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Die Stadtwerke Gießen warnen vor den deutlichen Auswirkungen des Busstreiks. 

Busfahrer-Streik

Unbefristete Busfahrer-Streiks in Gießen zeichnen sich ab

Die Tarifverhandlungen in der privaten Busbranche in Hessen spitzen sich weiter zu. Nun droht ein unbefristeter Streik auch in Gießen.

Update, 13.11.19, 11.29 Uhr: Eine Urabstimmung ergab laut Verdi, dass 99,49 Prozent der betroffenen Busfahrer für unbefristete Streiks sind, um ihrer Verhandlungsposition Nachdruck zu verleihen. Damit steht ein längerer Ausstand der hessischen Busfahrer im Raum.

Gießen: Unbefristeter Streik der Busfahrer droht

Verdi Verhandlungsführer Jochen Koppel sagt: „Die Kollegen sind sehr aufgebracht über das Verhalten der Arbeitgeber, fühlen sich nicht ernst genommen. Warum, fragen sie sich, kommt von den Arbeitgebern kein verhandlungsfähiges Angebot? So oder so, die Arbeitgeber sind jetzt am Zug.“

Am Donnerstag werden die Verhandlungen in Frankfurt in fünfter Runde fortgesetzt.

Update, 7.11.19, 16.12 Uhr: Die Gewerkschaft Verdi hat eine Urabstimmung unter Busfahrern in Hessen gestartet. Die Frage: Stimmen sie unbefristeten Streiks zu? "Bejahen das mindestens 75 Prozent der befragten Mitglieder unter den privaten Busfahrern, sind unbefristete Streiks möglich, wenn die Tarifverhandlungen gescheitert sind", heißt es bei Verdi. 

Gießen: Zuletzt legten Busfahrer Stadtbuslinien lahm

Erst in der vergangenen Woche hatten Busfahrer zahlreiche Linien in Hessen bestreikt. In Gießen waren jene der Stadtwerke-Tochter Mit.Bus betroffen. Der Streik dauerte einen Tag. 

Nun steht also die Möglichkeit von unbefristeten Streiks in Hessen im Raum. Damit will die Gewerkschaft Druck machen: "Die Urabstimmung läuft bis zum 12. November. Dann schauen wir, wie sich die Kolleginnen und Kollegen entscheiden. Das Ergebnis nehmen wir mit in die Verhandlungen. Dann sehen wir, ob sich die Arbeitgeber endlich etwas zufriedenstellender auf uns zu bewegen", sagt Verdi-Verhandlungsführer Jochen Koppel.

Die Verhandlungen werden am 14. November in Frankfurt fortgesetzt.

Update, 1.11.19, 16.12 Uhr: Der Streik der Busfahrer der Stadtwerke-Tochter Mit.Bus hat Gießen erneut getroffen: Von Betriebsbeginn bis Betriebsende fuhren am Freitag keine Stadtbusse. Damit entfielen über 7000 Buskilometer, die die Fahrer aller Mit.Busse im Normalfall an einem Werktag zurücklegen.

Die Fahrgäste hatten sich diesmal aber offenbar etwas besser auf den Ausfall der Busse eingestellt als beim letzten Warnstreik Ende September (damals ebenfalls an einem Freitag, direkt vor den Herbstferien). Diesmal warteten weniger Menschen vergeblich auf einen Bus, da sie aufgrund der Ankündigung des Streiks und entsprechender Berichte im Internet, in den Zeitungen sowie im Radio vorgewarnt waren. Viele hatten sich rechtzeitig um andere Beförderungsmittel wie Minicar oder Taxi gekümmert.

Eltern von Schülern bildeten Fahrgemeinschaften oder ließen ihre Kinder zu Fuß zur Schule gehen beziehungsweise das Fahrrad benutzen.

