumacher die Schließung des "Café de Paris" an der Bismarckstraße Ende Oktober des letzten Jahres, die in der Umgebung eine Lücke hinterlassen habe. Doch auch die Überlegung, dass Schumacher mit einer Konzepterweiterung die eigenen angemieteten Räume effektiver nutzen könne, habe eine Rolle gespielt. Die Idee, das Lokal unterzuvermieten oder ein Co-Sharing-Modell zu realisieren, sei schnell wieder verworfen worden. "Ich bin zu dem Entschluss gekommen, es selber zu machen", berichtet Schumacher. Eben so schnell sei ihr aber klar geworden, dass sie das zusätzlich zu ihrem normalen Job an der Technischen Hochschule Mittelhessen und der Leitung der Weinbar nicht alleine leisten kann. "Also habe ich Laura angerufen, die sofort zugesagt hat."

Weinbar "trocken & lieblich" in Gießen: Produkte von "echten Höfen"

Laura Bender hatte vor Jahren zu den ersten Aushilfen in der Weinbar gehört und war zuletzt in der Gastronomie in Frankfurt tätig. "Ich habe mich hier immer wohl und Marion und ihrer Familie zugehörig gefühlt", berichtet die gelernte Köchin, die für ihre neue Aufgabe den alten Job gekündigt hat.

Im November sei die Idee aufgekommen. Bis zur Eröffnung im Februar wurde die Weinbar hinter den Kulissen renoviert. "Wir haben mehr Kühlmöglichkeiten, einen Ofen und größere Arbeitsflächen", erzählt Bender, die künftig vor allem für das "mild & kräftig" zuständig sein wird, während sich Schumacher weiterhin hauptsächlich auf die Weinbar konzentriert. "Um frisch zu kochen, brauche ich Platz und große Töpfe", sagt die Köchin. Denn auch die Speisekarte wurde erweitert. Das Abendangebot betrifft dies zunächst nicht, hier bleibt es passend zum Wein bei Käse- und Wurstplatten, Oliven sowie den Tartines, das sind geröstete Brot-Schnitten. Doch tagsüber gibt es nun Porridge, Joghurt, Frühstücksteller, Stullen, Fischbrötchen, Suppen, Salat und Kuchen.

Dabei wechselt das Angebot, da Regionalität und Saisonalität zu den Grundprinzipien des Cafés gehören. "Wir kennen alle unsere Produzenten und haben sie selbst ausgewählt", berichtet Schumacher. "Das Wichtigste ist für uns die Produktqualität, die Sachen kommen nicht aus irgendwelchen Supermärkten, sondern von echten Höfen." Einer davon ist der Sonnenhof in Buseck, auf dem Bender selbst einmal gearbeitet hat.

Nachhaltige Grundsätze gelten auch für das Kaffeeangebot, das Espresso-Spezialitäten und Filterkaffee beinhaltet. "Wir haben verschiedene Kaffeesorten getestet", erzählt Bender, die zwei Barista-Kurse absolviert hat. "Unser Röster bezieht den Kaffee ohne Zwischenhändler und hält Anteile an der Bio-Plantage."

An dem Konzept des bargeldlosen Bezahlens, das nur Kredit- und EC-Karten zulässt, hält Schumacher fest, es gilt also auch für das "mild & kräftig". Neben administrativen Vorteilen, wie einer erleichterten Kassenführung, verringerter Überfallgefahr und dem Wegfall der Notwendigkeit, Kleingeld wegzubringen, führt Schumacher auch hygienische Gründe an. "Wir haben natürlich überlegt, ob es Sinn macht, dabei zu bleiben, da in einem Café ja oft kleine Beträge zu bezahlen sind, aber jetzt habe ich ein Jahr lang für das Konzept gekämpft und eine Rückkehr zum Bargeld wäre ein Schritt zurück", findet sie.

Weinbar "trocken & lieblich" in Gießen: Nur bargeldlos Bezahlen

Bei der Weinbar habe man insgesamt positive Erfahrungen damit gemacht. "Beschwerden gibt es eigentlich nie, aber sehr, sehr viele Nachfragen". Um die Entscheidung nicht ständig begründen zu müssen und die Gäste direkt aufzuklären, sei geplant, bald Flyer auszulegen. "Wir werden beobachten, wie es funktioniert", sagt sie. "Aber in anderen Ländern klappt es ja schon längst sehr gut".

Für die Weinliebhaber ändert sich eigentlich nichts, da sich das Café dienstags bis samstags um 18 Uhr wieder in die Weinbar zurück verwandelt. "Allerdings kann man bei uns jetzt ganztägig Wein trinken, das geht in den meisten Cafés nicht", sagt Schumachter lachend.

Öffnungszeiten: Täglich 9-18 Uhr, dienstags bis samstags verwandelt sich das Café dann in das "trocken & lieblich".

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