+
Auf frischer Tat ertappt: Die Diebe schleppen die Schafe davon. Foto: pm

Dreiste Täter

Schaf-Diebstahl in Gießen: Schreckliche Vermutung scheint sich zu bewahrheiten

In der vergangenen Woche haben Unbekannte von einer Koppel am Hangelstein sechs Schafe gestohlen. Nun gibt es eine schreckliche Vermutung. 

  • In Gießen wurden sechs Schafe gestohlen
  • Ein Detail auf Bildern einer Überwachungskamera machte stutzig
  • Liegen Überreste in Mülltüten westlich von Gießen?
  • Befürchtung scheint sich zu bewahrheiten

Update, 14.1.2020: Bisher war es nur ein vager Verdacht. Nun aber scheint sich die Befürchtung, dass der Fund von Tierkadavern im Lahn-Dill-Kreis und der zuvor begangene Diebstahl von sechs Schafen in Gießen in unmittelbarem Zusammenhang stehen, zu bewahrheiten. Auch zu dem Transporter, der von einer Überwachungskamera in Gießen aufgenommen worden war, gibt es neue Hinweise. 

Demnach sucht die Polizei nun nach Zeugen, die Hinweise zu dem Vorfall in der vergangenen Woche in Gießen-Wieseck machen können. Hier waren am Donnerstag, dem 2. Januar, sechs Schafe von einer Weide nahe eines Restaurants an der Hangelsteinstraße gestohlen worden. Eine Überwachungskamera hatte Bilder eines Transporters gemacht, den die Täter offenbar nutzten. Darauf zu erkennen: Ein Symbol, das an das Logo der Deutschen Post erinnert. "Es handelt sich dabei vermutlich um ein von der Post aussortiertes Auslieferungsfahrzeug, einen 7,5 Tonner", heißt es nun bei der Polizei. 

Gießen: Polizei hofft nach Schafdiebstahl auf Hinweise zu Postauto

Die Polizei geht aktuell davon aus, dass der Diebstahl und der Fund von Schlachtabfällen im Lahn-Dill-Kreis im direkten Zusammenhang stehen. An einer Straße zwischen Tringenstein und Oberndorf hatten Zeugen die mit Tierabfällen gefüllten Müllsäcke gefunden. 

Nun bittet die Polizei Mittelhessen die Bevölkerung um Hilfe und fragt: Wer kann noch Hinweise zum Schafdiebstahl geben? Wer hat zwischen dem 2. Januar und 6. Januar ein solches ausgesonderte Postauto in Bereich Oberndorf (Siegbach) gesehen? Wer oder welches Unternehmen fährt einen Transporter mit einem Posthorn an der Seite? Wer nutzt ein von der Post ausrangiertes Fahrzeug privat? Hinweise bitte an die Polizeistation Gießen Nord unter 0641/7006-3755.

Liegen die Überreste der in Gießen-Wieseck gestohlenen Schafe in Müllsäcken im Lahn-Dill-Kreis?

Update, 10.1.2020: Die Meldung um sechs gestohlene Schafe aus Gießen sorgte für Schlagzeilen. Eine Kamera hatte die Täter dabei aufgezeichnet, wie sie die Tiere auf einer Weide am Hangelstein in Wieseck in einen Transporter verluden. 

Nun macht die Besitzerin eine erschreckende Meldung: "Mein Gefühl hat sich leider bestätigt", schreibt Elvi Bechthold auf Facebook. Dazu stellt sie zwei Fotos von Müllsäcken, die offenbar in einem Wald- oder Wiesenstück westlich von Gießen liegen. "Bei den entsorgten Säcken mit Schafswolle und Schlachtabfällen, Nähe der Kreisverkehrsstrasse zwischen Tringenstein und Oberndorf im Lahn-Dill-Kreis, handelt es sich um unsere Schafe", schreibt sie weiter. 

Gießen: Liegen Überreste von gestohlenen Schafen im Lahn-Dill-Kreis?

Offiziell bestätigt ist der Zusammenhang beider Fälle von der Polizei bisher noch nicht. Die Pressestelle der Polizei war am Freitagabend nicht mehr zu erreichen. Dennoch scheint die Besitzerin sicher. "Die Ohrmarken waren herausgeschnitten", erklärt Elvi Bechthold zu dem Fund. Entsprechend dürfte eine Identifizierung schwierig. 

Es war nicht der erste Schafsdiebstahl am Hangelstein (siehe unten), doch nun scheint die komplette Herde unwiederbringlich weg zu sein. Die sechs Tiere wurden am Donnerstag vergangener Woche gegen 22.40 Uhr auf einer Weide am Hangelstein in Gießen-Wieseck gestohlen. 