Gießen: Verdi zieht nach Busstreik positive Bilanz

Die Linien 1, 2 , 3, 5, 7, 10, 12, 13, 15, 17, 800, 801 und 802 ruhten. Nicht bestreikt wurde dagegen die Linie 24 des Betreibers ESE Verkehrsgesellschaft sowie die Buslinien der drei heimischen privaten Unternehmen Erletz, Schwalb und Weber. Diese drei Unternehmen unterhalten mehrere Linien, die die Stadt Gießen ansteuern – etwa aus Linden, Leihgestern, Biebertal, Heuchelheim, Fernwald, Rabenau, Reiskirchen und Pohlheim.

Die Gewerkschaft Verdi zog eine positive Bilanz des Streiktags. Über 3000 Busfahrerinnen und Busfahrer hätten sich hessenweit am Ausstand beteiligt. Streikleiter Jochen Koppel erklärte zufrieden: "Es waren noch mehr als das letzte Mal. Die Kollegen sind entschlossen, denn sie fühlen sich verschaukelt. Sie erwarten jetzt ein ernstzunehmendes Angebot von den Arbeitgebern. Wenn sie nicht nachbessern, wird es mit Sicherheit weitere Streiks geben."

Die Arbeitgeber hatten angeboten, den Stundenlohn von 13,50 Euro in vier Schritten in vier Jahren auf 15,10 Euro zu erhöhen. ver.di fordert dagegen die Erhöhung auf 16,60 Euro pro Stunde. Der Urlaub soll von 25 auf 30 Tage erhöht werden. Außerdem sollen fahrplanbedingte Pausen und Wendezeiten bezahlt werden. Derzeit gibt es für diese Leerzeiten keine Bezahlung.

Hintergrund: Am Freitag (1.11.19) werden möglicherweise wieder zahlreiche Busse in Gießen in ihren Depots bleiben: Erneut streiken die Busfahrer in Hessen. Verdi hat die Beschäftigten der privaten Busunternehmen im Land für den 1. November zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. 

Gießen: Busfahrer erneut zum Streik aufgerufen

"Er beginnt mit der Frühschicht gegen 2.30 Uhr und endet Samstagnacht mit Ende der Spätschicht. Betroffen sind Betriebe in ganz Hessen, von Kassel, Melsungen, Rothenburg, Korbach, Homberg/Efze, Gudensberg über Gießen und Fulda, Schlüchtern, Wächtersbach, Gelnhausen, Erlensee, Hanau, Maintal, Offenbach, Bad Vilbel, Hofeim, Mainz (Sippel), Frankfurt und Darmstadt sowie Weiterstadt", heißt es bei der Gewerkschaft. 

Beim letzten Busfahrer-Streik im September waren alle Busse der Stadtwerke-Tochter Mit.Bus in den Depots geblieben - die Stadtbus-Linien in Gießen fuhren allesamt nicht. 150 Fahrer hatten die Arbeit niedergelegt. Welche konkreten Auswirkungen der angekündigte Streik an diesem Freitag in Gießen haben wird, das ist aktuell noch nicht mit Sicherheit abzusehen. 

Nicht streiken werden die Busfahrer der drei heimischen Unternehmen Erlertz, Schwalb und Weber. Das gaben Mitarbeiter auf Anfrage dieser Zeitung am Donnerstag bekannt. Alle drei Unternehmen unterhalten mehrere Linien, die die Stadt Gießen bedienen - unter anderem aus Linden, Biebertal, Heuchelheim, Fernwald, Rabenau, Reiskirchen und Pohlheim. 

Gießen: Verdi fordert mit Busstreik mehr Geld und mehr Urlaub

Laut Verdi hatten die Arbeitgeber angeboten, den Stundenlohn in einer vierjährigen Laufzeit schrittweise von 13,50 auf 15,10 Euro anzuheben. Die Gewerkschaft will aber mehr: Verdi fordert "die Erhöhung des Grundgehalts von jetzt 13,50 Euro auf 16,60 Euro die Stunde. Der Urlaub soll auf 30 Tage (aktuell 25, Anm. d. Red.) innerhalb der geforderten 5-Tage-Woche erhöht werden." Der Tarifkonflikt betrifft rund 4400 Busfahrer.

red

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