Vorbereitung für die OP: Pudelhündin Shanti liegt schon in Narkose. Die Tierärztin Maren Sievert und ihre Kollegen sind startklar.
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Vorbereitung für die OP: Pudelhündin Shanti liegt schon in Narkose. Die Tierärztin Maren Sievert und ihre Kollegen sind startklar.

Tierische Patienten

Tiermedizin Gießen: Wenn der Hund operiert wird

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Die Tumore am Gesäuge sind winzig klein, doch das kann sich schnell ändern. Die Besitzerin wollte einen schonenden Eingriff für ihr 13 Jahre altes Tier. Wie es wirklich ist, in der Gießener Veterinärmedizin operiert zu werden.

Gießen - Die Monitore blinken und piepen. Herzschlag und Blutdruck sind in Ordnung. Der Anästhesist ist zufrieden. Es kann losgehen. Der Eingriff dauert eine knappe Stunde. Die Entfernung von Mammatumoren ist Alltag in der Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der JLU. Sie kommen insbesondere bei älteren Hündinnen häufig vor. Die Heilungschancen sind gut, sie richten sich nach der Art des Tumors und dem Zeitpunkt der Diagnose.

Das OP-Team hat der Hündin den Bauch geschoren, nun liegt sie auf dem Rücken, alle Viere von sich gestreckt. Sie wurde mit einem Schlauch intubiert, darüber strömt das Narkosegas in ihren Körper. »Das ist optimal, weil wir die Menge sehr gut regulieren und steuern können«, erklärt Tierarzt Sebastian Ganz. Seine Kollegin Maren Sievert setzt den ersten kleinen Schnitt, und schon bald hat sie die beiden stecknadelgroßen Tumore entdeckt und heraus genommen. Damit es nicht stark blutet, verödet Ganz die Stelle mit einem Elektrokauter. Etwas größer wird die Wunde daneben. Die Ärztin schneidet eine Art Raute und entfernt anschließend die komplette Zitze, wo ein etwas größerer Tumor gewachsen war. Die harmlos aussehenden Körnchen werden nun zur weiteren Analyse in die Pathologie geschickt.

Draußen vor der Tür wartet Silke Salowsky, die Besitzerin der Hündin. Ist sie sehr aufgeregt aus Sorge um ihren Vierbeiner? Eigentlich nicht. »Ich habe großes Vertrauen zu den Ärzten und fühle mich hier sehr gut aufgehoben«, sagt sie. Vor fünf Jahren musste Shanti schon einmal am Gesäuge operiert werden. Damals lief es nicht so gut, deshalb ist die Mainzerin nicht wieder zum damaligen Tierarzt gegangen, sondern hat stattdessen den Weg in die Klinik nach Gießen in Kauf genommen. »Die Vorgespräche waren informativ und hilfreich, außerdem wurden meine Wünsche berücksichtigt«. Dazu gehört zum Beispiel der Verzicht auf die komplette Entfernung des Gesäuges. Einen so großen Schnitt wollte sie ihrer alten Hündin nicht mehr zumuten. Vor der Operation haben Sievert und Ganz die Hündin sorgfältig untersucht und geröntgt. Insbesondere wollten die Ärzte feststellen, ob es bereits Metastasen in der Lunge gibt. Das war zum Glück nicht der Fall. »Da die Hündin in einem guten Allgemeinzustand ist, spricht nichts gegen den Eingriff, auch das Alter nicht«, sagt Ganz. Die sonst häufig eingesetzte Biopsie mit zytologischer Untersuchung ist bei Gesäugetumoren des Hundes nicht unbedingt aussagekräftig hinsichtlich der Gut- oder Bösartigkeit. Deswegen werden Tumore in der Regel direkt chirurgisch entfernt ergänzt der Tierarzt. Hat man es mit einem bösartigen Tumor zu tun, bekommt das Tier in der Regel nach einem individuellen Behandlungsschema im Anschluss an die OP für einige Monate Medikamente.

Während Shanti im Aufwachraum schlummert und die nächste Patientin bereits im Wartezimmer sitzt, werden in den anderen Abteilungen der Klinik die Tiere versorgt: In einem Raum liegen winzige Welpen unter einer Rotlichtlampe, sie wurden in der Nacht zuvor per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. In den Ställen kauern Kälbchen in den Boxen, ein Alpaka erkundet neugierig seinen Stall, Fohlen staksen auf ihren langen Beinen vorsichtig umher. Eine entzückende Tier-Kinderstube, aber keineswegs idyllisch: Alle diese Tiere sind hier, weil es bei Trächtigkeit oder Geburt Schwierigkeiten gab. Manche Tiere sind schwer krank, einige Stuten haben ihre Fohlen verloren, andere Patienten sind nahezu genesen.

Die Klinik für Geburtshilfe der Justus-Liebig-Universität ist eine Spezialklinik, in der ein breites Leistungsspektrum abgedeckt wird, schildert deren Leiter Prof. Axel Wehrend.

Neben der Gynäkologie, Geburtshilfe und Neonatologie spielen alle Aspekte der Zucht eine große Rolle: Infertilitätsuntersuchungen, Deckzeitbestimmung, Trächtigkeitsuntersuchungen, Betreuung von Risikoträchtigkeiten, spermatologische Untersuchungen, die Herstellung, Lagerung und Versand von Tiefgefriersperma und vieles mehr gehören zu den Kompetenzen. Da in der Gießener Klinik das Expertenwissen aller Disziplinen gebündelt wird, ist sie eine Anlaufstelle mit exzellentem Ruf.

Pudelhündin Shanti ahnt von all dem nichts, bald wird sie sich an den Ausflug nach Gießen nicht mehr erinnern. Stattdessen freut sie sich über ein paar Extra-Leckerchen zum 13. Geburtstag, der am heutigen 7. Juli ist. Und Silke Salowsky ist dankbar für die gewonnene Zeit mit ihrer Seniorin

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