Deutschlandweit eine gefragte Expertin in der Corona-Pandemie: Susanne Herold, die Leiterin der Abteilung für Infektiologie des Universitätsklinikums Gießen.
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Deutschlandweit eine gefragte Expertin in der Corona-Pandemie: Susanne Herold, die Leiterin der Abteilung für Infektiologie des Universitätsklinikums Gießen.

Coronavirus

Corona: Expertin warnt vor 4. Welle - Dann „wird es katastrophal“

  • Alexander Gottschalk
    vonAlexander Gottschalk
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Susanne Herold vom Uniklinikum Gießen plädiert für schnelle Corona-Impfungen. Im Frühherbst brauche es die Herdenimmunität.

Gießen – Vorsicht ist besser als Nachsicht. Dieser uralte Sinnspruch ist wohl unstrittig. Während in Deutschland gerade die dritte Welle an Fahrt aufnimmt, warnt die Gießener Infektiologin Dr. Susanne Herold deshalb schon jetzt vor der Möglichkeit einer vierten Corona-Welle. „Wir müssen jetzt so schnell wie möglich durchimpfen. Wir stehen am Beginn der dritten Welle, die sich auch mit restriktiven Lockdownmaßnahmen nur schwer beherrschen lassen wird. Dagegen müssen wir an-impfen und das Ziel einer weitgehenden Herdenimmunität im Frühherbst erreichen“, sagte die Fachfrau dem Gesundheitsblog der Rhön-Klinikum AG. „Wenn wir noch einmal in eine vierte Winterwelle kommen, wird es katastrophal.“

Als Leiterin der Infektiologie am Uniklinikum Gießen/Marburg (UKGM), das zum Rhön-Klinikum-Konzern gehört, steht Herold seit mehr als einem Jahr an vorderster Front im Kampf gegen das Coronavirus. Bundesweit ist die Medizinerin als Expertin gefragt. Sorgen bereitet Herold mit Blick auf die pandemische Entwicklung insbesondere, dass die Impfkampagne schleppend vorankommt. Jede Dosis, die nicht verimpft werde, bedeute „ein potenzielles Risiko für all jene, die bisher nicht immunisiert sind“. Der Wissenschaftlerin zufolge bedeute dies, dass „dass gerade Millionen von Menschen Gefahr laufen, krank zu werden, schwere Langzeiteffekte durchleiden zu müssen oder gar an Covid-19 zu sterben.“ Bereits Anfang März hatte sie im Gespräch mit dieser Zeitung gefordert, möglichst schnell die „jüngeren, gesunden Menschen, die aktiv sind und zur Schule und zur Arbeit gehen“ zu impfen, da sie mit ihrer Mobilität zu Virusausbreitung beitragen.

Corona: Gießenerin Infektiologin sieht geringe Impfbereitschaft als Problem

Bis Ende es Sommers will die Bundesregierung allen Deutschen ein Impfangebot gemacht haben. Selbst wenn dies organisatorisch gelingen sollte, sieht die Gießener Ärztin ein anderes großes Problem nahen: „Damit die Pandemie eingedämmt werden kann“, müsse es gelingen, „mindestens zwei Drittel der Bürger, besser 75 Prozent, zu impfen“, erklärte Susanne Herold in dem Blogbeitrag. Anhand aktueller Zahlen sei zu erwarten, dass sich nur „50 bis 60 Prozent“ der Bevölkerung impfen lassen wollten. „Das sind zu wenig Menschen. Wir brauchen eine höhere Impfbereitschaft!“, lautete ihr Fazit. Eine Mitschuld an der Skepsis gegenüber den Schutzimpfungen gegen das Coronavirus gibt sie der medialen Berichterstattung.

Beispielhaft für die Verunsicherung rund um die Sars-CoV-2-Impfungen stand in den vergangenen Wochen der Name „AstraZeneca“. Nachdem sieben Fälle der seltenen Gehirnvenenthrombose kurz hintereinander bei Geimpften aufgetreten waren, setzte Deutschland den Impfstoff wenige Tage aus. Mitte März bestätigte die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde (EMA) dann die Sicherheit des Vakzins. „Die Wahrscheinlichkeit, im Rahmen einer Covid-Erkrankung eine Thrombose oder Embolie zu erleiden, ist um ein Vielfaches höher“, erläuterte Herold nun. „Bei schwer erkrankten Covid-Patienten liegt sie je nach Studie bei über 30 Prozent. Es gibt also wirklich keinen Grund, jetzt weiter die Impfprogramme auszusetzen.“ Zumal AstraZeneca gegen schwere Covid-Verläufe „mindestens genauso gut“ vorbeuge wie Biontech oder Moderna.

Corona-Impfstoffe: Gießener Infektiologin betont wichtige Unterscheidung

Herold plädierte in dem Blogeintrag für mehr Transparenz und Aufklärung. Wer sich nicht impfen lassen wolle, sei häufig kein „genereller Impfgegner“, sondern „einfach nur verunsichert“ und habe Angst, „dass der Impfstoff auch etwas Negatives verursacht“. Bereits in der Vergangenheit betonte sie in dieser Zeitung, wie wichtig es sei, sogenannte Nebenwirkungen richtig einzuordnen. Der Begriff werde häufig falsch verwendet. Meist handele es sich um „ganz normale“ und erwünschte Impfreaktionen die schnell „wieder weg“ seien. Herold: „Fieber, Gliederschmerzen oder Grippegefühl. Manche haben Nachtschweiß, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Gerade Jüngere haben Impfreaktionen (...). Der Körper setzt sich mit dem Impf-Antigen auseinander und bildet Antikörper. Das ist etwas Gutes.“ Sie selbst habe nach ihrer Biontech-Impfung „ein bisschen Temperatur, Grippegefühl und Abgeschlagenheit“ gehabt. Herold: „Das hat zwölf Stunden angehalten, aber danach war es wieder gut.“ (ag)

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