Gewerbegebiet

Gießen: Neues Gewerbegebiet am Umspannwerk - Grünes Licht und Streitthema Verkehr

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Die Stadt Gießen kann ihre Planungen für das große Gewerbegebiet Katzenfeld am Rand der Weststadt weiter vorantreiben. Beim Verkehr muss aber noch nachgebessert werden. Kritik kommt aus der Nachbarschaft.

Wer an einer Sitzung der Ausschüsse der Regionalversammlung Mittelhessen teilnehmen will, muss früh aufstehen. Da in den Gremien viele hauptamtliche Kommunalpolitiker sitzen, deren Terminkalender prall gefüllt sind, wird die Tagesordnung meistens zudem sehr zügig abgearbeitet. Das war am Donnerstagmorgen nicht anders: Keine fünf Minuten brauchte der Haupt- und Planungsausschuss im Sitzungssaal des Regierungspräsidiums am Landgraf-Philipp-Platz, um grünes Licht für eine wichtige und große Planung der Stadt Gießen zu geben. Einstimmig befürwortete das Gremium die von Gießen beantragte Abweichung vom Regionalplan Mittelhessen, um zwischen dem Umspannwerk und der Grundschule Gießen West im sogenannten Katzenfeld ein 18 Hektar großes Gewerbegebiet zu entwickeln. Die Genehmigung der Regionalversammlung war nötig, weil die Fläche im rund 20 Jahre alten städtischen Flächennutzungsplan noch als Siedlungsgebiet ausgewiesen ist. Eine Wohnnutzung kommt in diesem Bereich aber nicht mehr in Frage, weil über dem Katzenfeld eine Hochspannungsleitung verläuft, zu der Wohnhäuser mindestens 400 Meter Abstand halten müssen.

Kritik aus Wettenberg

Eine Formsache war das gestrige Votum der Regionalversammlung gleichwohl nicht. Denn laut der Beschlussempfehlung der Regionalplaner des RP muss die Stadt im Zusammenhang mit der Verkehrsanbindung des Gewerbegebiets nachweisen, dass die geplante Erschließung über die Krofdorfer Straße bzw. die nach Launsbach führende Kreisstraße 28 die "Leistungsfähigkeit und Sicherheit" des Verkehrs auf dieser Straße nicht gefährdet, wie es in einer Stellungnahme von Hessen Mobil zur Planung der Stadt Gießen heißt. Das bisher von der Stadt verfolgte Konzept für das Gewerbegebiet sieht zwei Anschlüsse an die K 28 vor: einen südlichen kurz hinter der Weilburger Grenze und einen nördlichen kurz vor der engen Kurve, die die Straße am Abzweig Wilhelm-Leuschner-Straße beschreibt.

Wie entwickelt sich Verkehr?

Ein Einwand gegen diese Verkehrsplanung kommt auch aus Gießens Nachbargemeinde Wettenberg. Sie hält zusätzlichen Verkehr unter anderem mit dem Hinweis auf den Straßenzustand und vor allem auf die schmale Brücke, die über die Autobahn 480 führt, für nicht verantwortbar. Auf der Brücke gibt es nur zwei schmale und marode Gehwege und keine Schutzstreifen für den Radverkehr.

Dass an dieser Stelle angesichts des zu erwartenden Zusatzverkehrs Handlungsbedarf besteht, ist dem Gießener Magistrat klar. Auf der Ebene der CDU gab es auch schon einen Ortstermin mit Kommunalpolitikern aus Gießen und Wettenberg, an dem Planungsdezernent Peter Neidel teilnahm. Zuständig für die Straße, die durch beide Gemarkungen führt, ist aber der Kreis. Und der sieht eine Sanierung der K 28 samt Radwegebau bislang als nicht dringlich an; im Dezember lehnte es die Kreistags-Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern ab, Mittel für eine Radwegeplanung in den Kreishaushalt einzustellen. Dagegen stehen im Gießener Stadthaushalt 25 000 Euro für eine solche Planung zur Verfügung.

Ursprünglich hatte Gießen übrigens überlegt, das Gebiet gemeinsam mit Wettenberg zu erschließen, aber aus dieser interkommunalen Zusammenarbeit wurde nichts.

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