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Jonas Hey (l.) und Louisa Willner (3.v.l.) erweitern das Sortiment im ersten Gießener Unverpackt-Laden.

Unverpackt

Gießen: Unverpackt-Laden verändert sich deutlich

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Louisa Willner und Jonas Hey sind vor einem halben Jahr mit "Unverpacktes" in Gießen gestartet. Das Konzept, beim Einkaufen auf Plastik und Verpackungsmüll zu verzichten, kommt gut an.

Nach einem erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit vollziehen die beiden Jungunternehmer, Louisa Willner und Jonas Hey, nun in ihrem Laden "Unverpacktes" in der Johannette-Lein-Straße den nächsten Schritt. "Wir haben die ersten Monate ganz gut gemeistert, jetzt kommen die Stützräder ab", sagt Hey über die anstehende deutliche Vergrößerung des Ladens. Möglich wird dies durch den Auszug der "Weinraumwohnung" (siehe Kasten).

Bislang nutzte der Unverpackt-Laden bloß ein Viertel der Fläche, künftig können Willner und Hey ihre Produkte auf der gesamten Verkaufsfläche präsentieren. Auch Kundenwünsche sollen dann besser erfüllt werden. "Wir wollen das Angebot vervollständigen. Bisher bekommt man zwar Nudeln, aber Pesto oder Sauce fehlt. Außerdem wollen wir das Frische-Sortiment auf die Größe eines normalen Supermarkts erweitern und die Warenpräsentation verbessern", sagt Willner. Zudem haben die Unternehmer ein kleines gastronomisches Angebot mit frischem Kaffee und etwas Gebäck vorgesehen. Die Sitzecke der "Weinraumwohnung" wird bleiben. "Gemütlichkeit ist uns wichtig", sagt Willner. Die Erweiterung wird sich ab sofort Schritt für Schritt bei laufendem Betrieb vollziehen. Die (Wieder-)Eröffnung ist für Samstag, 1. Juni, geplant. Nur am 31. Mai wird der Laden geschlossen sein.

Nachhaltig leben und Müll vermeiden - immer mehr Menschen verfolgen diese Ziele, so wie Willner und Hey, die seit gut zweieinhalb Jahren nach dem Zero-Waste-Lifestyle leben. Vor einem halben Jahr wagte das junge Paar dann den Schritt in die Selbständigkeit mit dem Verkauf von unverpackten Produkten, wie frischem Gemüse, Bio-Saatgut, Nüssen, Reis, Nudeln, Schokolade, verschiedenen Gewürzen und sogar Hygieneartikeln wie Seife oder Zahnpasta in Tablettenform. Oft stammen die Produkte von regionalen Anbietern. "Für uns ist das eher Lifestyle als Geschäftsmodell", betont Willner.

Das Wagnis hat sich für die Jungunternehmer gelohnt. Das Konzept begeistert, die Kunden kommen sogar aus Marburg, Wetzlar oder Friedberg. "Wir sind über die positive Resonanz schon überrascht, unsere Erwartungen sind klar übertroffen worden", berichtet Hey, der vorher skeptisch war, ob die Gießener für ein solches Verkaufskonzept bereit sind. Anfangs stand das Paar alleine im Laden, inzwischen sind drei Angestellte beschäftigt.

"Ich möchte mich gesund ernähren und nachhaltig leben", erklärt Willner ihren Antrieb. In ihrer ersten eigenen Wohnung stellte sie fest, dass viel zu viel Müll anfällt. In Heidelberg fand die junge Frau die Lösung für ihr Problem. Dort betrat sie zum ersten Mal einen Unverpackt-Laden. Da sie in Gießen nicht auf diese Weise einkaufen konnte, folgte er Entschluss, selbst tätig zu werden.

In den vergangenen Monaten ist auch der Berufsverband der Unverpackt-Läden immer größer geworden, die Argumente der Betreiber gegenüber Lieferanten, noch häufiger auf Verpackungen zu verzichten, immer stärker. Bald soll es sogar vom Verband hergestellte Produkte geben.

Wichtig für den Erfolg in Gießen ist auch der enge Kundenkontakt. Nicht nur junge Menschen, insbesondere auf die vielen Studenten hatten die Unternehmer gesetzt, gehören zum Kundenstamm. Auch die Generation der Eltern und Großeltern finden den Weg. Für Letztere ist das Konzept nicht neu, denn es erinnert an die früheren Tante-Emma-Läden, die durch die Supermärkte verdrängt worden sind. "Das ist in manchen Gesprächen auch immer wieder Thema", sagt Willner. Sie freut sich, dass der Unverpackt-Trend in Gießen aus der Öko-Ecke herauswächst. "Unverpackt ist jung und hip", sagt Willner. Dieser Entwicklung tragen die beiden mit der Erweiterung nun Rechnung.

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