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Samen-Hahn-Areal in Gießen wird neu bebaut - Das sind die Pläne

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Bis 31. März muss Karim Shobeiri den Bauantrag für das Samen-Hahn-Gelände in Gießen einreichen. Geplant sind 60 Wohnungen sowie die Rekonstruktion des abgerissenen Originalhauses.

Dort, wo einst Saatgut, Blumen und Pflanzen verkauft worden sind, soll Gießens grünstes Gebäude entstehen. Das zumindest ist der Plan von Karim Shobeiri, seit dem vergangenen Jahr alleiniger Besitzer des Samenhaus-Hahn-Areals an der Ecke Bahnhofstraße/Reichensand.

Bis 31. März muss und will Shobeiri den Bauantrag für die Brachfläche einreichen, die viele Jahre Streitobjekt zwischen seiner Familie und der Stadt gewesen und im Zuge dessen zu einem Schandfleck verkommen ist. Das Datum ist in einem städtebaulichen Vertrag festgeschrieben, den Shobeiri im vergangenen Jahr mit der Stadt geschlossen hat. "Für mich ist dieser Vertrag bindend", sagt der Kaufmann im Gespräch mit dieser Zeitung.

Für das Gelände hat sich Shobeiri mit seinem Planer, dem Architekten Björn Trieschmann von "studioaw", ein spektakuläres Projekt ausgedacht. Es trägt den Namen "Stadtgarten" und soll die Stadt "grüner machen". Zu diesem Zweck werden die Wohnungen des zentralen Gebäudes zum Beispiel an der Fassade zum Reichensand Hochbeete erhalten, die die Bewohner von ihren jeweiligen Balkonen bewirtschaften können. Die offenen Treppenhäuser werden zudem mit großen Bäumen versehen, an denen man entlanggeführt wird. "Die Bewohner werden die Bäume anfassen und erleben können", verspricht Trieschmann.

Das Erdgeschoss soll aus Stützen bestehen, um den Blick in Innenhöfe zu ermöglichen. Es ist als Abstellplatz für 230 Fahrräder geplant, dadurch soll der innere Bereich freigehalten und für Bewohner nutzbar gemacht werden. Auch dort sollen wie auf den Dächern der drei Neubauten Grünflächen entstehen. "Durch die Verwendung von Regenwasser, Fotovoltaikanlage und einem eigenen Blockheizkraftwerk ist das Projekt enorm regenerativ. Mehr kann man in dieser Hinsicht bei so einem Vorhaben kaum machen", sagt Trieschmann.

In den Neubauten werden knapp 60 Wohneinheiten mit einer Gesamtfläche von 4300 Quadratmeter errichtet - von Appartements über Wohngemeinschaften, Zwei- und Dreizimmerwohnungen bis zu Penthouse-Wohnungen. Alle Einheiten des 17-Millionen-Projekts sowie die gut 1000 Quadratmeter großen Gewerbeflächen für Praxen, Kanzleien oder Büros, die im vierten Gebäude, der Rekonstruktion des 2012 abgerissenen gründerzeitlichen Wohn- und Geschäftshauses "Samen Hahn" entstehen, will Shobeiri nur vermieten, nicht verkaufen.

Besonders die Rekonstruktion des Samen-Hahn-Hauses dürfte in der Stadt mit Spannung verfolgt werden. Das Originalgebäude war seit 1981 in Besitz der Shobeiris, stand die meiste Zeit aber leer und musste nach langjährigem Verfall 2012 wegen Einsturzgefahr abgerissen werden. Die Rekonstruktion des Kulturdenkmals ist Shobeiri von der Stadt mit sehr strikten Vorgaben auferlegt worden.

In der Inverstechnik haben sich Stadt und Shobeiri nun auf eine Variante der Rekonstruktion geeinigt, bei der zwar alle Hauptmaße des historischen Gebäudes wie Geschosshöhen, Dachausbildung, Traufe, First und Fensteraufteilung originalgetreu nachkonstruiert werden, die Fassade jedoch nicht rekonstruiert wird. Sie wird vielmehr invers, also umgekehrt, in den Putz eingelassen. Dort, wo im Original ein Sims oder ein Vorsprung war, entsteht ein Abdruck in gleicher Größe. Diese Technik ist von Trieschmann in Gießen bereits an einer Fassade in der Ludwigstraße (Hausnummer 27) angewendet worden. Shobeiri sagt, er freue sich sehr auf das Projekt. "Die Zusammenarbeit mit der Stadt läuft bis jetzt sehr gut. Es ist allen Beteiligten anzumerken, dass sie sich damit identifizieren", sagt Shobeiri, der nach dem Verkauf der Alten Post offenbar mit neuer Motivation an seine Immobilienprojekte herangeht. "Ich bin nun alleiniger Besitzer der Immobilien, die vorher in Familienbesitz waren. Damals waren mir die Hände gebunden. Jetzt ist der Knoten gelöst", sagt Shobeiri.

Nach dem Verkauf der Alten Post an den heimischen Unternehmer Kai Laumann und der Planung des "Stadtgartens" hat Shobeiri auch die lange leerstehende Ringel-Villa fertig saniert. Die Wohnungen könnten im April bezogen werden. Zudem gibt es Pläne für Neubauten auf dem Areal des Alt Gießen. Auch die will Shobeiri bald vorstellen. Zunächst aber muss er bis 31. März den Bauantrag für das Samen-Hahn-Areal einreichen. "Ich will jetzt aufholen, was ich in den letzten Jahren alles verpasst habe", sagt Shobeiri über die Geschwindigkeit bei seinen Projekten, "Ich denke, ich habe seit dem Verkauf der Alten Post gezeigt, das ich will."

Drei Jahre Zeit

Im städtebaulichen Vertrag zwischen Besitzer Karim Shobeiri und der Stadt ist nicht nur der Abgabetermin für den Bauantrag (31. März) geregelt. Auch das weitere Prozedere ist darin festgeschrieben. Innerhalb von neun Monaten nach der Erteilung der Baugenehmigung muss Shobeiri mit dem Bau begonnen haben. Für die Fertigstellung hat er dann drei Jahre Zeit.

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