KW-Wirt Haiko Schimpf hat seine Kneipe coronatauglich umgerüstet. 
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KW-Wirt Haiko Schimpf hat seine Kneipe coronatauglich umgerüstet. 

Gastronomie

Gießen: So reagieren Wirte auf neue Regelung - Einige Kneipen bleiben geschlossen

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Ab heute darf das Bier in Gießens Kneipen wieder aus den Zapfhähnen strömen. Doch Corona zwingt Wirte und Gäste dazu, sich auf neue Verhältnisse einzustellen.

Die Abende, an denen sich Haiko Schimpf alleine an den Tresen seiner verlassenen Kneipe gesetzt, ein Bierchen getrunken und die Musik aufgedreht hat, sind vorbei. Ab heute darf der Gastronom das "Kaffee Wolkenlos" in der Goethestraße wieder öffnen. Richtig glücklich ist er nicht. Seine gemütliche Eckneipe ist kaum wiederzuerkennen. Schimpf hat einiges verändert, um den coronabedingten Hygiene-Anforderungen gerecht zu werden. Der Thekenbereich und einige Sitznischen sind mit Plexiglasfolie abgeschirmt, andere Sitzplätze hat er komplett gesperrt. Bezahlt wird zukünftig an einem kleinen "Schalter" an der Theke - auch dieser Bereich ist mit Folie geschützt. Die Küche bleibt kalt. Und im Außenbereich stehen transparente Iglus über den Tischen.

Schimpf ist die Gesundheit seiner Gäste und Mitarbeiterinnen wichtig. "Mir wäre es am liebsten, wenn die Leute in der Kneipe einen Mundschutz tragen würden. Wir wissen doch alle, je mehr Alkohol getrunken wird, desto feuchter wird die Aussprache." Dabei denkt der Wirt sicher auch schon an den Jubel am Samstagabend, falls die Eintracht ein Tor schießt. Schimpf wird das Bundesligaspiel der Frankfurter gegen Borussia Mönchengladbach live übertragen. So rappelvoll wie sonst wird es aber nicht. Áb sofort dürfen sich 18 Gäste im KW und zehn im Biergarten aufhalten. "Ich hoffe, dass wenigstens so viel hängen bleibt, dass ich Personal und Miete bezahlen kann. Für mich wird bei so wenigen Gästen nichts übrig bleiben", sagt Schimpf. Auch die Kosten für Desinfektionsmittel und Schutzaufbauten oder das zusätzliche Personal, das sich um die Einhaltung der Regeln kümmert, sind in seiner Rechnung noch nicht enthalten. Gegenüber Gästen, die sich nicht an Regeln halten, will Schimpf null Toleranz entgegenbringen. "Die, die wir früher ermahnt haben, fliegen direkt raus. Wer Verschwörungstheorien nachhängt, soll lieber zu einem Wirt gehen, der das auch tut, aber nicht zu mir." Auch wenn es wehtue, die Kneipe nicht unter Normalbedingungen öffnen zu dürfen, habe er Verständnis für die nötigen Regelungen. "Auch dass wir auch die Daten der Personen erheben müssen, die im Biergarten sitzen, kommt im Falle eines Falles doch den Gästen zugute", sagt Schimpf.

Die Auflagen sind also hoch. Für manche Betreiber noch zu hoch. Britta Prell wird das "Sowieso" nicht öffnen. "Die Gäste scharren mit den Hufen, aber ich sehe keine Chance, den Anforderungen gerecht zu werden." Peter Tydeman wird das "Ascot" nicht öffnen, in "Pit’s Pinte" läuft das Bier frühestens am 1. Juni wieder durch den Zapfhahn. "Wir benötigen noch Vorlaufzeit, um alles herzurichten", sagt Pächterin Doro Winkler. Für das "Sowieso" und "Pit’s Pinte" hatte es in den vergangenen Tagen Spendenaktionen gegeben, die zu einer überwältigenden Hilfeleistung geführt hätten. "Bei uns sind 7500 Euro zusammengekommen. Unsere Stammgäste haben sich sehr solidarisch gezeigt", sagt Winkler. Auch für Prell waren die Gäste eine große Hilfe: "Es gab Spendenaktionen, meine Sportler haben mich unterstützt, selbst Gäste, die schon lange nicht mehr in Gießen leben, haben sich beteiligt." Auch von ihren Unterstützer-Shirts habe sie bereits über 100 Stück verkaufen können. Dass man finanziell nicht gezwungen sei, zu öffnen, sei großes Glück, sagt Tydeman. "Ich gehöre zur Risikogruppe und bin froh, dass ich in Ruhe beobachten kann, wie es sich entwickelt", sagt der Wirt.

Öffnen wird Torsten Ströher. Zumindest das "Klimbim" in der Ebelstraße und den Biergarten des "Apfelbaums", während die "Apfelbaum"-Kneipe in der Ludwigstraße geschlossen bleibt. Im Biergarten wird am Wochenende auch Fußball laufen. "Für uns ist das ein Test. Wenn die Leute zu euphorisch sind, kann das wohl ganz schnell auch wieder in die andere Richtung ausschlagen", sagt Ströher. Auch im "Hawwerkasten" und im "Kleinen Lenz" werden heute Abend wieder Gäste erwartet - auf ein Pils hinter Plastik.

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