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Felix Döring tritt für die SPD als Direktkandidat für die Bundestagswahl an.

Bundestagswahl

Gießen und Vogelsberg: Felix Döring will für SPD in den Bundestag

  • VonChristian Schneebeck
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Jung und dynamisch, thematisch breit aufgestellt und mit einem großen Herz für Bildung sowie den ländlichen Raum: So präsentiert Felix Döring, der für die SPD in den Bundestag will.

Den Wahlkampf wird das C-Wort sicher noch bestimmen. In der kommenden Legislaturperiode rückt es aber wohl immer weiter in den Hintergrund. Felix Döring wartete jedenfalls schon einmal auffällig lange, eher er bei der Online-Wahlkreiskonferenz der SPD am Freitagabend auf Corona zu sprechen kam. Davor setzte der 30-jährige Gießener andere Schwerpunkte. Bildung, Klimawandel, Pflege, Integration und noch vieles mehr: Seine Bewerberrede zeigte den mit 94 Prozent der Delegiertenstimmen gekürten Direktkandidaten der Sozialdemokraten für den Wahlkreis Gießen/Vogelsberg als breit aufgestellten Politiker.

»Er ist unsere Antwort auf Helge Braun«, präsentierte ihn eingangs der Vorsitzende des Gießener SPD-Unterbezirks, Frank-Tilo Becher. »Frischer Wind, jugendlicher Elan und klare Positionen« - diesen Dreiklang verkörpere Döring, der unter anderem gegen den CDU-Kanzleramtsminister Braun antritt. Dass er außerdem schon aus biografischen Gründen »wie kaum ein Zweiter die Brücke zwischen der Unistadt und dem ländlichen Raum schlagen kann«, betonte Patrick Krug, Vorsitzender der Vogelsberger SPD.

Ausgestattet mit derart üppigen Vorschusslorbeeren, hielt Döring eine leidenschaftliche Rede. Zunächst räumte er mögliche Vorbehalte wegen seines Alters ab. »Sollte darin jemand ein Problem sehen: Ich kann euch versichern, es wird von Tag zu Tag kleiner.« Dann rückte der Lehrer, der in Dorf-Güll aufgewachsen und seit 2008 SPD-Mitglied ist, das sozialdemokratische Urthema Bildung in den Mittelpunkt. Schulisch dürfe »kein Kind zurückgelassen werden«, und überhaupt könne die Devise nicht länger »Möglichst schnell zum Abi« heißen. Neben mehr Geld vom Bund brauche es den Rechtsanspruch auf einen Ausbildungsplatz und größere Wertschätzung für die berufliche Bildung.

»Ein klimabewusster Lifestyle darf kein Privileg der Besserverdienenden werden«, lautete der Kernsatz im nächsten Themenkomplex. Und was die Zukunft des Einzelhandels in den Innenstädten angehe, liege die »Verantwortung« im Sinne von Steuerung und Regulierung vor allem bei der Politik - nicht zuerst beim Verbraucher. Grundsätzlich müsse man sich in Berlin und anderswo »endlich gedanklich von der Schuldenbremse verabschieden«, sagte Döring: »Das ist nämlich in Wahrheit eine Investitionsbremse.«

Krise solidarisch finanzieren

Spätestens an dieser Stelle hatte der ehemalige Gießener AStA-Sprecher argumentativ die Pandemie erreicht. Eine »solidarische Finanzierung der Krise« sei unter Schwarz-Grün wenigstens gefährdet, erklärte er und identifizierte die Union - nicht etwa die Grünen - als »Hauptgegner« und als »Bremsklotz in der deutschen Politik«. Vor allem »Ankündigungsminister« Jens Spahn und Maut-Vorreiter Andreas Scheuer (»Zu dem fällt mir absolut gar nichts mehr ein.«) bekamen ihr Fett weg. Die Genossen bekamen indes die Möglichkeit zum Mitmachen. Das direkte Gespräch mit den Menschen sei unverzichtbar, sagte Döring und erbat Impulse und Helfer für den Wahlkampf.

Nach einer kurzen Aussprache konnte sich der 30-Jährige über 66 von 70 abgegebenen Stimmen freuen. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Offiziell muss die Online-Abstimmung jetzt noch per Briefwahl bestätigt werden. »Wir machen den Wahlkreis gemeinsam wieder rot!«, verabschiedete sich der frisch gekürte Kandidat von den Zugeschalteten. Becher und Krug gratulierten mit einem selbst gemalten Blumengutschein. »Das Blumengeschäft war schon zu«, entschuldigte sich Becher für das Malheur. Von dem C-Wort auch in diesem Zusammenhang: keine Spur.

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