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Erhöhte Polizeipräsenz vor der Jüdischen Gemeinde.

Nach Schüssen in Halle

Nach Anschlag von Halle: Sicherheitsmaßnahmen an Gießener Synagoge

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Nach den tödlichen Schüssen in Halle befindet sich auch das Polizeipräsidium Mittelhessen in erhöhter Alarmbereitschaft. 

Gießen - Die Polizeipräsenz an jüdischen Einrichtungen wurde landesweit verstärkt. Das gilt auch für die Synagoge der Jüdischen Gemeinde im Gießener Burggraben, wo am Mittwoch die Sicherheitsvorkehrungen verdoppelt worden sein sollen. Martin Ahlich, Sprecher des Polizeipräsidiums, erklärte gegenüber dieser Zeitung: "Aufgrund der Ereignisse ist die Gefährdungsstufe für alle relevanten Objekte erhöht worden. Wir überprüfen engmaschiger und mit mehr Personal." Es handele sich dabei aber um eine reine Routinemaßnahme. Eine konkrete Bedrohungslage für Gießen gebe es nicht.

Jüdischen Gemeinde Gießen: "Mehr und mehr Antisemitismus"

Wie in Halle wurde am Mittwoch auch in der Synagoge im Burggraben der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur gefeiert. Etwa 30 Personen hielten sich auf dem Gelände auf. "Nach dem Nachmittagsgebet haben wir von den Ereignissen gehört. Die Leute haben gefasst reagiert. Es ist für uns fast Routine", sagte Simon Beckmann, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde. Dennoch sei es beruhigend gewesen, zu sehen, dass die Polizei ihre Einsatzkräfte verdoppelt hätte. "Antisemitismus kommt wieder mehr und mehr. Auch in Deutschland. Er wird für uns zum traurigen Alltag", sagte Beckmann am Abend. In einem Interview mit dieser Zeitung im vergangenen Jahr hatte der Gießener bereits gewarnt: "Antisemitismus schießt aus allen Ecken."

Gießen: Früher Sorge vor Sprengsatz in Mülltonnen

Im Sommer 2017 hatte die Stadt veranlasst, dass die Mülltonnen eines Nachbarhauses der Synagoge nicht mehr auf der Straße stehen dürfen. Neben der "Beseitigung eines Schandflecks" war für Dow Aviv, den Vorsitzenden der Gemeinde, auch immer das Sicherheitsrisiko ein Grund für die Entfernung. Er hatte Sorge, dass in den Mülltonnen ein Sprengsatz deponiert werden könnte. Dass vor dem Gemeindezentrum vor einiger Zeit Radständer montiert wurden und dadurch ein Parkplatz weggefallen ist, dürfte auch mit Sicherheitsüberlegungen zu tun gehabt haben.

mac

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