Auch die Bürger sollen sich am Prozess beteiligen. Ein Planungsbüro unterstützt dabei. 
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Auch die Bürger sollen sich am Prozess beteiligen. Ein Planungsbüro unterstützt dabei.

Lebenswerte Stadt

Gießen soll grüner werden - Stadt greift tief in die Tasche

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Das ist ein Knaller: Gießener, die den Anlagenring begrünen, können bis zu 10 000 Euro für Entsiegelungsmaßnahmen bekommen.

Rund um den Anlagenring soll es grüner werden. Das hat die Stadtverordnetensammlung bereits vor drei Jahren beschlossen und so den Weg freigemacht für einen der größten Förderanträge der vergangenen Jahre. Im November 2017 wurde die Universitätsstadt mit dem Gebiet "Grüner Anlagenring Innenstadt" in das Bund-Länder-Förderprogramm "Zukunft Stadtgrün" aufgenommen. Rund acht Millionen Euro sollen dadurch in die Begrünung der Gießener Innenstadt fließen. Jetzt hat der Magistrat eine Vorlage präsentiert, wonach sich auch die Bürger an dem Vorhaben beteiligen können - und dafür bis zu 10 000 Euro an Zuschüssen erhalten.

"Kommunale Richtlinie zur Anreizförderung privater Eigentümer zum Zwecke von Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen" ist der Antrag überschrieben, über den die Stadtverordneten abstimmen sollen.

Bewohner des betreffenden Areals sollen dadurch animiert werden, ihre Grundstücke, Wohnungen oder Pachtgebäude umweltfreundlicher zu gestalten. Dazu gehören beispielsweise der Aufbruch von versiegelten Flächen, die Anlage von Blühwiesenstreifen, Sträuchern, Hecken oder Bäumen sowie Dach- bzw. Fassadenbegrünungen. Die Höhe des Zuschusses ist abhängig von der geförderten Maßnahme und beträgt 70 Prozent der Gesamtkosten. Die Summe ist auf 10 000 Euro beschränkt.

Gießen soll grüner werden: Stadt hat ein externes Planungsbüro beauftragt 

"Als Kommune sind wir bei der Verbesserung der Klimabilanz auf private Eigentümer angewiesen", betonte Bürgermeister Peter Neidel. Man werde daher jährlich 75 000 Euro für die Maßnahme bereitstellen. Der Topf an Fördergeldern sei aber groß genug, um bei entsprechender Nachfrage weitere Gelder zu akquirieren.

Damit die in Frage kommenden Anwohner das Angebot auch rege nutzen, hat die Stadt ein externes Planungsbüro beauftragt. "Es wird auf Eigentümer und Mieter zugehen und mögliche Maßnahmen aktiv bewerben", verkündete Neidel. Das Büro werde im Vorfeld auch mögliche Sanierungsmaßnahmen ermitteln, wie zum Beispiel die Begrünung einer Fassade, und dies den Eigentümern vorstellen. "Durch diese konkreten Verbesserungsvorschläge soll es den Anwohnern möglichst einfach gemacht werden", betonte Neidel und fügte hinzu: "Das verbessert nicht nur die Klimabilanz, es steigert auch die Wohnqualität."

Gießen soll grüner werden: Reaktion auf Kritik von Klimaschützern

Neben dem Neidel unterstellten Stadtplanungsamt ist auch das von Stadträtin Gerda Weigel-Greilich geführte Gartenamt federführend in diesem Projekt. Die Grünenpolitikerin betonte, dass die Ursprünge des Vorhabens auf Ideen der Agenda-Aktionsgruppe der Landesgartenschau zurückgingen. "Umso schöner ist es, dass wir durch das Förderprogramm jetzt darauf zurückgreifen können."

Dietlind Grabe-Bolz unterstützt den Plan ebenfalls. Die Oberbürgermeisterin nutzte die Magistratsvorlage auch, um auf die Kritik von Klimaschützern einzugehen. Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Gießen", die sich für ein klimaneutrales Gießen bis 2035 starkmacht (was das Parlament zugesichert hat), hatte jüngst vorm Rathaus gegen die Klimapolitik der Stadt demonstriert. "Wir haben das Thema nicht ad acta gelegt", versicherte Grabe-Bolz und fügte hinzu: "Diese Richtlinie ist ein weiterer Schritt in Richtung Klimaneutralität."

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