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Am Sonntag entscheidet sich, wer die meisten Stimmen für den Posten des Oberbürgermeisters bekommt.

Grün-rotes Duell

Gießen wählt neuen Rathauschef – Die letzten Infos zur Oberbürgermeister-Wahl

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Am Sonntag spätestens gegen 20 Uhr dürfte feststehen, wer neuer Oberbürgermeister von Gießen wird. In der Stichwahl stehen sich Alexander Wright (Grüne) und Frank-Tilo Becher (SPD) gegenüber. Die GAZ informiert ab 18 Uhr online.

Ausgangslage: Bei der Stichwahl wird der Stimmenzähler wieder auf Null gestellt. Im ersten Wahlgang trennten die beiden Finalisten nur 143 Stimmen. Alexander Wright kam auf 30,7 Prozent, was 13 031 Stimmen entsprach, Frank-Tilo Becher auf 30,3 Prozent (12 888 Stimmen). Auch der Abstand zum drittplazierten Frederik Bouffier (29,5 Prozent/12 546) war nicht groß. Alle Beobachter gehen von einem knappen Rennen aus.

Wahlbeteiligung: Sie wird wahrscheinlich auf einen Wert zwischen 30 und 40 Prozent sinken, nachdem die Zusammenlegung der OB-Wahl mit der Bundestagswahl am 26. September für Rekordbeteiligung bei einer OB-Direktwahl gesorgt hatte: 66 Prozent.

Briefwahl: Die Zahlen zur Briefwahl haben im Vorfeld diesmal keine Aussagekraft. Da es gesetzlich nicht vorgesehen ist, zwischen erstem und zweitem Wahlgang eine neues Beantragungsverfahren durchzuführen, hat das Wahlamt automatisch allen rund 24 000 Wahlberechtigten, die vor dem 26. September Briefwahl beantragt hatten, wieder einen Antrag zugeschickt. Per Brief gewählt haben gut 20 000. Diese Zahl indes wird jetzt bei Weitem nicht erreicht. Neu Briefwahl beantragt hatten bis Wochenmitte etwa 1000 Gießener. Auch der Andrang im Briefwahlbüro im Rathaus hielt sich - im Vergleich zu den Tagen vor der Bundestagswahl - in Grenzen.

»Freie« Stimmen: Über 16 500 Wähler haben im ersten Wahlgang keinen der Stichwahl-Kandidaten gewählt. Neben der Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft liegt angesichts des Umstands, dass Wright und Becher beim ersten Wahlgang nahezu gleichauf lagen, in dieser Zahl das Potential zum Sieg. Der Weg ist für beide mit knapp 20 Prozent weit.

Landratswahl: Die wahlberechtigten Bürger der kreisangehörigen Stadt Gießen entscheiden am Sonntag auch mit, wer künftig im Chefsessel am Riversplatz sitzt. In der Stichwahl stehen sich Amtsinhaberin Anita Schneider von der SPD und Gießens Ex-Bürgermeister Peter Neidel (CDU) gegenüber. Die Landrats-Stichwahl könnte sich positiv auf die Beteiligung der OB-Wahl auswirken, weil Gießener Wähler, die Neidel unterstützen wollen, dann vielleicht auch ein Kreuz bei der OB-Wahl machen, obwohl auf dem Stimmzettel nur zwei Kandidaten von Grünen und SPD stehen. Dieser Effekt gilt noch mehr andersherum. Die OB-Wahl wird sich mit Sicherheit positiv auf die Beteiligung an der Landrats-Stichwahl auswirken. Beim ersten Wahlgang der Landratswahl hatte in Gießen die ausgeschiedene Grünen-Kandidatin Kerstin Gromes die Nase klar vorne.

Wahlkampf-Verlauf: Der Wahlkampf der Stichwahl-Kandidaten konzentrierte sich in den letzten vier Wochen auf Haustürbesuche und Infostände. Direkt aufeinander trafen Wright und Becher bei einem von der GAZ organisierten Streitgespräch und bei einer Diskussionsrunde im Offenen Kanal. Mit der Diskussion um die Zukunft der Osthalle sahen sich die Kandidaten mit einem neuen Thema konfrontiert. Hier überraschte Wright mit seiner klaren Positionierung für das Konzept der 46ers.

Bedeutung: Die OB-Entscheidung in der größten Stadt zwischen Kassel und Frankfurt wird vor allem in der Landeshauptstadt Wiesbaden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Grünen, die trotz ihrer Stärke in den Groß- und Unistädten bislang nur einen OB in Hessen (Darmstadt) stellen, hoffen nach der hauchdünnen Niederlage im vergangenen Jahr in Marburg auf einen zweiten Chefsessel. Auch die Hessen-SPD, die nach dem Erfolg bei der Bundestagswahl die Staatskanzlei im Blick hat, hofft auf eine Titelverteidigung durch Becher und Rückenwind aus Gießen für die Landtagswahl 2023.

Konsequenzen: Der Ausgang der Wahl wird auf jeden Fall personelle Konsequenzen nach sich ziehen. Gewinnt Wright, müssen sich die Grünen bis zur Parlamentssitzung am 16. Dezember einen neuen Fraktionschef suchen. Aufgrund ihrer Erfahrung wird die Stadtverordnete Christiane Janetzky-Klein als mögliche Nachfolgerin gehandelt, da Klaus-Dieter Grothe den Job wohl kaum noch einmal übernehmen wird. Gewinnt Becher, wird die Gießener SPD das Landtagsmandat keineswegs verlieren. Da Becher 2018 das Direktmandat im Wahlkreis Gießen I gewonnen hat, würde als Ersatzkandidatin die Co-Vorsitzende des SPD-Stadtverbands, Nina Heidt-Sommer, nachrücken.

Besonderheiten: Morgen werden 40 junge Gießener erstmals wahlberechtigt sein, die nach dem 26. September 18 und damit wahlberechtigt wurden. Ungewöhnlich ist der vierwöchige Abstand zwischen beiden Wahlen; normalerweise sind es zwei oder drei Wochen. Durch den Vier-Wochen- Abstand wurde eine Wahl zu Beginn bzw. mitten in den Herbstferien vermieden.

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