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Die Ärzte machen ihre Forderungen bei einem Demonstrationszug öffentlich.

Marburger Bund

Ärzte streiken am Uniklinikum Gießen - Wartezeiten und Terminverschiebungen

Ärzte am Uniklinikum Gießen und Marburg sind zum Warnstreik aufgerufen. Derweil lässt eine Umfrage des Marburger Bund Hessen aufhorchen. 

  • Der Marburger Bund ruft Ärzte am UKGM zum Warnstreik am 4. Februar auf
  • Umfrage der Fachgewerkschaft mit erschreckenden Zwischenergebnissen
  • Uniklinik Gießen reagiert mit Unverständnis
  • Notfallversorgung laut UKGM gesichert, Verzögerungen und Ausfälle bei anderen Behandlungen

Update, 4.2.2020: Am Universitätsklinikum Gießen (UKGM) haben sich am Dienstag etwa 175 Ärzte am bundesweiten Warnstreik des Marburger Bundes beteiligt. Die Mediziner hatten während der Regeldienstzeit zwischen 7.30 und 16.30 Uhr ihre Arbeit niedergelegt; Spätdienste waren wieder wie üblich besetzt. Der Betrieb wurde über einen von Ärztevertretern und Klinikleitung ausgearbeiteten Notfallplan gewährleistet.

Gießen/Marburg: Ausnahmen bei Ärzte-Streik an Uniklinik

Ausgenommen vom Streik waren Ärzte, die in sensiblen Bereichen wie der Intensivstation, der Notaufnahme oder in einigen Bereichen der Kinderklinik tätig sind, sagte UKGM-Oberarzt Dr. Detlef Rupp, der für den Marburger Bund in der Tarif- und Verhandlungskommission sitzt. Die Ärztevertretung fordert unter anderem eine Verbesserung der Arbeit zu besonders belastenden Zeiten, Nacht- und Sonntagszuschläge, die Anhebung von Kinderzuschlägen und eine Tarifsteigerung in Höhe von 6,9 Prozent. Das Land bietet als Arbeitgeber rückwirkend ab Januar 2020 eine Erhöhung um 2,0 Prozent, ab Januar 2021 weitere 2,0 Prozent und im Januar 2022 weitere 1,0 Prozent. In beiden bisherigen Verhandlungsrunden seien keine entscheidenden Fortschritte gemacht worden, hatte der Marburger Bund kritisiert. Am Uniklinikum Gießen arbeiten etwa 850 Ärzte. Fast die Hälfte sind laut Rupp in sensiblen Bereichen wie der Notaufnahme oder der Intensivstation tätig.

Gießen/Marburg: Uniklinik bedauert Verzögerungen und Terminverschiebungen

Das Uniklinikum teilte auf Anfrage dieser Zeitung mit, man bedauere die wegen des Streiks entstandenen Wartezeiten, Verzögerungen und in Einzelfällen auch die Terminverschiebungen für Behandlung oder Operation. Dr. Gunther Weiß, der Vorsitzende der Geschäftsführung am UKGM, sagte: "Aus unserer Sicht wäre dieser Warnstreik nicht nötig gewesen." Die Tarifgespräche liefen in konstruktiver Atmosphäre, es liege ein erstes Angebot auf dem Tisch, und der nächste Gesprächstermin sei vereinbart. Er sei zuversichtlich, dass es zu einer für alle Seiten "tragfähigen Lösung" komme.

Bundesweit waren 23 Universitätskliniken zum Warnstreik aufgerufen. Laut Marburger Bund hatten sich der zentralen Demonstration und Kundgebung in Hannover 3500 Mediziner aus landeseigenen Unikliniken beteiligt. Der Marburger Bund kündigte an, noch am Nachmittag die Verhandlungen fortsetzen zu wollen.

Update, 2.2.2020: Nach dem Aufruf zum Warnstreik für Ärzte der Uniklinik Gießen und Marburg sowie Frankfurt äußert das UKGM sein Unverständnis. "Wir sind derzeit in guten Gesprächen über höhere Entgelte und stehen am Anfang der Verhandlungen. Deshalb gibt es keinen Grund, unsere Unikliniken in Gießen und Marburg zu bestreiken", sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Gunther K. Weiß. Er appelliert an die Ärzte, sich nicht an den Arbeitsniederlegungen zu beteiligen und die Patientenversorgung auch an diesen Tagen sicherzustellen.

