Noch gibt es kaum Verkehr auf der neuen Rathenaustraße. Was die Zukunft betrifft, gibt es nun eine Einigung über die Verkehrsführung mit Tempo 30.	FOTOS: MÖ
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Noch gibt es kaum Verkehr auf der neuen Rathenaustraße. Was die Zukunft betrifft, gibt es nun eine Einigung über die Verkehrsführung mit Tempo 30. FOTOS: MÖ

Verkehrsplanung am Campus

Gießen: Einigung zu Tempo 30 auf der Rathenaustraße an der Uni erzielt 

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Während die Koalition in Gießen den Streit um die Rathenaustraße am Uni-Campus beilegt, birgt das Vorhaben einer »Waldstraße« schon neuen Zündstoff.

Gießen – Masken auf! Kurz nach 19 Uhr war Corona am Dienstagabend im Sitzungssaal des Rathauses allgegenwärtig. Mit Mund- und Nasenschutz, der nur beim Sprechen ins Mikrofon gelüftet werden durfte, absolvierte der parlamentarische Bau- und Planungsausschuss seine Sitzung, bei der die künftige Verkehrsführung auf der »neuen« Rathenaustraße beherrschendes Thema war. Zwar wirkt die Debatte um die Frage, auf welcher Streckenlänge dort wie schnell gefahren werden darf, angesichts des vom Virus entvölkerten Unicampus etwas bizarr, aber die Koalition aus SPD, CDU und Grünen will ihren Streit offenbar beilegen.

Nach gut zwei Stunden Sitzungsdauer, als ein Antrag der Linksfraktion zur Rathenaustraße diskutiert wurde, verkündete Bürgermeister Peter Neidel eine Zwischenlösung. Auf der Ausbaustrecke zwischen dem Abzweig Otto-Behaghel-Straße und dem Alten Steinbacher Weg werde es einen »Verkehrsversuch mit durchgehend Tempo 30« geben, verkündete der CDU-Politiker. Der werde sich in einen Zeitraum erstrecken, wenn die Sperrung der Rathenaustraße Anfang kommenden Jahres aufgehoben und die Universität auch vielleicht wieder mehr zu Präsenzvorlesungen zurückkehren werde. »Im Moment ist da noch keine Belebung. Es fahren noch keine Busse, und die Bebauung fehlt ja auch noch«, erklärte Neidel.

Gießens Stadtparlament ist außen vor

Die Dimension des Ausbaus der Rathenaustraße und die bereits sichtbar gewordene Verkehrsführung mit der nur 75 Meter langen Tempo-30-Strecke auf Höhe des künftigen Campusplatzes hatte im Sommer in der Öffentlichkeit für Kritik - Stichwort »Flugzeuglandebahn« und »Betonwüste« - und in der Koalition für viel Streit gesorgt. SPD und Grüne warfen dem CDU-Planungsdezernenten vor, er habe sich über Absprachen und Festsetzungen des Bebauungsplans hinweggesetzt.

Neidel erläuterte nun am Dienstagabend, dass die aktuelle Beschilderung der sich aus der Straßenverkehrsordnung ergebenden Rechtslage geschuldet sei. »Derzeit« rechtfertige das Verkehrsaufkommen keine Tempobeschränkung auf der gesamten Ausbaustrecke. Das sehe die städtische Straßenverkehrsbehörde so und die ihre übergeordnete Obere Verkehrsbehörde des Regierungspräsidiums »ähnlich«. Darüber könne sich die Politik nicht einfach hinwegsetzen, denn die Anwendung der StVO sei dem Einfluss des Stadtparlaments aus guten Gründen entzogen.

Gießen: Tempo 20 auf der Rathenaustraße?

Mit einem Verkehrsversuch indes könne man dem auch im Bebauungsplan fixierten politischen Willen nachkommen und dort durchgehend Tempo 30 anordnen. Sollten sich Prognosen bewahrheiten, wonach die Rathenaustraße im Bereich Campusplatz mit Fertigstellung der beidseitig geplanten Großbauten wie Mensa und Bibliotheksanbau in Spitzenzeiten von hunderten oder gar tausenden Hochschulangehörigen gequert wird, könnte eine weitere Beschränkung, dann auf Tempo 20, erwogen werden, erläuterte Neidel.

Damit waren auch die Grünen zufrieden. Fraktionschef Klaus-Dieter Grothe sprach von »unserem Verkehrsversuch« und ist sich mit Blick auf den Campusplatz sicher: »Da wird künftig mehr Fußgängerverkehr sein als in der Neustadt.« Dort befindet sich der gegenwärtig einzige verkehrsberuhigte Geschäftsbereich mit Tempo 20 in Gießen. Die Einrichtung eines solchen Bereichs sieht der Bebauungsplan auch für den Campusplatz vor.

Gießen: Wird Waldweg zur Erschließungsstraße?

Auch zu Beginn der Sitzung war es in der Bürgerfragestunde bereits um Pläne für diesen Bereich des Ostviertels gegangen. Auf eine Bürgerfrage zur Funktion des neuen Kreisverkehrs am Übergang von der Rathenaustraße in den Alten Steinbacher Weg erwähnte Neidel nicht nur die Möglichkeit, dass sich die Vitos-Klinik hier eine südliche Zufahrt schaffen könnte, sondern auch den Ausbau des breiten Waldwegs, der in Verlängerung des Alten Steinbacher Wegs entlang einer Unikita und des Unigästehauses zum Schiffenberg führt. Mittel- und langfristig könnte dieser von Spaziergängern, Joggern und Radfahrern stark genutzte Weg zu einer Erschließungsstraße für die Universität und die Vitos-Klinik ausgebaut werden. Auch diese »Anschlussoption« bestehe durch den Kreisverkehr, erläuterte Neidel.

Gegenwärtig ist der Weg wegen der Verlegung einer Leitung für die Energiezentrale der Universität, die gerade auf dem Parkplatz des Phil. II errichtet wird, gesperrt.

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