Corona stellt die Schulen im Landkreis Gießen vor nie gekannte Herausforderungen. (Symbolbild)
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Corona stellt die Schulen im Landkreis Gießen vor nie gekannte Herausforderungen. (Symbolbild)

Hygieneregeln einhalten

Corona verlangt Schulen im Landkreis Gießen alles ab: „Sorgen, ob wir Schüler verlieren“

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Auch in Gießen läuft der Unterricht an den Schulen weiter unter erschwerten Bedingungen ab. Während die einen versuchen, den Schülern Kontinuität zu vermitteln, sorgen sich andere vor allem um die Rahmenbedingungen und die Betreuung der Schüler.

Gießen – Für die Schulen ist das dynamische Corona-Infektionsgeschehen in Stadt und Landkreis Gießen ein Stresstest. Sie müssen ihren Unterricht nach den Vorgaben des Hessischen Kultusministeriums mehrgleisig planen. »Das verlangt uns viel ab«, sagt der Leiter der Gesamtschule Gießen-Ost (GGO), Frank Reuber. »Alle Kollegen ziehen mit, aber wir kommen an unsere Grenzen.«

Vier stufiges Modell soll den Unterricht in Corona-Zeiten gewährleisten

Das Kultusministerium hat in seinem Leitfaden für den Lernbetrieb vier Szenarien aufgestellt: mit jeweils der Infektionslage angepassten Hygienevorgaben, Stundentafeln und Unterrichtsformen (siehe unten). Aktuell befindet sich die Stadt Gießen auf Stufe drei: dem Wechselmodell. Hier gelten die bekannten Hygieneregeln, es muss regelmäßig stoßgelüftet werden und die Stundentafel muss im Präsenz- und Distanzunterricht möglichst vollständig abgedeckt werden. Die in Gruppen geteilte Klassen wechseln sich täglich oder wöchentlich ab.

In der Ostschule mit 1500 Schülern werden die Klassen im wöchentlichen Wechsel unterrichtet. Wichtig sei es, die Hygienevorgaben einzuhalten, sagt Reuber. An der GGO war das Maskentragen auch im Unterricht schon früh Thema. Reuber ist sich sicher, dass dies »uns vor Schlimmerem bewahrt« habe: Seit Sommer sei keine Klasse mehr in Quarantäne geschickt worden. Probleme gibt es an anderer Stelle: Reuber sagt, das System I-Serv, über das Digitalunterricht möglich ist und das bundesweit von Schulen genutzt wird, sei zu bestimmten Zeiten überlastet.

Schulen in der Corona-Pandemie: Nicht nur auf Digitales vertrauen

Auch dürfe der Blick nicht bloß auf technische Fragen gerichtet werden, betont Reuber. »Wir wollen alle Kinder und deren Eltern erreichen, weil sie in hohem Maße von der aktuellen Situation betroffen sind.« So hat die Ostschule wegen der vielen offenen Fragen vonseiten der Familien eine Handreichung erarbeitet. In der wird erklärt, wie man sich bei einer Infektion mit dem Coronavirus verhalten sollte - mit oder ohne Benachrichtigung vom Gesundheitsamt.

Das Wechselmodell in Kombination mit den Hygieneregeln hält Reuber für einen gangbaren Weg - vergleichbar mit dem Präsenzunterricht sei dies aber nicht. »Wir machen uns Sorgen, ob wir Schüler verlieren«, betont Reuber. Vielen Lehrkräften mache dies auch körperlich zu schaffen.

Die Brüder-Grimm-Schule (BGS) in Kleinlinden ist von der Corona-Pandemie bisher weitestgehend verschont geblieben. Schulleiterin Barbara Burggraf betont jedoch: »Die Zahlen steigen, und auch uns kann es jederzeit treffen.« Deshalb setzten die Lehrkräfte die Vorgaben des Kultusministeriums »sensibel, aber unaufgeregt« um. Wichtig sei es, den Schülern Stabilität und Beständigkeit zu vermitteln. Dazu brauche es einen engen und vertrauensvollen Kontakt zu den Eltern.

Schule während der Corona-Pandemie: Unterschiedliche Konzepte

Die Herausforderung an der BGS: Hier werden 775 Kinder und Jugendliche von Klasse eins bis zehn unterrichtet. Dementsprechend müssen für die verschiedenen Jahrgangsstufen unterschiedliche Konzepte gelten. Burggraf erzählt von einem Einhorn mit Mundschutz in der ersten Klasse als Symbol für die Hygienevorgaben. Gleichzeitig müsse in den Klassen sieben bis zehn der Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht gewährleistet werden. An der BGS gilt der tägliche Wechsel der Lerngruppen, »um den Schülern schnell Feedback zu geben«, sagt Burggraf. Gleichzeitig legen die Zehntklässler aktuell ihre Präsentationsprüfungen ab und die Jahrgänge acht und neun absolvieren Praktika. Von über 150 Schülern hätten nur 15 ihr Praktikum wegen Corona abbrechen müssen, sagt die Schulleiterin.

Burggraf unterstreicht, für die integrierte Gesamtschule sei es wichtig, dass die Differenzierung innerhalb einer Lerngruppe mit unterschiedlichen Leistungsanforderungen weiterhin möglich sei. Gerade beim Distanzunterricht sei es wichtig, die Schüler im Blick zu behalten, »die sich nicht selbst strukturieren oder eigenständig lernen können«.

Unterricht an Gießener Schulen zu Corona-Zeiten: Ein Appell an die Eltern

An der Goetheschule stellt das Ganztagsangebot die größte Herausforderung in der aktuellen Situation dar. Während im regulären Unterricht die Klassenverbände fest zusammenbleiben, kann es ab 15 Uhr in den Arbeitsgemeinschaften zu einer Durchmischung kommen. Grundschulleiterin Kerstin Muscheid appelliert deshalb an die Eltern, ihre Kinder spätestens um 15 Uhr abzuholen - wenn dies beruflich möglich ist.

Gerade in der Grundschule sei das Bedürfnis der Kinder nach Nähe noch größer und Abstandhalten schwieriger. Muscheid lobt in diesem Zusammenhang ihre 140 Schüler, weil diese sich mit sehr viel Disziplin an die Hygienevorgaben hielten. Der Präsenzunterricht müsse so lange wie möglich gewährleistet werden. Denn Distanzunterricht sei gerade mit Grundschülern kaum umzusetzen.

Vier Szenarien

  • Das Hessische Kultusministerium hat für die Schulen vier Planungsszenarien - je nach Infektionsgeschehen - aufgestellt:
  • Stufe 1 - Angepasster Regelbetrieb
  • Stufe 2 - Eingeschränkter Regelbetrieb
  • Stufe 3 - Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht
  • Stufe 4 - Distanzunterricht

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