Auch jetzt noch ist der Kleine Teich mit Algen bedeckt.
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Auch jetzt noch ist der Kleine Teich mit Algen bedeckt.

Pflanzen und Tiere schützen

Schwanenteich in Gießen verliert Wasser – Flora und Fauna in Gefahr

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Der Gießener Schwanenteich ist gefährdet. Kann das Gewässer noch gerettet werden? 

  • Der Gießener Schwanenteich ist eine markante Sehenswürdigkeit der Stadt.
  • Der Klimawandel gefährdet allerdings die Idylle.
  • Ein umstrittenes Projekt könnte den Schwanenteich noch retten.

Gießen – Lange Trockenheit, Wärme und intensive Sonneneinstrahlung: Der Klimwandel setzt nicht nur dem Stadtwald zu, sondern auch den Teichen in der Wieseckaue. Der Schwanenteich kann nach Überzeugung der Umweltdezernentin nur mit einem schon früher verfolgten Konzept gerettet werden, das bislang nicht umgesetzt wurde.

Bis vor acht Jahren wussten vermutlich die wenigsten Gießener, was ein »Bitterling« ist. Im Verlauf des Jahres 2012 wusste dann fast jeder, der sich für das Stadtgeschehen interessiert, dass es sich um eine karpfenartige Fischart handelt, die im Schwanenteich lebt. »Pilotprojekt Bitterling« hieß damals ein Vorhaben der Stadt, mit dem die Pflanzen- und Tierwelt am Schwanenteich dauerhaft gesichert werden sollte, indem unter anderem die Uferbereiche umgebaut und verstärkt sowie ein Nebengerinne der Wieseck angelegt werden sollten. Aber das 1,4-Millionen-Euro-Projekt stieß in der Bevölkerung auf massiven Widerstand.

Keine dauerhafte Lösung für den Schwanenteich ist der Einsatz des Rechenboots, das im Juli tonnenweise Fadenalgen aus dem Gewässer barg. FOTOs: CK/MÖ

Gegen den Umbau des Schwanenteichs und die Fällung von 150 Bäumen auf dem laut Stadt porösen Dammweg regte sich Protest, über 3000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren wurden gesammelt, bei einer Bürgerversammlung ging es hoch her, eine Menschenkette umschloss das Gewässer bei einer Demonstration. Am Ende blies der Magistrat das Projekt ab, erfüllte damit das Bürgerbegehren und griff das Vorhaben auch nach 2016 nicht mehr auf, obwohl eine Realisierung mit Ablauf der dreijährigen Bindungsfrist an das Bürgerbegehren möglich gewesen wäre.

Gießener Schwanenteich läuft aus: Pilotprojekt Bitterling soll ihn retten

Im Zusammenhang mit den akuten Problemen am Schwanenteich und Neuen Teich mit dem Befall mit Blau- und Fadenalgen in diesem Sommer hat Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) das »Pilotprojekt Bitterling« nun wieder ins Gespräch gebracht. »Grundsätzlich befürworten wir aus rein fachlicher Sicht weiterhin die Umsetzung des ›Pilotprojekts Bitterling‹, dessen Realisierung bis auf die Laufverlängerung der Oberlache nach wie vor aussteht«, erklärte Weigel-Greilich vor einigen Tagen in der Bürgerfragestunde des Stadtparlaments.

Die fortschreitende Erwärmung der Atmosphäre werde sich in dauerhaften Hitze- und Trockenperioden abzeichnen. »Davon ausgehend wird das Angebot an verfügbaren Wasserreserven weiter schrumpfen«, sagte die fürs Garten- und Umweltamt zuständige Dezernentin und erinnerte an ein zentrales Argument, mit dem damals die Fällung der Bäume auf dem zwischen Schwanenteich und Wieseck gelegenen Dammweg begründet wurde: »Der Schwanenteich ist ganzjährig permanenten Wasserverlusten infolge von Schäden zum Beispiel am Dammweg ausgesetzt.«

8000 Kubikmeter Schlamm entfernt: Rettungsmaßnahmen am Gießener Schwanenteich

Nach Überzeugung von Weigel-Greilich helfen die in diesem Sommer ergriffenen Maßnahmen nicht weiter. »Unser diesjähriger Versuch, die Fadenalgen zu beseitigen, war auf Grund der Witterung leider nur von kurzem Erfolg gekrönt.« Ein permanenter Einsatz eines Rechenboots sei zudem ökologisch schädlich und zu teuer. Dagegen hätte das vom Stadtparlament 2011 befürwortete Pilotprojekt eine »langfristige Lösung« für die Teichökologie gebracht.

Realisiert von dem Projekt wurden die 2011 durchgeführte Befreiung des Schwanenteichs von 8000 Kubikmeter Schlamm sowie die Schaffung eines Zuflusses von der Wieseck im Zuge der Laufverlängerung der Oberlache. Die wirke aber nur bei hohem Wasserstand der Wieseck, der wiederum unerwünschte Nährstoffanreicherungen und Sedimentabsetzungen zur Folge habe. Auch könne die geringe Wassertiefe bei hohen Temperaturen, entsprechender Verdunstung und den erwähnten Wasserverlusten nicht durch die Zufuhr über die Wieseck ausgeglichen werden, erläuterte die Grünen-Politikerin in der Bürgerfragestunde.

Noch keine Lösung festgelegt: Der Schwanenteich könnte als ökologische Nische

Ihre Aussagen der Stadträtin sind im Moment freilich nicht mehr als ein Denkanstoß. Im Haushalt der Stadt gibt es keine Position für das »Pilotprojekt Bitterling«, und auch die Grünen haben es in ihr Kommunalwahlprogramm bis 2026 nicht aufgenommen.

Dabei hätte ein umgestalteter Schwanenteich nach Überzeugung der Umweltdezernentin das Zeug zum Artenretter. Weigel-Greilich: »Viele Laichhabitate sind durch die Überformungen unserer Flusslandschaften verlorengegangen, der Schwanenteich hätte das Potential, nach der Umgestaltung hier als ökologische Nische zu fungieren.« (Burkhard Möller)

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