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Ehemaliges Fina-Parkhaus: Jahrelange Reinigung belastet Grundwasser

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Von: Sebastian Schmidt

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Am Selterstor wird eine neue Grundwassermessstelle eingerichtet. © Oliver Schepp

Seit über 20 Jahren wird am ehemaligen Fina-Parkhaus das Grundwasser abgepumpt und gefiltert. Ob damit bald Schluss ist, sollen Messungen zeigen.

Gießen – Es ist mehr als 40 Jahre her, dass es im ehemaligen Fina-Parkhaus eine chemische Reinigung gab. Doch seitdem ist das Grundwasser in der Südanlage mit Schadstoffen belastet und muss schon seit 20 Jahren abgepumpt und gefiltert werden. Bald steht nun ein Test an, ob diese Grundwasserreinigung weiter notwendig ist.

Die deutsch-belgische Mineralölfirma Petrofina hatte 1961 in der Südanlage das erste Parkhaus der Stadt überhaupt eröffnet. Wie diese Zeitung damals geschrieben hatte, »um die drückende Parkraumnot in der Innenstadt zu lindern«. Die dazugehörige Tankstelle gibt es seit 1991 nicht mehr und eine chemische Reinigung, die sich ebenfalls im Parkhaus befunden hatte, ist bereits seit 1981 geschlossen.

Gießen: Defekte und Fehler in den Kanalrohren

Das Grundwasser an dieser Stelle ist jedoch seit dem durch die Auswirkungen der Reinigung belastet. Michael Woisnitza ist Projektleiter bei der HIM-ASG und für die sogenannte Altlastensanierung unter dem Parkhaus zuständig. Der Geologe erklärt, wie seit mittlerweile 20 Jahren versucht wird, zu verhindern, dass die Schadstoffe in die Lahn gelangen.

Die Reinigung, dort wo sich heute ein Fahrradladen befindet, erklärt Woisnitza, habe ihr Abwasser damals über die Kanalisation abgeleitet. »Durch Defekte und Fehlstellen in den Rohren« seien Teile des Abwassers jedoch im Boden versickert. Besonders problematisch daran ist, dass das Wasser mit Tetrachlorethan, einem giftigen Lösungsmittel, versetzt gewesen war. Das werde nun seit Jahrzehnten aus den Bodenschichten geschwemmt und würde mit dem Grundwasser Richtung Lahn bewegt werden. Damit genau das nicht passiert, wird seit September 2003 eine sogenannte »hydraulische Sicherung« vorgenommen.

Schadstoffe in Gießen: Parkhaus befindet sich über belasteter Stelle

Woisnitza erklärt: Aus Brunnen unter dem Parkhaus werde pro Stunde sechs Kubikmeter Grundwasser an die Oberfläche gepumpt und durch zwei Kessel mit Aktivkohlefiltern geleitet. Seit Beginn der Maßnahme vor 20 Jahren wurden so schon 165 Kilogramm des Lösungsmittels gebunden. »Wir vermuten, dass wir damit ungefähr 80 bis 90 Prozent rausbekommen haben.« Ganz genau wisse man das jedoch nicht, weil man nur schätzen könne, wie viel Schadstoffe damals ausgelaufen waren.

Eine schnellere und einfachere Möglichkeit, das Lösungsmittel aus dem Boden zu entfernen, sei es, den Boden einfach abzutragen. Dieser Maßnahme steht im konkreten Fall jedoch das Parkhaus im Weg, das sich genau über der belasteten Stelle befindet. Schweres Gerät wie die nötigen Bagger können dort nicht zum Einsatz kommen. »Bei einer Deckenhöhe von dreieinhalb Metern können wir nicht viel machen«, sagt Woisnitza.

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1961 wird das Fina-Parkhaus in der Südanlage eröffnet und bis 1981 gibt es auf der linken Seite eine chemische Reinigung. Das Abwasser der Reinigung ist mit einem giftigen Lösungsmittel kontaminiert. ARCHIVFOTO © Red

Gießen: Grundwasser wird im April überprüft

Und so wird in der Südanlage seit Jahrzehnten gepumpt und gefiltert, gepumpt und gefiltert. Alle fünf Jahre werde dieses Prozedere für einige Monate unterbrochen und dabei untersucht, ob das Grundwasser ohne die Filteranlage rein genug ist. Der gesetzliche Grenzwert für sogenannte leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe wie Tetrachlorethan liegt bei 0,01 mg/l.

Bei der Feststellung der Belastung 1996 lag der gemessene Wert bei 4,47 mg/l. Woisnitza sagt: »Das ist extrem viel.« Der höchste Wert, den eine Messung an diesem Ort ergeben habe, war sogar 54,5 mg/l gewesen. »Der Wert schwankt aber, je nachdem wie der Grundwasserspiegel gerade steht«, erklärt der Geologe dazu. Deswegen werden viele Messungen über einen größeren Zeitraum durchgeführt, um sich ein genaues Bild der Lage zu verschaffen.

Dieses Jahr ist es wieder soweit: Ab April werden bis zum Herbst die Pumpen und Filter stillstehen. Dann wird in mehreren Grundwassermessungen überprüft, ob die Schadstoffbelastung des Bodens gering genug ist, um mit der »hydraulischen Sicherung« aufzuhören. Zu diesem Zweck wurden vor Kurzem am Selterstor in zehn Metern Tiefe zwei neue Messstellen angebracht, um das Richtung Lahn fließende Wasser überprüfen zu können. Glaubt der Fachmann, dass der Boden nun sauber ist? Woisnitza: »Hätten Sie mich das vor zehn Jahren gefragt, hätte ich damals schon gesagt, wir sind fertig.« Es bleibt also abzuwarten. (Sebastian Schmidt)

Für Aufregung sorgt in Gießen auch ein Verkehrsversuch am Anlagenring.

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