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Markus Machens musste seinen Möbelladen wegen der Corona-Krise vorübergehend schließen - und widmet sich mit umso größerer Energie seinem jüngsten Hilfsprojekt. 

Corona-Krise

Gießen: Unternehmer geht in Corona-Krise bemerkenswerten Weg

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Wenigstens einen kleinen Teil der Lücke füllen, die die Schließung der Tafeln gerissen hat: Mit diesem Ziel hat Markus Machens die Initiative ergriffen. Er liefert gespendete Lebensmittel an Bedürftige und sucht weitere Unterstützer.

Gießen - Eigentlich gäbe es eine Reihe von Freiwilligen, die mit Markus Machens Lebensmittel an Bedürftige verteilen wollen. "Aber wir dürfen ja nur noch zu zweit arbeiten", sagt der Gießener. Die verschärften Infektionsschutz-Regeln stoppen den engagierten Einzelhändler indes nicht. Mit einem einzigen Helfer hat er in dieser Woche erstmals 30 Haushalte mit gespendeten Lebensmitteln beliefert.

80 Prozent der Empfänger seien normalerweise "Tafel"-Kunden, berichtet Machens im GAZ-Gespräch. Wegen der Corona-Ansteckungsgefahr schlossen kürzlich die Hilfseinrichtungen, die nicht mehr verkäufliche Ware an Bedürftige abgeben. Von einem Freund aus Karlsruhe übernahm der Gießener die Idee, mit einer eigenen Initiative einzuspringen. Er gründete die Facebook-Gruppe "Nachbarschaftshilfe Gießen und Umgebung" - die hatte tags darauf über 1500 Mitglieder.

Coronavirus Gießen: Laden geschlossen, Menschen geholfen

Das liegt daran, dass dem 53-Jährigen im Internet seit Jahren zahlreiche Menschen folgen. Vor sechs Jahren gründete er die Facebookseite "Markus und seine Freunde auf der Straße". Damit sammelt er unter anderem Weihnachtsgeschenke für Obdachlose. Im vergangenen Jahr überreichten er und seine Mitstreiter 1900 Päckchen an Hilfsbedürftige in Gießen und Frankfurt.

"Mir ging es selbst mal schlecht. Und ich bin ein gutmütiger Mensch" - so umreißt Machens seine Motivation. Da auch sein Geschäft "Möbelschnäppchen & mehr" wegen der Corona-Krise geschlossen hat, widmet er sich mit umso mehr Energie seinem neuen Ehrenamt.

Die Resonanz sei "bombastisch". Es gebe derzeit drei größere und etwa zehn kleinere Unterstützer. Weitere würden dringend gebraucht. Denn ständig meldeten sich weitere Menschen, die sich Unterstützung wünschen, darunter auch an der neuartigen Grippe Erkrankte. Ob sie wirklich in Not sind und was die Gründe dafür sind, kann und will Machens nicht überprüfen: "Ich vertraue den Leuten." Um Infektionen zu vermeiden, ist er mit Schutzmasken, Handschuhen und dem Vermeiden des direkten Kontakts unterwegs: "Wir stellen die Sachen vor die Tür und klingeln."

Coronavirus Gießen: So können Sie Markus Machens unterstützen

Manche Empfänger weinten angesichts der unbürokratischen Hilfe, schildert der 53-Jährige. Auch auf Facebook bedanken sich manche. "Ich bin unendlich froh und dankbar", schreibt eine Frau. "Auch möchte ich mich bei den vielen Spendern und Helfern bedanken, ihr seit einfach toll. Vielen, vielen Dank und bleibt gesund." Ein anderer Kommentar lautet: "Ihr seid die Menschen, die einen an das Gute glauben lassen."

Wer sich beteiligen will, kann dies mit Geld oder Lebensmitteln tun. Gebraucht werden laut Machens Nudeln, Reis, Kartoffeln, Konserven, Wurst, Käse, Süßigkeiten und Hygieneartikel. Er bittet Unterstützer, bei Lagerverkauf Freilinger einzukaufen, der die Aktion sponsort. Näheres erfahren Interessierte bei Facebook unter "Nachbarschaftshilfe Gießen und Umgebung" oder unter Tel. 0176/21707282.

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