Der Lockdown stellt Gießener Schülerinnen und Schüler vor große Herausforderungen. (Symbolbild)
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Der Lockdown stellt Gießener Schülerinnen und Schüler vor große Herausforderungen. (Symbolbild)

Abitur

Gießener Schulalltag im Lockdown: Angst vor dem Corona-Makel in den Oberstufen

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Distanzunterricht, leere Klassenräume, keine Treffen mit Mitschülern: Auch Gießener Oberstufenschüler lernen im Corona-Lockdown unter ganz besonderen Bedingungen.

Gießen – Bis mindestens Ende dieses Monats ist - wie schon in den Wochen vor den Weihnachtsferien - die Präsenzpflicht an den Schulen ausgesetzt. Regelbetrieb ist also wieder einmal wegen Corona nicht möglich. Wie Distanzunterricht bei Schülern der oberen Jahrgänge ankommt, welche Probleme und Sorgen das bei ihnen auslöst, davon berichtet auf Anfrage Stadtschulsprecher Stergios Svolos, selbst Schüler des Zwölfer-Jahrgangs am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, stellvertretend für seine Generation.

So unterschiedlich wie die Regelungen für die einzelnen Jahrgangsstufen sind, so unterschiedlich wird auch an diversen Schulen der Distanzunterricht gehandhabt. An der Liebigschule etwa findet, nach Wechselunterricht im Herbst, der Distanzunterricht für Oberstufenschüler nun wieder überwiegend über die Online-Plattform Classroom statt. Hier können Aufgaben eingestellt und bearbeitet werden. Virtuelle Meetings, bei denen sich Lehrer und Schüler via Bildschirm sehen können, werden eher im Ausnahmefall über Plattformen wie Zoom abgehalten. Für den unkomplizierten und zuverlässigen Kontakt zwischen Schülern und Lehrern werden zudem E-Mails und WhatsApp genutzt.

Gießener Schulen während Lockdown: Kontakthalten auch digital möglich

Am LLG haben Lehrer und Schüler einige Zeit im Wechselunterricht mit geteilten Klassen erlebt, im Lockdown halten sie nun wieder über die Plattform IServ Kontakt. Hier findet der Unterricht quasi online statt. »Ich habe schon die erste Nachricht bekommen, dass meine für Montag geplante Präsentation online stattfinden muss«, berichtet Svolos. Er selbst ist froh, über die technischen Voraussetzungen und das nötige Knowhow zu verfügen, sorgt sich aber um Schüler auch aus unteren Jahrgängen oder mit schlechteren Voraussetzungen - weil sie entweder technisch nicht so gut ausgestattet sind, oder weil sie in ihrem Zuhause nicht die nötige Ruhe und Unterstützung finden. »Wenn ich mir mein Zimmer mit jemand teilen muss, wie soll da Bildung gelingen?«, meint der 18-Jährige und fordert mehr Betreuungsangebote für Schüler unter ähnlich schwierigen Lernbedingungen.

Stadtschulsprecher Stergios Svolos

Svolos zeigt sich aber optimistisch, dass Distanzunterricht im jetzigen Lockdown generell besser funktioniert, als noch im ersten vom Frühjahr. Schließlich hätten Schüler und Lehrer zu Beginn der Pandemie noch viel improvisieren müssen (»die Schulen wurden überrumpelt«), nun aber kenne man Fehlerquellen. Corona habe die Digitalisierung zudem vorangetrieben. Der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern sei auch unter diesen Umständen gut. »Aber Unterricht besteht nicht nur aus Lernen, es ist auch Austausch«, betont der Zwölftklässler. »Und Schule ist eben auch ein Gemeinschaftsgefühl.« Und das fehlt im Lockdown. Ebenso manches, was in früheren Jahrgängen möglich war: Praktika, ein Schuljahr im Ausland oder ähnliches. Svolos selbst hat das erlebt: Er hatte ein Praktikum in Irland und einen Schüleraustausch mit China vereinbart. Beides konnte wegen Corona nicht stattfinden.

Gießener Schulen während Lockdown: Verantwortung „enorm cool“

Dass er im Distanzunterricht mehr Eigenverantwortung hat, findet der Stadtschulsprecher wiederum »enorm cool«. Aufsätze schreiben, Dinge recherchieren, sich Lernstoff in Eigenregie zu erarbeiten sei zwar so anstrengender, aber der Lerneffekt dafür umso größer. Und Leistungsdruck werde aber immer nur dann genommen, wenn sich Lehrer bei den Schülern rückversicherten, ob sie die Aufgaben auch bewältigen können.

Auf die Frage, ob er Angst habe, dass die jetzigen Oberstufenjahrgänge einmal als Corona-Jahrgang mit einem weniger aussagekräftigeren Corona-Abitur einen Nachteil haben könnten, antwortet er mit »absolut«. Seine Generation habe schon die Befürchtung, dass es auf einmal heißen könnte »das ist der Corona-Jahrgang«. Aber er setze darauf, dass alle - Lehrer, Schüler und Eltern - gemeinsam Verantwortung übernähmen und Verständnis zeigten, damit Bildung gelingen kann.

Für alle in diesem Jahr anstehenden Abschlussprüfungen, insbesondere das Abitur, wird laut Hessischem Kultusministerium gewährleistet, dass nur diejenigen Lerninhalte Prüfungsgegenstand sind, die auch vermittelt wurden. Klassenarbeiten, Klausuren und sonstige Prüfungen finden in der Zeit des Distanzunterrichts mit Ausnahme derjenigen, welche für Schulabschlüsse in diesem Jahr unaufschiebbar sind, nicht statt. Dies bedeutet, dass die für Januar terminierten schriftlichen Leistungsnachweise, die für die Noten in Abschlusszeugnissen relevant sind (z.B. Klausuren in Q1 und Q3, die in die Abi-Note einfließen), ab dem heutigen Montag geschrieben werden können, und zwar in Präsenz in der Schule unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln. Ersatzleistungen sind alternativ möglich. Klassenarbeiten und Prüfungen in den anderen Jahrgangsstufen (ab Klasse 7) entfallen, können aber durch Ersatzleistungen kompensiert werden.

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