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Eine Hochton-Anlage befindet sich zwischen Uni-Aula und dem ehemaligen Physikalisch-Chemischen Institut.

Betriebspause

Uni Gießen reagiert auf massive Kritik an Hochton-Anlagen: „Haben uns geholfen, Ärgernisse zu reduzieren“

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Die Uni Gießen hat nach einem Bericht dieser Zeitung angekündigt, den Einsatz von Hochton-Anlagen auf ihrem Gelände zu überprüfen. Solange sollen sie außer Betrieb bleiben.

Gießen – Die Justus-Liebig-Universität (JLU) setzt seit 2013 sogenannte Hochton-Anlagen unter anderem rund um das Uni-Hauptgebäude ein, um gegen Vandalismus, Drogenkonsum und Vermüllung vorzugehen. Der Bericht über diesen Sachverhalt in dieser Zeitung hat hohe Wellen geschlagen. Nun hat das Präsidium der JLU angekündigt, die Ausrichtung und den Einsatz der Anlagen zu prüfen. Zu diesem Zweck sollen die Geräte in den kommenden Wochen außer Betrieb genommen werden, teilt die Pressestelle der Hochschule mit.

Universität Gießen: Hochton-Anlagen „erfolgreich“

Diese Zeitung hatte zuerst über die kleinen Kästen aus Metall an den Hauswänden auf dem innerstädtischen Campus-Areal der JLU berichtet. Sie erzeugen einen Ton, der an das »Aufheulen eines Zahnarzt-Bohrers« oder das »Kratzen mit Fingernägeln an einer Tafel« erinnert, wie Betroffene bei einem Ortstermin beschrieben. Für Erwachsene ist der Ton wegen der genutzten Frequenzen oft gar nicht zu hören. Doch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis etwa 25 Jahre nehmen ihn sehr wohl als ziemlich unangenehm wahr und meiden diese Orte. Laut JLU schalteten sich die mit einem Bewegungsmelder ausgestatteten Geräte bei Annäherung ein und seien in einem Umkreis »von wenigen Metern« zu hören.

Nach Angaben der Hochschule werden die Anlagen an drei Punkten im Universitätszentrum eingesetzt, »um für mehr Sicherheit« zu sorgen. »Im Zusammenhang mit Gruppenbildungen war es zuvor zu Vandalismus, Drogenkonsum und auch zur Belästigung von Beschäftigten gekommen«, teilt die Pressestelle mit. Im Ergebnis sei der Einsatz erfolgreich gewesen: »Die drei Anlagen haben uns dabei geholfen, diese Ärgernisse im Interesse der Beschäftigten und unserer Liegenschaften deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig konnten wir auf diese Weise auf restriktivere Maßnahmen wie Videoüberwachung oder den noch intensiveren Einsatz von Sicherheitsdiensten verzichten«, heißt es weiter

Uni Gießen will Ausrichtung und Reichweite von Hochton-Anlagen prüfen

Wie GAZ-Recherchen ergaben, waren die Töne auch im öffentlichen Raum zu hören, zum Beispiel in der Goethe- und der Bismarckstraße - aber auch am Rand des neu geschaffenen Campushügels auf dem JLU-Gelände. Wie die Uni nun mitteilt, seien die Geräte »weder im Bereich des Universitätsplatzes, noch am sogenannten Campushügel vor dem Theaterlabor installiert«. Die für den Aufenthalt vorgesehenen Flächen im Unizentrum seien von den Anlagen »zu keinem Zeitpunkt« erfasst worden.

Das Präsidium habe jedoch »zur Kenntnis genommen«, dass es Vorbehalte gegen den Einsatz dieser Anlagen auf dem Unigelände gebe. »Aufgrund der Hinweise, die uns erreicht haben, werden wir die Ausrichtung und die Reichweite dieser Anlagen selbstverständlich nochmals umfassend überprüfen, um sicherzustellen, dass der öffentliche Raum von ihnen nicht betroffen wird«, teilt die JLU mit. Die Geräte außer Betrieb zu nehmen, sei auch vor dem Hintergrund der Pandemie mit dem einhergehenden reduzierten Publikumsverkehr vertretbar.

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