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Auch die Mensa bleibt zum Semesterstart leer. FOTO: SCHEPP

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Gießen: Semesterstart mit geschlossener Mensa

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Verwaiste Mensa, viel Personal in Kurzarbeit: Der Start ins Corona-Semester stellt auch das Gießener Studentenwerk vor ungewohnte Herausforderungen. Die Wohnheime sind allerdings voll belegt.

Jegliche Partys sind verboten, Picknicks ebenso. Kochen darf man höchstens zu zweit und muss dabei Abstand halten. Überhaupt sollen sich Kontakte untereinander "auf das absolut nötige Minimum" beschränken. Besuch von außen ist gar nicht erlaubt. Corona legt auch das Leben im Wohnheim in vieler Hinsicht lahm. Doch zum Semesterstart herrscht hier durchaus fast Normalbetrieb, stellt das Studentenwerk klar. Fast alle Zimmer seien belegt. Verwaist sind dagegen andere Bereiche.

"Nahezu alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hochschulgastronomie und der Kindertagesstätten sind aktuell in Kurzarbeit", erklärt Sprecherin Eva Mohr auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Diese Bereiche wurden von behördlicher Seite geschlossen.

Wann welche Mensa und Cafeteria wieder Kaffee und Essen gibt, sei schwierig zu planen. Falls der Betrieb Anfang Mai wieder erlaubt würde, müsste man für jeden Standort einzeln bewerten, ob dort überhaupt eine nennenswerte Zahl von Gästen versorgt werden müsste. Schließlich haben beide Hochschulen angekündigt, mindestens bis Ende Mai auf Präsenzlehre zu verzichten und auf digitale Formen auszuweichen. Zahlreiche Hochschulgebäude sind derzeit geschlossen, von Besuchen auf dem Campus wird abgeraten.

Senkung der Mieten ist nicht geplant

Auch die "Anreise" nach Gießen sollten sich Studierende möglichst sparen, hat die Justus-Liebig-Universität gebeten. Trotzdem gebe es viele Neuvermietungen an Studienanfänger wie auch höhere Semester, sagt Mohr. Wie viele Mieter ihr Zimmer in den nächsten Wochen tatsächlich bewohnen und wie viele möglicherweise bei den Eltern unterkommen, ist unklar.

Auf jeden Fall zu Hause bleiben müssen Kommilitonen aus dem Ausland. Aufgrund der Einreiseverbote haben die Hochschulen ihre Austauschprogramme ausgesetzt. 150 Zimmer, die in diesem Rahmen gebucht waren, können nun vermietet werden an Studierende, die auf der langen Bewerberliste stehen.

Um die Integration von Neuankömmlingen kümmern sich auch in Corona-Zeiten die Wohnheimtutoren im Programm WoTuPro. In den beiden großen Einrichtungen im Eichendorffring und an der Grünberger Straße helfen zudem Wohnheimberater. Die sonst üblichen Veranstaltungen zu Semesterbeginn müssen allerdings ausfallen. Über die Maßnahmen zur Corona-Prävention informieren Aushänge auf Deutsch und Englisch.

Nicht in Sicht ist eine Senkung der Mieten, die der Allgemeine Studierendenausschuss der JLU "zur finanziellen Entlastung der Studierenden" gefordert hatte. "Unsere Mieten sind ohnehin schon sozial kalkuliert. Über 90 Prozent unserer Plätze liegen preislich unter der Wohnpauschale in Höhe von 325 Euro, die beim BAföG angesetzt wird. Wir sehen keine Veranlassung, Mieten zu erlassen oder zu senken", erläutert Mohr. Sie verweist zugleich auf den Corona-Nothilfefonds und die erweiterten BAföG-Regelungen (siehe Kasten).

Zu solchen und anderen Fragen beraten nach wie vor die Abteilungen Studentisches Wohnen, Beratung & Service sowie das Amt für Ausbildungsförderung; zur Zeit nicht persönlich, sondern telefonisch und per E-Mail.

Das Studentenwerk - allein am Standort Gießen zählt es insgesamt 260 Mitarbeiter - kann noch nicht absehen, wie gravierend die Einnahmeverluste vor allem im Gastronomiebereich sein werden. "Die hessischen Studentenwerke haben das Land Hessen bereits gemeinsam um Kompensation der Ausfälle gebeten und stehen diesbezüglich in Kontakt mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst", so Mohr.

(Weiterer) Bafö-Antrag kann sich lohnen

Nicht nur der aktuell aufgelegte hessische Nothilfefonds - 200 Euro Zuschuss pro Person - hilft Studierenden, die durch Corona in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Manche haben jetzt auch Chancen auf höhere oder erstmalig gewährte Bundesausbildungsförderung. BAföG-Empfänger, deren finanzielle Situation sich aufgrund der Coronapandemie verschlechtert hat - etwa weil ihre Eltern aufgrund von Jobverlust oder Kurzarbeit sie nicht mehr wie zuvor unterstützen können -, sollten einen Aktualisierungsantrag stellen und erhalten dann möglicherweise mehr Geld. Studierende, die bisher noch kein BAföG erhalten, aber jetzt vielleicht wegen weggefallener Nebenjobs in Geldnot sind, können jederzeit BAföG beantragen.

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