Der Marburg Bund Hessen hat die Ärzte unter anderem am Uniklinikum Gießen und Marburg für den 4. Februar zu einem Warnstreik aufgerufen. Hintergrund sind die laufenden Tarifrunden. 

Gießen/Marburg: Geschäftsführung sieht Notfallversorgung am Uniklinikum trotz Warnstreik gewährleistet

Dass ausgerechnet die Ärzte streiken, verunsichert viele in Gießen und Marburg. Weiß erklärt in diesem Zusammenhang: "Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg wird alles dafür tun, die medizinische Versorgung auch während der Streikmaßnahme so weit als möglich sicherzustellen." 

Dennoch: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es bei geplanten Untersuchungen und Behandlungen zu "Verzögerungen und Ausfällen" kommt. Sicher ist nach Angaben des Vorsitzenden der Geschäftsführung jedoch: "Die Notfallversorgung ist aber auf jeden Fall gewährleistet. Dafür werden wir eine Notdienstvereinbarung treffen."

Gießen/Marburg: Beim Land Hessen Unverständnis über Streik

Der Verhandlungsführer für das Land Hessen, Staatssekretär Stefan Heck, reagierte mit Unverständnis auf die Aktion. Der Streik sei überflüssig und das Angebot des Landes "fair und angemessen". Man biete den Ärzten nicht nur ein "ordentliches Plus von mehr als fünf Prozent, sondern legen noch das Landesticket oben drauf". Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 27. Februar geplant.

Erstmeldung, 29.1.2020: Der Marburger Bund ruft Ärzte an den hessischen Unikliniken Gießen und Marburg sowie Frankfurt zum Warnstreik auf. Am 4. Februar soll es soweit sein. Hintergrund ist die aktuelle Tarifrunde. 

Gefordert wird etwa eine "spürbare Verbesserung der Arbeit zu besonders belastenden Zeiten". Hier sind konkret Nacht- und Sonntagszuschläge genannt. Auch die "Anhebung von Kinderzuschlägen, eine Tarifsteigerung von 6,9 Prozent sowie die versprochene Fortführung des so genannten Landestickets" wirft der Marburger Bund ins Rennen. 

Gießen/Marburg: Warnstreik an Uniklinik am 4. Februar

Zwei Verhandlungsrunden sind bereits durch, der Marburger Bund sieht hier "keine entscheidenden Fortschritte". Eine dritte Runde ist für den 27. Februar geplant. 

Der Ankündigung des Warnstreiks am 4. Februar an den Unikliniken Gießen und Marburg sowie Frankfurt fügt der Marburger Bund auch erste Ergebnisse einer noch laufenden Umfrage unter hessischen Uni-Ärzten an. Von einem "extrem hohen Maß an Unzufriedenheit bei den Beschäftigten" ist hier die Rede. 

Gießen/Marburg: Umfrage unter Ärzten an UKGM und Uniklinik Frankfurt

Der überwiegende Teil der bisherigen Antworten ergibt nach Angaben des Marburger Bunds, dass 

  • die Arbeitszeit nicht ausreicht, um die tägliche Arbeit zu erledigen
  • Privat- und Arbeitsleben aufgrund der Arbeitsbelastung leiden
  • gesetzlich vorgeschriebene Pausen nicht genommen werden können und trotzdem von der geleisteten Arbeitszeit abgezogen werden 

Auch die Erfassung der Arbeitszeiten und bei Überstunden sorgt offenbar für Frust bei hessischen Ärzten. "UKGM, aber auch das Land Hessen als Arbeitgeber der dortigen Ärztinnen und Ärzte ignorieren hier klare tarifliche Regelungen zum Ausgleich dieser Stunden", erklärt der Marburger Bund Hessen mit Blick auf das Uniklinikum Gießen und Marburg. 

Ihrem Ärger Ausdruck verleihen sollen die Ärzte mit dem angekündigten Warnstreik nach Meinung des Marburger Bunds am 4. Februar. 

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