An der Basilika auf dem Gießener Schiffenberg laufen die Brandschutzarbeiten.
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An der Basilika auf dem Gießener Schiffenberg laufen die Brandschutzarbeiten.

Baudenkmal

Gießen: Wichtiger Schritt für Zukunft der Schiffenberg-Basilika gelungen

  • vonDagmar Klein
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Wie die historische Basilika auf dem Gießener Schiffenberg vor Brandschäden schützen? Diese knifflige Frage ist nun beantwortet worden.

Gießen – Seit einigen Wochen ist die Basilika auf dem Schiffenberg wieder Baustelle. Allerdings war nicht zu erkennen, was dort geschah. Erst als Mitte Dezember ein Löschfahrzeug der Feuerwehr in den Innenhof steuerte, wurde auch einer Wandergruppe am Kiosk deutlich, dass es um Brandschutz geht.

Schon vor gut drei Jahren war angekündigt worden, dass über die beim Abschluss der Restaurierung 2015 montierten Brandmelder hinaus eine weitere Schutzmaßnahme an der Basilika auf dem Schiffenberg erfolgen sollte. Dabei geht es nicht um den Schutz eines Veranstaltungsraumes, also um Personenschutz, sondern um den Schutz des historischen Holzdachstuhls der Basilika.

Gießen: Basilika-Brandschutz auf Schiffenberg wird zur Herausforderung

Zur Erinnerung: Der Gutachterbefund, dass das Holz von Vierungsturm und Mittelschiff bauzeitlich ist, also aus dem 12. Jahrhundert stammt, kam einer Sensation gleich. Das Dach des Langhauses gehört zu den ältesten erhaltenen Dachwerken in Deutschland, das 1145 entstandene Kirchturmdach ist höchstwahrscheinlich sogar das älteste erhaltene Dachwerk dieser Art im deutschsprachigen Raum. Diese bedeutenden Befunde führten unter anderem dazu, dass die Basilika von der Bundesregierung 2012 als Nationaldenkmal eingestuft wurde.

»Obwohl baurechtlich nicht gefordert, war es uns daher ein besonders wichtiges Anliegen auch den Brandschutz des wertvollen Baudenkmals zu verbessern. Wie das am besten machbar ist, haben wir ausführlich mit den Experten diskutiert und gutachterlich untersuchen lassen«, erklärt Denkmalpfleger Joachim Rauch.

Aber wie schützt man im Brandfall das Holz in einem schwer zugänglichen Dachstuhl? Eine Löschanlage, die selbsttätig auslöst, bräuchte permanenten Wasserzufluss sowie eine Technikzentrale mit Pumpenanlage. Beides ist in der unbeheizten Basilika nicht vorhanden, auch fehlt der notwendige Platz. Also entschied man sich für eine halbstationäre Löschanlage, die im Brandfall von der Feuerwehr befüllt wird und so die Brandbekämpfung erheblich erleichtert.

Schiffenberg in Gießen: Rohrsystem wird von außen befüllt

Das bedeutet: Im Dachstuhl wurden Rohre verlegt, die vom Westchor über das Langhaus bis in den Ostchor und die Turmspitze hinauf reichen. Diese Rohre sind im Normalfall leer. Sie haben, ähnlich wie bei einer Sprinkleranlage, viele Abzweigungen mit Sprinklerköpfen, die im Ernstfall punktgenau auslösen und Wasser an den Brandstellen nach oben und unten abgeben. Befüllt würde das Rohrsystem von der Feuerwehr von außerhalb der Basilika: der Schlauch des mit 5000 Liter befüllten Löschfahrzeugs würde an das Rohrsystem angeschlossen und das Wasser mit hohem Druck eingepumpt werden.

Die Anschlüsse befinden sich nahe dem Eingangstor, im Halbrund des einstigen Westturms. Das Hauptzuleitungsrohr verläuft relativ unauffällig neben dem Regenfallrohr nach oben. Es ist ein hoher Druck von mindestens 8 Bar nötig, um das Wasser über die gesamte Länge von 60 Metern bis in die 25 Meter hohe Turmspitze zu pumpen. Allein zum Befüllen des Rohrsystems sind 500 Liter notwendig und je nachdem wie viele Sprinkler angehen, erhöht sich auch die benötigte Wassermenge.

Schiffenberg: „Schönste Baustelle“ in Gießen

»Das kann bedeuten«, so der zuständige Brandschutzgutachter Ralf Prior, »dass im schlimmsten Fall bis zu 2000 Liter pro Minute durchrauschen.« Diese Menge würde durch weitere Löschfahrzeuge bereitgestellt, beruhigt Guido Becker von der Feuerwehr Gießen, zudem ist die 30000 Liter fassende Zisterne im Innenhof anzapfbar. Alle Beteiligten sind froh, dass gleich der erste Testlauf geklappt hat, dass die vorher angestellten Berechnungen zutreffen. Die beauftragte Firma SprING aus Gießen beendete die restlichen Arbeiten noch vor Weihnachten.

Firmenchef Jan Roman Sieber strahlte über das ganze Gesicht, was trotz Mund-Nasen-Schutz erkennbar war. »Das ist meine schönste Baustelle«, sagt er über seinen ersten Auftrag in Gießen. Ein Auftrag, der knifflig war bis ins Detail, aber er liebt die Herausforderung und sein motiviertes Team offenbar auch. Die Rohre mussten vor Ort in der Länge zugeschnitten werden, das heißt auch, dass alle Anschlussgewinde einzeln gefertigt werden mussten.

Die Vorgabe des Denkmalschutzes war, dass die Rohre im Sichtschatten der Dachsparren verlaufen, damit sie von unten nicht sichtbar sind. Denn die besondere Situation in der Schiffenberg-Basilika ist, dass die Dachstühle im Ost- und im Westchor offen liegen, weil die Gewölbe- decken in den 1970er Jahren entfernt wurden. Künftigen Besuchern der Basilika dürften die Veränderungen kaum auffallen. Aber ein weiterer Schritt zum würdigen Umgang mit Gießens ältestem Bauwerk ist damit getan.

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