Bürgermeister Peter Neidel (vorne Mitte) und Ortsvorsteher Klaus Dieter Greilich beäugen das erste Verkehrsschild für eine Hol- und Bringzone in der Lützellindener Straße nahe der Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden. FOTO: MÖ
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Bürgermeister Peter Neidel (vorne Mitte) und Ortsvorsteher Klaus Dieter Greilich beäugen das erste Verkehrsschild für eine Hol- und Bringzone in der Lützellindener Straße nahe der Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden. FOTO: MÖ

Vor Schule

Gießen: Stadt stellt Schild für "Elterntaxi" auf

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Das Gießener Straßenbild ist um ein Verkehrsschild reicher: An der Brüder-Grimm-Schule ist die erste Hol- und Bringzone für sogenannte Elterntaxis in Gießen eingerichtet worden. Weiter könnten folgen.

Die beiden Verkehrsschilder in der Lützellindener Straße waren noch nicht enthüllt, aber einige Anwohner hatten die verbalen Messer schon gewetzt. "Willkommen zum Schildbürgerstreich", begrüßte eine ältere Frau den Arbeitstrupp des Tiefbauamts. Eine Dreiviertelstunde und einige Gespräche später hatte sich die erste Aufregung gelegt. Nach dem Motto "Schaun mer mal" ist am Dienstagmittag im Bereich der Brüder-Grimm-Schule die erste "Hol- und Bringzone" für Eltern eingerichtet worden, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen und von dort abholen. "Die beste Lösung wäre natürlich, dass die Kinder alle zu Fuß, mit dem Bus oder dem Fahtrad in die Schule kommen würden, aber es gibt leider den Bedarf, solche Zonen einzurichten", sagte Bürgermeister und Verkehrsdezernent Peter Neidel.

Über das Problem mit den Elterntaxis, die bislang direkt vor der Schule im Bereich einer Fußgängerampel und Bushaltestelle anhalten, wird in Kleinlinden schon länger diskutiert, unter anderem auch im Ortsbeirat. Die Situation wird allenthalben als untragbar angesehen. "Es gibt Verkehrsprobleme, und es kommt zu gefährlichen Situationen", erklärte Neidel.

Abhilfe soll eine etwa 20 Meter lange Zone beidseits der Lützellindener Straße hinter der Kreuzung mit der Heide schaffen. Dass dort neun Parkplätze nun zeitweise wegfallen, stieß beim Ortstermin zunächst auf Kritik einer Handvoll Anwohner. Da es aber montags bis freitags nur um zwei Stunden (7.30 bis 8.30 Uhr und 12.30 bis 13.30 Uhr) geht und die Zone während der Ferien nicht gebraucht wird, relativierten sich die Bedenken zumindest in dieser Hinsicht. Die Anwohner sorgen sich aber auch um die Sicherheit der Kinder. In der 30er-Zone werde zu schnell gefahren, außerdem fehle ein Radweg in der Lützellindener Straße. "Wenn die Kinder mit dem Fahrrad in die Schule kommen sollen, muss man ihnen auch sichere Wege anbieten", meinte ein Anwohner.

Ortsvorsteher ist skeptisch

Schulleiterin Barbara Burggraf und Elternbeiratsvorsitzender Guido Michel sind zufrieden, dass sich überhaupt etwas tut. "Das ist jetzt nicht der große Wurf, aber ein erster Schritt", meinte Michel und die Schulleiterin fügte hinzu: "Es ist ein Anfang. Das Elterntaxi ist nun einmal Realität." Normalerweise wird die BGS von rund 750 Schülern besucht, aktuell werden etwa 400 im Schichtbetrieb unterrichtet, seit Montag auch die jüngeren Grundschüler. Die meisten Elterntaxis kommen laut Schulleiterin Burggraf eher aus dem Nahbereich. Schüler, die weiter weg wohnten, nähmen normalerweise den Bus.

Auch Ortsvorsteher Dr. Klaus Dieter Greilich dankte dem Magistrat erst einmal für seine Aktivität, es bleibe aber "Skepsis". Der Ortsbeirat hatte eine verkehrsfreie Fläche auf der Westseite der Sporthalle als Bring- und Abholzone favorisiert. Womöglich reiche die jetzt ausgewählte Zone nicht aus. "Da kommen sehr viele Autos auf einen Schlag", sagte Greilich. Für den Ortsbeirat sei die jetzige Lösung ein "Verkehrsversuch".

So betrachtet das wohl auch die Straßenverkehrsbehörde. "Wir beobachten das und steuern gegebenenfalls nach", sagte deren Leiter Holger Hedrich. Zu weiteren Schulen gebe es "grobe Überlegungen", was die Einrichtung von Zonen für die Elterntaxis betrifft. Aber nicht überall stehe auch der nötige Platz zur Verfügung.

Das Elterntaxi ist übrigens keineswegs nur eine Erscheinung an Grundschulen, sondern auch an den weiterführenden Schulen. Sogar Oberstufenschüler werden von den Eltern zum Unterricht gefahren, das haben Leiter von Gießener Gymnasien in der Vergangenheit bestätigt.

Grüne für Bannmeile

Während der Corona-Pandemie sind die Kritiker des Elterntaxi etwas nachsichtiger, weil der Bus als Massentransportmittel gemieden wird. Die Grünen in Gießen zum Beispiel sehen es aber kritisch, wenn die Stadt durch die Einrichtung von Bring- und Abholzonen dem Transportmittel Elterntaxi quasi noch ihren Segen gibt. Zuletzt hatte der Stadtverband der Partei, die in Gießen mitregiert, sogar "Bannmeilen" für Elterntaxis rund um die Schulen gefordert.

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