Abstand halten, Maske tragen: Daran erinnern Schilder.
+
Abstand halten, Maske tragen: Daran erinnern Schilder.

Gießen

Gießen: Geschäftsleute und Verkäufer in Sorge

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
    schließen

Hohe Frequenz, niedrige Umsätze: Die Geschäftsleute und Verkäufer im Seltersweg haben große Sorgen.

Gießen - Kariert oder gestreift, bunt oder weiß, selbstgenäht, Schal oder Profimodell mit Sicherheitsventil: Am Montagvormittag, dem ersten Tag der Mundschutzpflicht für Geschäfte und in den Bussen, sind auf dem Seltersweg eindeutig mehr Menschen mit als ohne Schutz unterwegs. Das freut Markus Pfeffer. Wenn es nach dem Vorsitzenden des BID Seltersweg ginge, würden in der Innenstadt aber alle Menschen einen Mundschutz tragen, nicht nur in den Geschäften. "Ich bin eindeutig für eine Mundschutzpflicht", sagte er bei einem Treffen mit Bürgermeister Peter Neidel, Dirk Drebes vom Ordnungsamt sowie Frank Hölscheidt von der Wirtschaftsförderung.

Anlass der Zusammenkunft: Die Stadt hat Schilder aufgestellt, um auf die Maskenpflicht in Geschäften hinzuweisen und gleichzeitig darum zu bitten, auch außerhalb der Läden die Maske zu tragen. "Es ist sinnvoll, an hochfrequentierten Orten den Mundschutz dauerhaft zu tragen", sagte Neidel und nannte neben dem Seltersweg auch enge Wanderwege an der Lahn als Beispiel.

Die Hinweisschilder beschränken sich jedoch auf die Innenstadt. Zehn Stück hat das Ordnungsamt an den Zugängen aufgestellt, zum Beispiel in der Sonnenstraße, im Neuenweg, der Plockstraße oder der Galerie Neustädter Tor. "Wir wollen nicht den Zeigefinger heben, sondern für Verständnis werben", sagte Abteilungsleiter Drebes. Er betonte aber auch, dass bei Nichteinhaltung eine Verwarnung (50 Euro) oder gar ein Bußgeld (200 Euro) fällig werden könnte.

Neben den städtischen Schildern an den Straßen hängen nun auch in den Geschäften Hinweistafeln, die der BID verteilt hat. "Wir sind ein bisschen strenger", sagt Pfeffer und betont, den Mindestabstand in den Läden auf zwei und nicht eineinhalb Meter gesetzt zu haben. Dadurch wolle man vor allem die Mitarbeiter schützen. "Viele Verkäufer und Verkäuferinnen haben Angst. Vor allem bei Beratungen und Anproben." Pfeffer wünscht sich daher, dass die Kunden ihre Maske schon zu Hause aufsetzen und erst nach dem Einkauf dort auch wieder absetzen. Bürgermeister Neidel sieht es ähnlich und verweist darauf, dass durch das häufige Anfassen des Gesichts beim An- und Ausziehen der Masken eine Virusübertragung begünstigt werden könnte.

Neben der Gesundheit der Mitarbeiter sorgen sich Neidel und Pfeffer auch um den Zustand des Handels. Beide appellieren daran, die neuesten Verordnungen ernstzunehmen, um einen weiteren Schutdown zu verhindern. Der BID-Vorsitzende stört sich vor allem an den vielen flanierenden Passanten. "Auch, wenn es im Gegensatz zu den BID-Zielen steht: Der Seltersweg ist momentan kein Ausflugsziel, er dient rein der Versorgung." In den vergangenen Tagen sei die Besucherzahl zirka halb so hoch gewesen wie zu normalen Zeiten, der Umsatz jedoch bei weitem nicht. Viele Menschen würden zum Beispiel die Bänke an den drei Schwätzern als Ersatz-Café ansehen. "Das ist das falsche Signal", meint Pfeffer.

Hintergrund dieser deutlichen Worte ist die Sorge vor einem Anstieg der Fallzahlen und einer daraus resultierenden erneuten Schließung der Läden. "Wenn das auch noch mit dem Weihnachtsgeschäft zusammenfällt", sagt Pfeffer, "würden das sehr viele Geschäfte nicht überleben."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare