Im UKGM sieht man sich vor einer möglichen zweiten Welle an schwer Erkrankten gut aufgestellt.
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Das Universitätsklinikum in Gießen steht im Kampf gegen Corona an vorderster Front.

Coronavirus

Gießen: Kaum Entlastung durch Lockdown – Lage am Uniklinikum „dramatisch“

  • Alexander Gottschalk
    vonAlexander Gottschalk
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Das Uniklinikum in Gießen behandelt so viele Covid-19-Intensivpatienten wie kein anderes Krankenhaus in Hessen. Infektiologin Susanne Herold hält die Lage dort für kritisch.

  • Das Universitätsklinikum Marburg/Gießen steht im Kampf gegen das Coronavirus an vorderster Front.
  • Nirgends in Hessen sind die Fallzahlen höher als im Landkreis Gießen – das merkt man auch an der Uni-Klinik.
  • Infektiologin Susanne Herold sieht die Situation äußert kritisch, sie fürchtet ein neuerliches Plus an Intensivpatienten.

Gießen – „Dramatisch“, so fasste die Ärztin Susanne Herold am Mittwoch (06.01.2021) kurz und bündig die derzeitige Lage am Universitätsklinikum Gießen/Marburg (UKGM) zusammen. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)“ äußerte sich die Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie ausführlich zur Lage in dem Krankenhaus, das aktuell 107 Menschen behandelt, die an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt sind. Mit etwa 50 Intensivpatienten sei das UKGM die Klinik mit den meisten Intensivpatienten in Hessen. Die hohen Infektionszahlen „gerade auch durch Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen“ wirkten sich aus. Und Herold, die auch schon zu Coronaviren forschte, fürchtet, die Zahl der Kranken könnte durch die Feiertage weiter steigen.

Uni-Klinik Gießen: Ärztin befürwortet jüngste Corona-Beschlüsse

Schon seit Monaten ist die Auslastung am Gießener Klinikum hoch, über den Dezember wurde die Lage immer angespannter. Der härtere Lockdown habe bis dato „keine wesentliche Entlastung gebracht“, sagte Profession Herold der Frankfurter Zeitung. Sie hofft nun auf die Lockdown-Verlängerung, die sie für „sinnvoll“ hält, und die neuen, schärferen Regeln. So sei der eingeschränkte Aktionsradius von 15 Kilometern um den Wohnort, der ab Montag (11.01.02021) unter anderem im Landkreis Gießen gelten dürfte, wichtig, um „größere Menschenansammlungen bei Freizeitaktivitäten“ zu verhindern. Als Beispiel nannte die Wissenschaftlerin den immensen Andrang, den hessische Bergregionen, wie etwa der Hoherodskopf im Vogelsberg, zuletzt erlebten.

Die Kritik daran, dass die Regelung auch dort in Kraft tritt, wo es kein diffuses Infektionsgeschehen, sondern sichtbare Hotspots wie Altenheime gibt, könne sie nachvollziehen, führte die Professorin aus. Aber: „Wir spüren beides sehr bald in der Klinik mit einer Überlastung der Bettenkapazität.“ Ohne Betten drohe letztlich auch die Sterblichkeit bei Patienten zu steigen, die wegen anderer akuter Erkrankungen, wie beispielsweise Herzinfarkten, eingeliefert würden.

Die Infektiologin Susanne Herold hält die Lage am Uni-Klinikum Gießen für „dramatisch“.

Uni-Klinik Gießen ringt mit Corona: Pflegekräfte sind „erschöpft“

Die Doktorin erklärte in der FAZ außerdem, aktuell stünden zwar ausreichend Betten für Covid-19-Erkrankte bereit, es fehle aber Personal in den Krankenhäusern. Die Gießener Klinik versucht laut Herold deshalb, Medizin-Studierende mit Pflegeausbildung auf den Corona-Stationen einzubinden. Von diesen gebe es in der Universitätsstadt „glücklicherweise recht viele“. Außerdem ziehe die Einrichtung Pflegekräfte aus anderen Abteilung hinzu und versuche, Pensionäre zu reaktivieren und Teilzeitverträge auszubauen. Dennoch bleibt das Fazit: Die Pflegekräfte „sind erschöpft und brauchen Entlastung“. (ag)

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