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Physiotherapeutin Nadine Jänisch (v.l.) will ihre Hündin Lenny in der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie als Therapiehündin einsetzen. Unterstützt wird sie dabei von Klinikdirektor Johannes Kruse und Oberärztin Sabine Hauptmann.

Klinik für Psychosomatik

Therapiehündin mit Zottelfell hilft Schmerzpatienten

  • VonSebastian Schmidt
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In Zukunft soll an der Klinik für Psychosomatik in Gießen die Therapiehündin Lenny Schmerzpatienten wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Gießen – Wenn man den Raum betritt, in dem sich die sechs Monate alte Hündin Lenny befindet, kommt Bewegung auf. Einmal durch die Cockapoo - eine Mischung aus Cockerspaniel und Pudel - selbst, denn sie fängt an, wild mit dem Schwanz zu wedeln und versucht, auf die Neuankömmlinge zuzulaufen. In aller Regel aber auch von den Menschen, auf die Lenny zugeht. Die bücken sich, um das schwarze zottelige Fell zu kraulen. Genau das sollen die Patienten der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie machen: sich bewegen. In zwei Jahren, wenn Lenny fertig zur Therapiehündin ausgebildet ist, soll sie dafür gezielt eingesetzt werden.

Gießen: Therapiehündin regt Schmerzpatienten zur Bewegung an

Johannes Kruse ist der Direktor der Einrichtung und sagt: »Unsere Patienten bekommen von uns hoch dosierte Psychotherapie.« Aber da ein Großteil der Menschen, die in die Klinik kommen, Schmerzpatienten sind - Oberärztin Sabine Hauptmann schätzt rund ein Drittel - werden auch weitere Angebote gemacht: Kunst-Therapie, Sport-Therapie, aber auch Physiotherapie. »Lennys Spezialgebiet«, wie Kruse sagt.

Hauptmann erklärt die Schwierigkeiten bei der Behandlung von Schmerzpatienten: Zum einen gebe es oft ein kompliziertes Arzt-Patienten-Verhältnis. Die Betroffenen haben schon viele schlechte Erfahrungen mit Medizinern gemacht. Denn es dauere lange, bis eine passende Therapie gefunden werde. Zum anderen »stecken die Patienten in einem Teufelskreis«. Durch die chronische Schmerzen entwickeln viele eine Schonhaltung und bewegen sich weniger. Das jedoch führe letztlich zu mehr Schmerzen.

Gießen: Therapiehündin für Schmerzpatienten nach Charakter ausgewählt

Die Hündin soll nach ihrer Ausbildung gegen beides eingesetzt werden: die Probleme mit der Bewegungseinschränkung und die Probleme mit der sozialen Interaktion. »Denn Lenny zaubert jedem ein Lächeln ins Gesicht«, sagt ihr Frauchen, die Physiotherapeutin Nadine Jänisch. Die Patienten haben gegen Hunde nicht die gleichen Vorurteile wie gegen Ärzte und Therapeuten. »Denn Hunde urteilen nicht über einen.« Jänisch nennt ein Beispiel: Wenn ein schlecht gelaunter Patient auf dem Gang sitzt, dann merken das die Ärzte und Therapeuten und verhalten sich automatisch anders. »Ein Hund hingegen geht völlig unvoreingenommen auf die Menschen zu.«

Bereits jetzt würden die Patienten sehr positiv auf sie reagieren, erzählt Jänisch - auch wenn Lenny nur dabeisitzen darf, »um sich an die Menschen zu gewöhnen«. So habe eine Patientin vor kurzem nach einer Begegnung mit der Hündin gesagt: »Das war mein Highlight des Tages.« So lernten Schmerzpatienten wieder, soziale Bindungen einzugehen. Lenny ist dabei bereits nach den für einen Therapiehund passenden Charaktereigenschaften aus dem Wurf ausgesucht worden, erklärt die Therapeutin. Die Cockapoo-Dame sei als ganz junger Welpe aufgeschlossen, verspielt und verschmust gewesen.

Gießen: Therapiehündin für Schmerzpatienten in zwei Jahren ausgebildet

Wenn Lenny in zwei Jahren vollständig ausgebildet ist, soll sie auch bei der Bewegungseinschränkung von Schmerzpatienten gezielt helfen können. Wenn ein Patient sie kraulen will, muss er sich natürlich auch bücken. »Und da bin ich teilweise richtig überrascht, wie beweglich unsere Patienten noch sind«, sagt Jänisch.

Später sollen mit ihr ganz konkrete Bewegungsabläufe trainiert werden. Die Physiotherapeutin erklärt: Wenn jemand eine Schonhaltung mit seinem Arm eingenommen habe, könne man mit dem Werfen eines Balles, den die Hündin apportiere, die Muskulatur ansprechen. »Da Patienten das Spielen mit Lenny Spaß macht, kommt man auf die nötigen Wiederholungen bei so einer Übung.«

Gießen: Therapiehündin für Schmerzpatienten bringt Freude in die Klinik

Die Hündin gehört dabei übrigens nicht der Klinik, sondern Jänisch. »Sie wird auch nicht verliehen, sondern immer da sein, wo ich auch bin.« So kann die Physiotherapeutin sicherstellen, dass es der Hündin nie zu viel wird. Im Moment scheint Lenny aber viel Spaß zu haben und auch viel Freude in den Klinikalltag zu bringen. Jänisch lacht und sagt: »Sie macht ja auch viel Quatsch.«

Auch im benachbarten Wetteraukreis gibt es Therapien mit und sogar für Tiere. Dort hat kürzlich eine Reitschule mit einem besonderen Konzept für Reiter und Pferd eröffnet.

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