"UKGM vergesellschaften" ist nur eine Forderung des Aktionsbündnisses. 
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"UKGM vergesellschaften" ist nur eine Forderung des Aktionsbündnisses. 

Angst vor Asklepios

Sorgen im Uniklinik Gießen wegen drohender Übernahme

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Die geplante Übernahme des Rhön-Konzerns durch Asklepios beschäftigt auch die Mitarbeiter im Gießener Uniklinikum. Am Dienstag hat eine kleine Gruppe Transparente am UKGM aufgehängt. Erinnerungen an die Privatisierung im Jahre 2006 werden wach.

Gießen - Es ist Dienstagmittag, kurz vor 12 Uhr: An der Rückseite des Uniklinikums hat sich eine kleine Gruppe Männer und Frauen versammelt. Mit Pinseln und Farben ausgerüstet versehen sie Transparente mit kämpferische Slogans gegen die geplante Übernahme des Rhön-Konzerns durch die Hamburger Asklepios-Gruppe. "Gesundheit vor Profite" oder "UKGM zurück zum Land" zeugen von den großen Sorgen, die in der Belegschaft des Krankenhauses derzeit auf die Stimmung drücken.

Vergangene Woche hat das Bundeskartellamt grünes Licht für die Übernahme gegeben. Am heutigen Mittwoch sollen auf der Aktionärsversammlung die nächsten Weichen gestellt werden. Ein lokales Aktionsbündnis will das nicht hinnehmen und hat daher die Protestaktion initiiert.

Auch Regina Dickey gehört zu den Demonstranten. "Die Stimmung in der Belegschaft ist angstvoll", sagt die Sekretärin. Befürchtungen wie die Ausgliederung einzelner Abteilungen, die Zerschlagung des Unternehmens und die Verschlechterung der Mitarbeitervertretung würden die Runde machen.

Dickey arbeitet bereits seit über 30 Jahren am Uniklinikum. Die umstrittene Privatisierung vor 14 Jahren durch die Rhön AG hat sie also miterlebt. Ihre Sorgen werden dadurch nicht kleiner. "Damals sind Leute einfach wegrationalisiert worden. Die frei gewordenen Stellen wurden aber nicht neu besetzt. Dadurch ist die Arbeitsbelastung extrem gestiegen." Dickey erinnert sich noch daran, wie 2006 der damalige ärztliche Direktor mit auf die Straße gegangen sei und zusammen mit der Belegschaft gegen die Privatisierung demonstriert habe. Gegen die jetzt bevorstehende Übernahme halte sich der Widerstand hingegen in Grenzen.

Nicht nur die Übernahme an sich, sondern auch der neue Eigentümer treibt der Belegschaft Sorgenfalten auf die Stirn. Asklepios hat in der Branche offenbar keinen guten Ruf als Arbeitgeber. Das betont zumindest Krankenpfleger Ulrich Stroh. Er sagt, dass einige Kollegen in der Vergangenheit bereits für das Unternehmen, das in der Region unter anderem die Klinik in Lich betreibt, gearbeitet hätten. "Als die geplante Übernahme bekannt wurde, haben sie gesagt: ›Da kann ich ja gleich wieder gehen‹." Stroh selbst sieht den Deal ebenfalls kritisch. Er befürchtet einen erneuten Anstieg der bereits jetzt schon hohen Arbeitsbelastung. "Schließlich muss das Geld, das die Übernahme kostet, irgendwie wieder erwirtschaftet werden." Der Krankenpfleger spricht sich daher nicht nur gegen die Übernahme aus, sondern auch für eine Verstaatlichung. "Das Gesundheitswesen gehört wie Feuerwehr oder Polizei in öffentliche Hand."

Der Betriebsrat des UKGM kann der Belegschaft die Sorgen nicht nehmen - im Gegenteil. "Wir erwarten vom neuen Betreiber nichts Gutes. Wir wissen, wie Asklepios mit Betriebsräten und Gewerkschaften umgeht", sagt Betriebsratsvorsitzender Klaus Hanschur. Das Hamburger Unternehmen sei beispielsweise nicht an vernünftigen Tarifabschlüssen interessiert und habe in Lich keinen Vertrag mit Verdi abschließen wollen. Hanschur macht deutlich, dass der UKGM-Betriebsrat solch eine "Umgehung der Kräfte", wie er es formuliert, nicht akzeptieren werde. "Wir sind gut gerüstet", sagt der Vorsitzende und nennt als mögliche Maßnahmen Dienst nach Vorschrift, die Ablehnung von Dienstplänen und den Gang vors Gericht. "Wir können den Verantwortlichen eine Menge Kosten aufdrücken und ihr Tagwerk blockieren", sagt Hanschur und fügt kämpferisch hinzu: "Uns schwant nichts Gutes. Aber wir wissen uns zu wehren."

Uniklinik Gießen: B. Braun wehrt sich

Asklepios betreibt deutschlandweit 160 Gesundheitseinrichtungen. Das Unternehmen ist bereits Anteilseigner bei Rhön, will den Konzern nun aber vollends übernehmen. Der nordhessische Pharma- und Medizinbedarfsanbieter B. Braun als Großaktionär wehrt sich dagegen. Zwischen B. Braun und Asklepios herrscht ein Machtkampf, der auch juristisch ausgetragen wird

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