+
Vor dem Jugendschöffengericht im Amtsgericht wird das Urteil gesprochen.

Festgäste verprügelt

Party in Gießen massiv aufgemischt - Ein Opfer konnte vier Wochen keine feste Nahrung zu sich nehmen

  • schließen

Weil er zusammen mit Kumpels ein Sommerfest in Gießen brutal "aufgemischt" hat, ist der Haupttäter nun verurteilt worden. Zur Tatzeit war er erst 19 Jahre alt.

Gießen - Mit einem blauen Auge davon gekommen ist ein junger Mann, der sich am Mittwoch vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Gießen für eine Reihe von Straftaten zu verantworten hatte, die weit davon entfernt waren, als Kavaliersdelikte angesehen werden zu können. Richterin Birgit Ruppel verhängte gegen den zur Tatzeit 19-Jährigen eine Einheitsjugendstrafe von neun Monaten auf Bewährung, machte außerdem die Auflage, dass sich der Mann einem Anti-Aggressions-Lehrgang unterzieht. In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 2017 stattete der Teenager dem Sommerfest zweier Fachbereiche der Technischen Hochschule Mittelhessen einen Besuch ab, dabei belästigte er eine junge Frau und wurde daraufhin des Geländes verwiesen.

Wenig später tauchte er aber wieder auf, mit acht bis zehn Kumpanen im Schlepptau, die dem Angeklagten halfen, das Fest "aufzumischen". So schlugen der Angeklagte und seine Kumpel anscheinend wahllos auf die Anwesenden ein. Dabei benutzten sie auch ihre Gürtel mit Schnallen aus Metall als Schlaginstrument. Ein junger Student wurde dabei am Auge getroffen und musste mehrere Tage zur stationären Behandlung im Krankenhaus bleiben. Dabei hatten der Angeklagte und auch der Geschädigte sehr viel Glück, denn wahrscheinlich wird das Opfer keine bleibenden Beeinträchtigungen davontragen. Auch andere Anwesende erlitten Verletzungen.

Gießen: Täter verpasste einem der Partygäste Kieferbruch

Damit nicht genug. So hatte der inzwischen 21-jährige Täter einem am Boden Liegenden mit einem "beschuhten Fuß", so Staatsanwältin Anna Helwig, derartig fest ins Gesicht getreten, dass sich dieser einen Kieferbruch zugezogen hatte und vier Wochen lang keine feste Nahrung zu sich nehmen konnte. "Sie haben keine Rücksicht genommen", warf die Richterin dem Angeklagten vor. "Das ist wirklich eine schlimme Tat." Fünf Fälle von gefährlicher Körperverletzung fasste Frau Ruppel zusammen und ergänzte: "Die Schwere wird ganz deutlich bejaht." Zwar hatte der Angeklagte Alkohol und Betäubungsmittel vor der Tat zu sich genommen, doch dass dadurch Schuld- und Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sein könnten, sahen weder das Gericht noch die Anklage oder Verteidigung.

Ein Jahr und zwei Monate später hatte der Angeklagte in einer Gaststätte in der Gießener Innenstadt eine Jacke gestohlen. Der eigentliche Besitzer hatte aber aufgepasst und verfolgte den Dieb, der mit Gewalt die Beute verteidigte. Klarer Fall: Räuberischer Diebstahl. Gegenüber den herbeigerufenen Polizisten verhielt sich der Angeklagte renitent, und er beleidigte die Beamten massiv.

Gießen: Anti-Aggressionstraining für Täter

Staatsanwältin Helwig hatte in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Vorbewährung gefordert. Auch sie sah dabei eine Schwere der Schuld beim Angeklagten und schädliche Neigungen. Der Verteidiger Philipp Klein hielt eine Strafe von neun Monaten auf Bewährung für angemessen. Beide, Anklägerin und Rechtsbeistand, sprachen sich für eine Teilnahme an einem Anti-Aggressionstraining aus. Und an Schmerzensgeld, dessen Höhe das Gericht nicht festlegte, zahlt er laut Urteil zunächst monatliche Raten in Höhe von 80 Euro.

"Bei Ihnen hat sich sehr viel Positives getan", sagte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung: "Sie waren umfassend geständig und haben nicht versucht, das Ganze zu beschönigen. Sie haben in ihrem Lebenswandel eine Kehrtwende vollzogen". Denn der Angeklagte hat inzwischen eine Ausbildung begonnen, ist eine feste Beziehung eingegangen und sieht mit seiner Partnerin Elternfreuden entgegen. Außerdem hat er sich räumlich und auch einstellungsmäßig aus dem Dunstkreis seiner Gießener Freunde entfernt. Damit er sich weiter auf dem richtigen Weg befindet, wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare