Passanten ohne Maske gehen durch den Seltersweg.
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Bald wieder ein normaler Anblick: Menschen ohne Maske in der Innenstadt. (Archivfoto)

Corona-Regeln

Gießen: In der Innenstadt gilt keine unbedingte Maskenpflicht mehr – Das ruft Kritik hervor

  • Christoph Hoffmann
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In der Gießener Innenstadt müssen die Menschen keine Maske mehr tragen. Das gilt aber nur, wenn sie genügend Abstand zueinander halten können – was nicht überall funktioniert.

Gießen – Die Inzidenz sinkt, die Temperatur steigt. Am Wochenende lagen die beiden Werte nur hauchdünn auseinander. Und da die angekündigten Gewitter Gießen verschonten, ist es nicht verwunderlich, dass die Innenstadt am Samstag äußerst gut besucht war. Wer zum Beispiel an den Restaurants in der Plockstraße vorbeischlenderte, könnte meinen, Corona sei nicht mehr als eine Biersorte. Dass die Pandemie am Wochenende im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Blickfeld geraten ist, liegt auch daran, dass viele Menschen keinen Mundschutz getragen haben. Und das ist unter bestimmten Bedingungen auch nicht mehr verboten.

Gießen: Aktuell keine allgemeine Maskenpflicht

Die Stadt Gießen teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass es derzeit keine gültige Allgemeinverfügung des Landkreises hinsichtlich einer Maskenpflicht gebe. »Die letzte Allgemeinverfügung des Landkreises Gießen ist am 28. April ersatzlos außer Kraft getreten«, sagt Stadtsprecherin Claudia Boje. Die Bestimmungen des Infektionsschutzgesetzes, die sogenannte Notbremse, würden ebenfalls nicht mehr gelten, da die Inzidenz im Landkreis Gießen bereits seit geraumer Zeit den Schwellenwert von 100 deutlich unterschritten hat. »Somit bleibt die Corona-Kontakt-und Betriebsbeschränkungsverordnung des Landes Hessen, sagt Boje.

Darin heißt es wörtlich, dass Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden müssen »während des Aufenthaltes auf stark frequentierten Verkehrswegen, Plätzen und Flächen unter freiem Himmel, sofern dort eine durchgängige Einhaltung des Mindestabstande von 1,5 Metern zu Personen anderer Hausstände nicht sichergestellt werden kann, insbesondere auf Parkplätzen sowie in Fußgängerzonen.« Der Mindestabstand ist hier der entscheidende Faktor, wie Boje betont. »Wenn ein Passant den Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen anderer Hausstände sicherstellt, benötigt er keine Maske.« Somit bestehe keine allgemeine oder grundsätzliche Maskenpflicht in Fußgängerzonen.

Gießen: „Ich wünsche mir den Lockdown zurück“

Diese Regelung galt in dieser Form bereits im September des vergangenen Jahres. Damals hatte die Stadt Schilder in der Fußgängerzone aufgestellt. An dem Tag, an dem Bürgermeister Peter Neidel die Hinweistafeln präsentierte, lag die Inzidenz im Landkreis bei 276. Auch heute erinnern diese Schilder Passanten daran, sich und andere durch das Tragen einer Maske zu schützen.

Aber das macht nicht jeder. An den beiden vergangenen Wochenenden waren viele Besucher der Innenstadt ohne Mundschutz unterwegs. Am Montagmittag ein ähnliches Bild. Schätzungsweise jeder Dritte trug die Maske unter dem Kinn, in der Hand oder gar nicht. Eineinhalb Meter Abstand zu anderen Passanten waren dabei nicht immer möglich. Das zeigt: Die gesunkene Inzidenz, am Montag lag sie für die Stadt Gießen bei 29, lässt die Menschen sorgloser werden. »Ich wünsche mir den Lockdown zurück«, stöhnte am Samstag eine Passantin.

Gießen: Unverständnis über fehlende Masken in Sozialen Medien

Der Impf-Fortschritt lässt das Infektionsrisiko zwar deutlich sinken, es gibt aber auch Kritik an der neuen Lockerheit. In Sozialen Medien haben die Szenen aus der Innenstadt für virtuelles Kopfschütteln gesorgt. Und auch der ein oder andere Einzelhändler blickt mit Sorge auf die unverhüllten Gesichter im Seltersweg. Einen erneuten Anstieg verbunden mit einem harten Lockdown würde vermutlich einige Geschäftsinhaber vor größere Probleme stellen.

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