Das Technische Hilfswerk aus Gießen beim Einsatz im Ahrtal.
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Das Technische Hilfswerk aus Gießen beim Einsatz im Ahrtal.

Hochwasser

Gießen: Technisches Hilfswerk - Einsatz im Katastrophengebiet

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Das Technische Hilfswerk aus Gießen ist aus dem vom Unwetter getroffenen Ahrtal zurückgekehrt. Für die Helferinnen und Helfer geht damit ein belastender Einsatz zuende - vorerst.

Einsatzkräfte wie die vom Technischen Hilfswerk (THW) trainieren ja für einen solchen Ernstfall. Aber bringt regelmäßiges Üben etwas, wenn man mitten in den Auswirkungen einer Naturkatastrophe steht, deren Ausmaß selbst erfahrene Einsatzkräfte betroffen macht? Mit Toten, eingestürzten Häusern und Brücken, unterspülten Straßen? Fabian Stein, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim THW Gießen, und selbst im Einsatz im vom Unwetter getroffenen Ahrtal, sagt: »Auch wenn man sich auf eine solche Lage nicht detailliert vorbereiten kann, hilft es, dass wir alle bundesweit eine gemeinsame Basis bei der THW-Ausbildung haben.« Jeder weiß, welcher Handgriff wann sitzen muss. »Bei Einsätzen wie diesen gibt es das Vertrauen in die Zusammenarbeit als Gruppe und die Fähigkeiten der Einzelnen«, sagt Stein, »und Respekt, mit dem man sich einer solchen Situation nähert.«

THW Gießen: Einsatz im Ahrtal

Insgesamt 50 Einsatzkräfte des THW Gießen waren im Ahrtal im nördlichen Rheinland-Pfalz vor Ort oder haben von Gießen aus den Einsatz organisiert. Die Schwerpunkte ihrer Aufgabe: die Infrastruktur wiederherstellen und die Hilfeleistungen koordinieren. Am 15. Juli rückte die Gießener Bergungsgruppe als erste ins Einsatzgebiet im Landkreis Ahrweiler für technische Hilfeleistungen und Bergungsaufgaben aus. Kurze Zeit später folgte der Fachzug Führung/Kommunikation. Vom Nürburgring aus koordinierte er die Logistik für Hilfslieferungen an die betroffene Bevölkerung im Ahrtal, wo etwa 30 000 Menschen ohne Strom und Trinkwasserversorgung waren. Dies ging von Bundeswehrhubschraubern mit Trinkwasser über Tanklaster mit Diesel bis hin zu Lkw mit Kleidung und Essen.

Die Fachgruppe Infrastruktur stellte eine behelfsmäßige Stromversorgung für Anwohnerinnen und Anwohner her und versorgte Schadensstellen mit Material. Danach half sie bei Ahrbrück bei der Sicherung einer Brücke. Zusätzlich wurden Keller ausgepumpt und Teile eines Kanals neu angelegt, Mobilfunkmasten aufgestellt, in Betrieb genommen und gewartet. Eine Woche lang sorgten Elektrofachkräfte für die Verfügbarkeit von Mobilfunk im Einsatzgebiet. Ein speziell ausgebildeter Baufachberater inspizierte die Schäden an den Gebäuden.

THW Gießen: Nachsorgeteam steht bereit

Stein erzählt, besonders an dem Einsatz seien vor allem zwei Dinge gewesen: das Ausmaß der durch Unwetter und Überschwemmungen hervorgerufenen Zerstörung und die Solidarität in den betroffenen Orten. Doch vor dem Aufräumen stand zuerst die Frage, »wie wir das wieder hinbekommen und wie wir die Hilfe für die Menschen organisieren«, betont Stein.

Es gehe zum Beispiel darum, Gefahrenquellen zu erkennen und zu beseitigen. Der Ehrenamtliche nennt Schäden an Gebäuden, zerstörte Brücken, unterspülte Straßen, beschädigte Strom- und Gasleitungen sowie Verunreinigungen durch Öl. Hinzu kommen die enormen Massen von Geröll, Hausrat und Trümmern. »Im Einsatz helfen unsere Routinen«, betont Stein, »aber Lagen wie diese sind dynamisch, auf die muss man sich immer wieder neu einstellen.« Da helfe es, dass intern viel über die Einsätze gesprochen werde. Auch stehe nach belastenden Momenten ein Einsatznachsorgeteam bereit.

THW Gießen: Bereitschaft der Arbeitgeber nicht selbstverständlich

Während des Einsatzes bleibt wenig Zeit, sich Gedanken über die Situation zu machen. Dennoch werde nach Katastrophen wie dieser klar, »wie fragil die Umstände sind, unter denen wir leben«, sagt Stein. Vieles, was als selbstverständlich angenommen wird, sei eben nicht selbstverständlich, betont der THWler.

Nicht selbstverständlich, sagt Stein, sei auf jeden Fall die Bereitschaft der Arbeitgeber und Familien, hinter den Einsatzkräften zu stehen und sie zu unterstützen - trotz der zum Teil langen Abwesenheit. »Das THW Gießen atmet jetzt erstmal durch«, sagt er. »Aber es möglich, dass es noch einmal zu einem Einsatz vor Ort kommt. Wenn wir angefordert werden, sind wir bereit.«

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