Auch an Gießener Schulen - wie hier an der Brüder-Grimm-Schule - bestimmen geöffnete Fenster das Bild.	FOTO: KHN
+
Auch an Gießener Schulen - wie hier an der Brüder-Grimm-Schule - bestimmen geöffnete Fenster das Bild. FOTO: KHN

Corona-Pandemie

Lernen in virenreiner Luft auch in Gießen

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
    schließen

Auch die Stadt Gießen will wegen Corona in den Schulen Luftreiniger einbauen. Doch der Garant für Unterricht im Herbst und Winter soll das Lüften bleiben.

Gießen - Die Kleinlindener Brüder-Grimm-Schule am Donnerstagmorgen: Während bei knackigen 10 Grad der Herbstwind über den Schulhof pfeift, läuft in den Klassen der Unterricht. In einigen Räumen sind Fenster komplett geöffnet. Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser betont, dass das regelmäßige und richtige Lüften »die zentrale Maßnahme« im Corona-Herbst und -Winter auch an Gießener Schulen und Kindertagesstätten sein wird. »Die Einrichtungen sind darauf eingestellt«, betont sie, »und es funktioniert problemlos.«

Die Tage werden kürzer, die Infektionszahlen steigen. Auch die Schulen, die im Zuge der neuen Corona-Maßnahmen zusammen mit den Kitas im Gegensatz zu Kulturbetrieben, Sportstätten und Gastronomien geöffnet bleiben, müssen sich darauf einstellen. Das geschieht nicht nur mit verstärktem Verknüpfen von Digital- und Präsenzunterricht. Die Kultusministerkonferenz hatte Ende September empfohlen, Klassenräume alle 20 Minuten mindestens drei Minuten lang zu lüften. Erarbeitet hatten die Vorgaben unter anderem Virologen, Fachleute für Hygiene, das Umweltbundesamt, Vertreter der Kommunen, der Bildungsgewerkschaften und des Bundeselternrats.

Gießen: Schulen und Kitas bleiben offen

»Wir sind froh, dass Schulen und Kitas offen bleiben«, sagt Eibelshäuser. Ziel müsse es sein, für die Kinder und Jugendlichen ein Stück Normalität und soziale Bezüge beizubehalten. Die komplette Schließung der Einrichtungen im Frühjahr habe die jungen Menschen »hart getroffen«. Außerdem sei deutlich geworden, wie bei einem rein digitalen Unterricht die Schere bei der Bildungsentwicklung weiter aufgehe, betont sie.

Forscher der Goethe-Universität Frankfurt hatten in einer Studie an einer Wiesbadener Schule festgestellt, dass Luftfilter in Klassenräumen die Virenlast innerhalb einer halben Stunde um bis zu 90 Prozent senken könnten. Sollten durch einen am Coronavirus erkrankten Schüler übers Atmen oder Sprechen Aerosole in den Klassenraum gelangen, könne mithilfe des Luftfilters verhindert werden, dass die Teilchen eine längere Zeit in der Luft schwebten. Dadurch sinke die Infektionsgefahr für die anderen Menschen im Klassenzimmer.

Schulen in Gießen: 95 Prozent der Klassen mit Fenstern ausgestattet

Schuldezernentin Eibelshäuser verweist auf »die große Bandbreite der Expertenmeinungen« zu diesem Thema. Das Bundesumweltamt zum Beispiel betont, das Lüften sei das zentrales Mittel, um den Unterricht auch in der Pandemie zu ermöglichen. Es gebe außerdem Untersuchungen, die Luftfilter als Ergänzung zum Lüften sehen. Hilfreich seien sie vor allem für Räume ohne Fenster.

In den Gießener Schulen gibt es 1200 Klassenzimmer. 95 Prozent hätten Fenster, sagt Eibelshäuser. Um die Unterrichtsräume ohne Fenster problemlos nutzen zu können, plant die Stadt aktuell den Kauf von mobilen Luftfiltergeräten. Eine »hohe zweistellige Zahl« soll angeschafft werden. Die Geräte sollen selbstverständlich auch Kitas zu Verfügung stehen.

Das Land Hessen hat angekündigt, den Kauf von Luftfiltern mit zehn Millionen Euro zu fördern. Wenn man bedenkt, dass die Geräte bis zu 4000 Euro pro Stück kosten können, ist das nicht viel Geld. Dennoch will auch die Stadt von den Landesmitteln profitieren, betont Eibelshäuser. Unklar sei aktuell aber noch, unter welchen Bedingungen was gefördert werde. Sobald das Land Richtlinien veröffentlicht, will die Stadt zügig handeln. Die Dezernentin verweist jedoch darauf, dass Gießen nicht die einzige Stadt sein wird, die sich für den Kauf solcher Geräte interessiert. Trotzdem: »Wir vertrauen nicht auf das schnelle Schnäppchen, sondern wollen hochwertige Geräte anschaffen, die getestet sind.«

Schulen in Gießen: CO2-Gehalt soll gemessen werden

Für die Klassen mit Fenster heißt es für Schüler und Lehrer, bei der Kleidungsauswahl das Zwiebelprinzip zu beherzigen. Außerdem, glaubt Eibelshäuser, ließen sich die kurzen Pausen gut in den Unterricht integrieren.

Die Goetheschule und die Sandfeldschule sollen in einem Pilotprojekt mit Sensoren ausgestattet werden. Mit denen soll der CO2-Gehalt in der Luft gemessen werden, um die Wirkung des Fensteröffnens zu untersuchen. Der Einbau der Sensoren soll in diesen Tagen stattfinden, sagt Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare