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Ein Sack mit menschlichem Kot an der Brücke zum Martha-Mendel-Weg

Umweltfrevel

Gießen: Müll landet immer wieder in der Wieseck – Säcke mit Exkrementen entdeckt

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Wer tut so etwas? Unbekannte werfen Säcke mit Exkrementen in den Fluss. Auch Gartenabfälle landen dort. Und das ist noch nicht alles.

Gießen – Dass an der Wieseck auf Höhe der Brücke, die Martha-Mendel-Weg und Steinerne Brücke verbindet, immer wieder illegal Gartenabfälle abgeladen werden, ist ein bekanntes Problem. Auf Anregung des Wiesecker Ortsbeirats verweist dort schon länger ein Schild darauf, dem Stadtreinigungsamt zu melden, wenn auf Kosten der Bürger und zu Lasten der Umwelt Abfälle entsorgt wurden. Große Plastiksäcke mit menschlichen Exkrementen, die an dieser Stelle in die Wieseck geworfen wurden, sind dagegen Vorkommnisse, von denen die Stadt zum ersten Mal gehört hat, wie Sprecherin Claudia Boje auf Anfrage mitteilt.

Eine GAZ-Leserin berichtete kürzlich, sie sei beim Spazierengehen mit einem Mann ins Gespräch gekommen, der gerade so einen Sack aus dem Wasser gefischt habe. Der Mann sei aufgeregt gewesen, weil er schon öfter Derartiges aus dem Wasser herausgeholt habe. Einige Tage später meldete sich die Leserin erneut samt Foto; es sei wieder passiert. Der Besuch vor Ort bestätigte: Auf einer Seite der Brücke lag ein Sack und es stank penetrant.

Müll in Gießen: Kleingärtner weisen Verdacht von sich

Die Vermutung des Mannes, Kleingartenbesitzer könnten etwas damit zu tun haben, teilen deren Vertreter nicht. »Unsere Parzellen an der Ringallee sind recht weit davon entfernt und ich glaube nicht, dass Kleingartenbesitzer bei uns oder aus unseren Nachbarvereinen auf die Idee kommen, so etwas dorthin zu transportieren«, sagt Oliver Biberger, Vorsitzender des Vereins »Am Sellnberg«. Zumal es in ihrer Anlage zwei fest installierte Toiletten gibt, viele Mieter hätten zudem Campingtoiletten; darüber hinaus stehen städtische Container für Grünschnitt bereit.

»In der letzten Zeit sind viele junge Familien bei uns Mitglied geworden, und wir legen Wert auf Naturschutz«, betont Biberger. So etwas sei »unter aller Sau« und natürlich würde es bei solch drastischen Regelverstößen mindestens eine Abmahnung, wenn nicht eine Kündigung geben, sagt auch Wilfried Korell, Vorsitzender des Stadt- und Kreisverbandes der Kleingärtner in Gießen. Auf die Verhaltensregeln werde streng geachtet.

Gießen: Müll-Sünder dürften Wiederholungstäter sein

Am Fundort der Hinterlassenschaft, in der Steinernen Brücke, gibt es zudem privat verpachtete Gartenparzellen; sie sind in keiner Vereinsstruktur. Klaus-Dieter Volkmann hat den Eckgarten am Ende der Straße, unmittelbar gegenüber der Brücke zum Martha-Mendel-Weg. Säcke mit Kot habe er zwar noch nicht registriert, doch Müll sei hier nach wie vor ein stetes Problem. »Letztes Jahr war es ganz schlimm«, berichtet er.

Insbesondere würden immer wieder versteckt hinter einer Hecke Gartenabfälle entsorgt werden - Überreste davon sind noch deutlich auszumachen. Aber auch anderer Müll werde hingeworfen, sogar Glaswolle habe er bereits entdeckt.

Daher steht dort das Schild mit der Nummer des Stadtreinigungsamtes, um illegale Abfälle zu melden. Diese würden auch zeitnah abgeholt, reagiert Boje auf die Kritik Volkmanns, dass es zuweilen lange dauere, bis das Reinigungsamt vorbeikommt. Welche Personen konkret und aus welchem Umfeld hier öffentlichen Grund als Müllkippe bzw. sogar als Kanalisation für ihre Notdurft benutzen, bleibt vorerst ein Rätsel. Wahrscheinlich dürfte allerdings sein, dass es Wiederholungstäter sind, die Grundstücke ohne Abwassersystem haben und den Platz gut kennen.(bei)

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