Die Parkplätze auf dem Brandplatz sind einigen Gießenern ein Dorn im Auge. Ansässige Mediziner betonen, wie wichtig der Parkraum für Patienten ist.
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Die Parkplätze auf dem Brandplatz sind einigen Gießenern ein Dorn im Auge. Ansässige Mediziner betonen, wie wichtig der Parkraum für Patienten ist.

Parkplätze in Gießen

Sorgen wegen Parkplatz-Debatte – Was passiert mit dem Gießener Brandplatz?

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Der Brandplatz ist zu einem zentralen Element im Wahlkampf geworden. Die drei aussichtsreichsten OB-Kandidaten haben große Pläne für den Platz, keiner will ihn so belassen, wie er ist. Doch was sagen die Anlieger eigentlich zu den Plänen?

Gießen – Von seinem Büro aus hat Dr. Matthias Bell den gesamten Brandplatz im Blick - und somit auch die 70 Parkbuchten. »Wenn ich morgens komme, ist immer noch etwas frei, die Plätze füllen sich dann aber im Laufe des Tages«, sagt der Zahnarzt. Für ihn ein klares Zeichen: Diese Parkplätze werden dringend benötigt. Wenn sie wegfallen, befürchtet Bell gravierende Auswirkungen für die Patienten der dort ansässigen Mediziner.

In den Augen vieler Gießener ist der Brandplatz ein verschenktes Kleinod. Die Kulisse aus altem Schloss und den aus dem Botanischen Garten ragenden Bäumen sorgen für ein idyllisches Bild. Wäre da nicht die Blechkolonne, die sich täglich - mit Ausnahme der Markttage - durch das Areal schlängelt. Die 70 Parkplätze sind einigen Gießenern daher ein Dorn im Auge. Sie wünschen sich einen hübschen Ort zum Verweilen - und das ohne Autos.

Machbarkeitstudie bei Umgestaltung des Brandplatzes in Gießen berücksichtigen

Die Oberbürgermeisterkandidaten haben das Thema aufgegriffen. Alexander Wright von den Grünen spricht sich für eine autoarme Innenstadt aus, seiner Vorstellung nach sollen die Parkplätze auf dem Brandplatz verschwinden. Sozialdemokrat Frank-Tilo Becher sieht es ähnlich, allerdings könnte er sich damit anfreunden, als Ausgleich den Uni-Parkplatz hinter dem Zeughaus zu erweitern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. CDU-Kandidat Frederik Bouffier lässt indes die alte Idee der Tiefgarage wieder aufleben und bringt als Alternative ebenfalls die Aufstockung des Zeughaus-Parkplatzes ins Spiel.

Im Koalitionsvertrag ist von Grünen, SPD und Linken festgehalten, dass der Brandplatz nicht über die Köpfe der Anwohner, Marktbeschicker und Gewerbetreibenden hinweg vom Parkplatz zum »Erlebnisraum« umgestaltet werden soll. Vielmehr soll eine Machbarkeitsstudie unter Einbeziehung von Schlossgasse und Marktlaubenstraße Aufschlüsse über eine Umnutzung liefern.

Sorge der Mediziner um Brandplatz in Gießen: Patienten benötigen die Parkplätze

Bell sitzt an diesem Nachmittag nicht alleine in seiner Praxis. Auch der Frauenarzt Hans-Jörg Meier vom Marktplatz, Knut Bördner aus der HNO-Praxis am Alten Schloss sowie Ina Espig, die in der Lindengasse ein Hörgeräte-Unternehmen betreibt, haben Platz genommen. Pia Fuhs vom Optikstudio am Schloss fehlt, sie unterstützt jedoch das Anliegen der Gruppe.

»Zu uns kommen schwangere und gehbehinderte Menschen, die häufig von Angehörigen gebracht werden«, sagt etwa Meier und fügt an, dass sich die Patienten bei einem Wegfall der Parkplätze vermutlich eine besser erreichbare Praxis im Umland suchen müssten. Das befürchtet auch HNO-Arzt Bördner. Schon jetzt sei es so, dass Patienten mittwochs, wenn auf dem Brandplatz Markt gehalten wird, keine Termine haben wollen. »Früher hatte die Praxis mittwochvormittags sogar deswegen geschlossen.«

Espig betreibt ihre Hörgeräte-Filiale auch schon etliche Jahre. Sie könnte sich genau wie ihre Mitstreiter zusätzliche Fahrradstellplätze und E-Ladesäulen vorstellen. Die Parkplätze müssten jedoch bleiben. »Eine Innenstadt lebt davon, alles kaufen und zu jedem Arzt, Optiker oder Akustiker gehen zu können - und dafür nicht ins Umland fahren zu müssen.« Bell erinnert daran, dass neu gebaute Ärztehäuser hohe Anforderungen in Sachen Erreichbarkeit und Barrierefreiheit hätten. »An unseren barrierefreien Räumen, wo Parkplätze bereits vorhanden sind, streicht man die Parkplätze. Das erscheint uns nicht schlüssig«, sagt der Zahnarzt. In seinen Augen ist ein Wegfall der Parkbuchten daher ungerecht gegenüber älteren und immobilen Menschen sowie Familien mit Kindern.

Anwohner begrüßen eine Veränderung am Brandplatz in Gießen

Boris Bender wohnt am Brandplatz. »Ich bin die Autos inzwischen so gewohnt, dass sie mich nicht sonderlich stören.« Das bedeutet aber nicht, dass er einer Veränderung nicht offen gegenüberstehen würde. Im Gegenteil: Bender kann sich gut vorstellen, dass die Parkplätze wegfallen und der Platz gastronomisch bespielt wird. Gleichzeitig könne er die Sorgen der Gewerbetreibenden und Mediziner verstehen. »Umso wichtiger ist es, die Bürger bei der Planung einzubeziehen und ihre Sorgen ernstzunehmen.«

Bender glaubt, das Auto werde ohnehin an Bedeutung verlieren, und schon jetzt befinde sich die Innenstadt im Wandel. Die Aufgabe der Politik sei es daher, den Menschen Ängste zu nehmen und aufzuzeigen, dass Veränderungen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen böten.

Einen Beleg dafür sieht Bender zum Beispiel in der Plockstraße. »Als dort der Autoverkehr verboten wurde, hatten die Gewerbetreibenden auch Sorgen«, sagt er. »Und jetzt ist die Straße ein Hotspot.« Klagen seien von dort schon lange nicht mehr zu hören.

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