Hinweise erbittet die Polizeistation Gießen Nord unter der Rufnummer 06 41/70 06 37 55. Auch Beobachtungen rund um den Fundort der Müllsäcke zwischen Tringenstein und Oberndorf im Lahn-Dill-Kreis könnten hilfreich sein. 

Erstmeldung, 8.1.2020: Auf dem krisseligen Kamerabild sind zwei Männer zu sehen. Womöglich sogar drei. Sie klettern über das Tor, stapfen auf die Wiese - und schnappen sich nach und nach alle sechs Schafe. Anschließend verfrachten sie die Tiere in einen Transporter und fahren davon.

Dieser Diebstahl hat sich am Donnerstag gegen 22.40 Uhr auf einer Weide am Hangelstein in Wieseck abgespielt. Die Tiere gehören der Familie von Elvi Bechthold. Schon seit zehn Jahren kümmerten sie sich um die kleine Herde. "Jetzt sind alle weg", sagt die Hobbyschäferin. Denn es war nicht der erste Schafsdiebstahl am Hangelstein.

Im Oktober haben die Diebe das erste Mal zugeschlagen, zwei Tiere sind von der Weide gestohlen worden. Mitte Dezember fehlte dann plötzlich ein weiteres Schaf. Daraufhin installierte die Familie eine Wildkamera, die anfängt zu filmen, sobald Bewegung oder Wärme vor dem Tor wahrzunehmen ist. Außerdem stellten die Bechtholds Warnhinweise auf. "Offenbar haben sich die Diebe davon aber nicht beeindrucken lassen", sagt Elvi Bechthold. Denn in der Nacht auf Freitag schlugen die Täter erneut zu. Und um ein Haar wären sie der Polizei auch in das Netz gegangen.

Gießen: Logo auf Transporter erinnert an Post

Die Wildkamera ist so konzipiert, dass sie bei verdächtigen Ereignissen sofort einen Hinweis auf das Smartphone sendet. "Wir haben dann umgehend die Polizei verständigt, mein Mann ist auch selbst hoch gefahren", sagt Elvi Bechthold. Doch obwohl die Beamten bereits zehn Minuten später vor Ort gewesen seien, hätten sie niemanden mehr angetroffen. Elvi Bechthold vermutet, dass die Täter den Tieren die Vorderläufe zusammengebunden haben. Sonst wäre die Aktion nicht so schnell über die Bühne gegangen, glaubt sie. "Außerdem hätten sich die Schafe sonst nicht so ruhig verhalten und über den Zaun wuchten lassen."

Auch wenn die Polizei zu spät zum Tatort gekommen ist, könnten die Kamerabilder den Ermittlern bei der Aufklärung noch sehr hilfreich sein. Die Täter sind zwar nicht gut zu erkennen, dafür aber der weiße Transporter. An der Seite ist zudem ein Logo samt Schriftzug zu erkennen, das stark an die Deutsche Post erinnert. "Es sind schon einige Hinweise eingegangen. Die Ermittler sind dran", bestätigt daher auch Polizeisprecher Jörg Reinemer.

Gießen: Große Anteilnahme auf Facebook

Dazu dürfte auch die große Anteilnahme in den sozialen Medien gesorgt haben. Elvi Bechthold hat auf Facebook über den Diebstahl informiert und auch die Kamerabilder veröffentlicht. Die Inhalte wurde über 4000 mal geteilt, in hunderten Kommentaren echauffierten sich die Leser über das Vorgehen der Diebe. Und auch Elvi Bechthold selbst ist schockiert über die Abgebrühtheit der Täter, schließlich ist es schon der dritte Diebstahl innerhalb weniger Wochen. "Das ist einfach oberdreist."

Für die Bechtholds waren die Schafe keine Nutztiere. Sondern ein liebgewonnenes Hobby. "Außerdem habe ich zwei Border Collies. Der ältere hat mit den Schafen gearbeitet, der jüngere sollte jetzt antrainiert werden", erzählt Elvi Bechthold. Daraus wird nun erstmal nichts. Die Familie will in absehbarer Zeit keine neuen Tiere anschaffen. Erst recht nicht, solange die Täter noch nicht ermittelt worden sind.

Die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit den Schafen hat Elvi Bechthold längst aufgegeben. Sie geht davon aus, dass die Tiere zum Schlachten gestohlen worden sind. Hinweise erbittet die Polizeistation Gießen Nord unter der Rufnummer 06 41/70 06 37 55.

chh/fd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare