Kunstausstellung

Gießen: Thema »Hirngespinste« - Fachoberschüler der Willy-Brandt-Schule stellen Ausstellung vor

  • VonKim Luisa Engel
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Auch in diesem Jahr zeigen die Fachoberschüler der Willy-Brandt-Schule der Fachrichtung Gestaltung wieder eine Ausstellung. Diesmal zum Thema »Hirngespinste«.

Der karge Betonboden auf der Baustelle in der Willy-Brandt-Schule (WBS) ist staubig. Material, Leitern und Farbeimer stehen herum - Dinge eben, die zu einer Baustelle passen. Untypisch hingegen sind die zahlreichen Staffeleien mit Gemälden und Podeste mit Skulpturen, die überall verteilt in den Räumen stehen.

Auch Bauarbeiter lassen sich hier nicht finden, sondern Schüler, die herumwuseln und letzte Hand an ihre Exponate legen. Ab Donnerstag zeigen die Zwölftklässler der Willy-Brandt-Schule Fachoberschule mit Fachrichtung Gestaltung ihre jährliche Ausstellung.

Gießen: Willy-Brandt-Schüler wählen Thema selbst aus

Diese steht unter dem Thema »Hirngespinste«. Die Schüler haben es bereits in der 11. Klasse selbst gewählt. Ab der 12. Klasse beschäftigen sie sich dann auch inhaltlich mit der Ausstellung. Das fächerübergreifende Projekt vereint Politik, Kunstgeschichte und Gestaltung. So wurden zur Vorbereitung zum Beispiel mittelalterliche Darstellungen von Himmel und Hölle an romanischen Kirchenportalen oder Gemälde von Hieronymus Bosch betrachtet. Aber auch aktuelle Kunstwerke wurden besprochen, die das Thema eher im übertragenen Sinne behandeln und beim Betrachter Bilder im Kopf entstehen lassen.

Im Politikunterricht bei Simone Löffler behandelten die 44 Schülerinnen und Schüler Problemstellungen der Gesellschaft, wie den Klimawandel, Umweltverschmutzung, Diskriminierung von Minderheiten und die Gefahr durch soziale Medien. Diese Themen wurden dann vorrangig für die Ausstellung verwendet, da sie oft noch nicht im Fokus der Gesellschaft lägen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Gießen: Schüler greifen gesellschaftliche Themen auf

Löffler und Wennemar Rustige, Lehrer für Gestaltung an der WBS, unterstützten die Fachoberschüler das gesamte Schuljahr über bei der Entwicklung ihrer Ideen und gaben weitere Anregungen. Bei der Art und Weise der Gestaltung ihrer Ideen zum Thema »Hirngespinste« hatten die Jugendlichen aber künstlerische Freiheit. Kein Wunder also, dass die entstandenen Werke vielseitig sind - von Zeichnungen und Fotos über Malerei bis hin zu Skulpturen und sogar Videos ist für jeden (Kunst-)Geschmack etwas dabei.

Lara Marie Lang hat eine Skulptur angefertigt, die das Thema Umweltverschmutzung bildlich darstellt (Foto). Die Schaufensterpuppe symbolisiert Mutter Natur höchstpersönlich, wie an den Blumen auf ihrem Kopf und dem Oberteil zu erkennen ist. Ab der Taille laufen jedoch schwarze Blumen nach unten in den Rock aus und münden in Bergen aus Plastikverpackungen - drapiert sind sie wie die Volants an einem Ballkleid. Passend dazu trägt das Stück den Namen »Die Mode der Zukunft«. Etwa eine Woche lang hat sie an der Skulptur gearbeitet. »Plastik macht die ganze Umwelt und unser Leben kaputt«, fasst sie den Hintergrund zu ihrem Exponat zusammen.

Gießen: Corona-Pandemie und Zukunftsangst als »Hirngespinst«

Denise Carluccio hat hingegen gleich mehrere Themen in ihrem Abschlussprojekt verarbeitet. Aus Holz hat sie eine große augenförmige Scheibe ausgesägt und nach Vorbild ihres eigenen Auges angemalt. Jedoch kann der aufmerksame Betrachter auch eine Träne darin glitzern sehen, denn die Themen, die in der braunen Iris abgebildet sind, stimmen traurig.

Besonders ist hierbei, dass die Iris als Drehscheibe gefertigt ist - verschiedene gesellschaftliche Themen rotieren darin. Bodyshaming, Feminismus und Armut, auch das Coronavirus hat es in die Auswahl geschafft. »Das sind Themen, die jeden beschäftigen. Mein Ausstellungsstück soll die Menschen zum Nachdenken bringen«, sagt Carluccio.

Auch Lehrer Rustige findet das gewählte Thema »Hirngespinste« »spannend«. Viele der Schüler haben es wortwörtlich umgesetzt und Ausstellungsstücke dazu kreiert. David Geisler zum Beispiel zeigt ein Video, das Gedanken und Hirngespinste im Zusammenhang mit Covid-19 anspricht.

Gießen: Ausstellung findet in Willy-Brandt-Schule statt

Die Stahlskulptur von Lina-Marie Loch stellt indes einen sehr abstrakten Kopf und ihr persönliches Gedankengewirr im Hinblick auf ihre eigene Zukunft dar. Auch die Plakate und Einladungen zur Ausstellung von Fynn Bilski beziehen sich direkt auf das Thema. Sie zeigen eine Person, die sich eine Art von Spinnenweben mit den Händen aus dem Kopf zieht.

Coronabedingt findet die Ausstellung in diesem Jahr auf dem Schulgelände der Willy-brandt-Schule statt und nicht wie sonst traditionell im Unteren Harthof. »Der Ort ist aber mindestens genauso spannend«, meint Rustige - und das trifft ganz ohne Frage auch auf die Exponate zu, die die Schüler in diesem Schuljahr kreiert haben.

Öffnungszeiten der Kunstausstellung

Eröffnet wird die Ausstellung am Mittwoch, 2. Juni, nur mit geladenen Gästen. Interessierte haben am Donnerstag, 3. Juni, und Sonntag, 6. Juni, von 13 bis 18 Uhr die Möglichkeit, die Ausstellung an der WBS in der Carl-Franz-Straße zu besuchen. An diesen Tagen führen Schüler um 16 Uhr durch die Schau. Am Montag, 7. Juni, kann sie von 10 bis 13 Uhr angeschaut werden. Einlass an allen Tagen nur mit negativem Testergebnis. Schnelltests können vorher in der Schule gemacht werden.

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