Bei Sommerhitze wäre eine Abkühlung in der Lahn schön. Das Schwimmen im Fluss kann aber Gesundheits- und Unfallrisiken bergen.
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Bei Sommerhitze wäre eine Abkühlung in der Lahn schön. Das Schwimmen im Fluss kann aber Gesundheits- und Unfallrisiken bergen. 

Sommer genießen

Gießen: Schwimmen in der Lahn? Was ist erlaubt? Was ist ratsam?

Die Lahn ist in Gießen in den letzten Jahren zum Naherholungsgebiet geworden: Die Gießener entspannen am Ufer, radeln entlang des Flusses und fahren Kanu. Auch in der Lahn zu schwimmen ist nicht verboten, aber es gibt Gründe, es sein zu lassen.

Wenn die Sonne am Himmel steht und die Temperaturen nach oben klettern, herrscht auf den Wiesen am Ufer der Lahn in Gießen Hochbetrieb. Vereinzelt sieht man auch Menschen in der Lahn schwimmen oder Jugendliche, die sich vom Christoph-Rübsamen-Steg ins kalte Nass stürzen. Da das Freibad in der Ringallee wegen der Corona-Pandemie in diesem Sommer erst ab dem 6. Juli mit einem speziellen Hygienekonzept öffnet, ist die Verlockung natürlich groß, sich in der Lahn abzukühlen. Doch es stellt sich die Frage: Ist das sicher? Kann man in der Lahn schwimmen, wenn man nicht in ein Schwimmbad gehen will?

Erlaubt ist das Schwimmen in der Lahn. Das bestätigt Michael Schreiner, Leiter des Schifffahrtsbüros des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Mosel-Saar-Lahn mit Verweis auf die Badeverordnung von 1970: "Die ist immer noch gültig". Das Schwimmen in der Lahn sei demnach nur an bestimmten Stellen verboten, an Schleusen oder in Häfen.

Aber dass es nicht verboten ist, heißt nicht automatisch, dass es auch sicher ist. Ein Problem könnte die Keimbelastung des Wassers sein. Gießens Pressesprecherin Claudia Boje erklärt, dass die Abwässer der Stadt in die Lahn geleitet werden. Diese würden zwar zuvor gereinigt, aber bei der Reinigung gehe es nur um den Nährstoffanteil des Wassers. "Eine hygienische, dass heißt bakterielle Reinigung erfolgt nicht", sagt Boje. Das hält auch Thomas Ott vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie für problematisch. Er erinnert, dass die Wasserqualität zwar regelmäßig überprüft werde, aber nur in Hinblick auf gewässerökologische Aspekte. Es gebe keine Überprüfung auf pathogene Keime und warnt Schwimmer ebenfalls vor dem eingeleiteten Klärwasser: "Darunter können sich gegebenenfalls auch multiresistente Keime befinden."

Eine weitere Gefahr kann von Gegenständen in der Lahn ausgehen. Schwimmer können sich an zerbrochenen Flaschen, spitzen Metallteilen oder weggeworfene Fahrrädern verletzen. Für die Beseitigung von Schrott aus der Lahn sei das Schifffahrtsamt zuständig. Schreiner erklärt aber: "Wir werden nur anlassbezogen tätig." Nur wenn sie jemand informiere, dass er zum Beispiel gesehen habe, wie ein Fahrrad in die Lahn geworfen wurde, rücke das Amt an. Eine präventive Säuberung der Lahn gebe es nicht. Dafür sei der Fluss zu lang.

Schwimmer in der Lahn: Mögliche Gefahren in Gießen

Auch der Bootsverkehr kann eine Gefahr sein. Fabian Schäfer, der technische Einsatzleiter der DLRG Gießen, sagt zwar, dass im Stadtgebiet nur wenige Motorboote unterwegs seien, aber auch Ruderboote könnten Schwimmern gefährlich werden. "Die Sportler sitzen mit dem Rücken zur Fahrtrichtung und können somit nicht alles wahrnehmen, was vor ihnen passiert." Schwimmer müssen also auch den Verkehr auf dem Fluss im Auge haben.

Als großes Problem wird das Springen vom Christoph-Rübsamen-Steg in die Lahn angesehen. Die Brücke ist zu einem beliebten Treffpunkt der Brückenspringer geworden. Stadt, Schifffahrtsamt und DLRG raten aber dringend davon ab. Der Lebensretter erklärt, dass sich der Wasserstand in Flüssen ständig ändert. Eine Fehleinschätzung eines Springers könne tödlich enden. "Das Springen vom Rübsamen-Steg ist lebensgefährlich", warnt Schäfer. Auch dem Schifffahrtsamt ist das Problem der Brückenspringer bewusst. Schreiner sagt: "Es wird im Moment daran gearbeitet, die Badeverordnung zu verändern und ein Verbot des Springens explizit aufzuführen."

Die DLRG geht zwar davon aus, dass die Lahn für Schwimmer, im Vergleich zu Großflüssen wie dem Rhein mit sehr starken Strömungen, nur ein geringes Risiko birgt. Trotzdem ermahnt sie, nur in bewachten Gewässern schwimmen zu gehen und erinnert daran, dass die Gefahr eines Unfalles durch Alkohol und Selbstüberschätzung steigt.

Info: Städtisches Freibad

Das erste Freibad bekam Gießen durch die Eingemeindung von Kleinlinden 1939. Davor haben Badebegeisterte jedoch schon im städtischen Lahnbad ihre Bahnen gezogen. Das Lahnbad war ein durch Stege abgegrenzter Bereich im Fluss gewesen. Daneben lag der Schwimmbereich des Männerbadevereines und der der privaten Müllerschen Badeanstalt. Das Lahnbad wurde 1956, mit der Eröffnung des Freibads Ringallee, geschlossen.

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